EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Click here for EU news »
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Griechenlandhilfe kann ohne Slowakei vorangehen

Veröffentlicht 05. Mai 2010 - Aktualisiert 11. Januar 2011
DruckversionSend by email

Während Hunderte von Demonstranten gestern (4. Mai) in Griechenland auf die Straße gingen und internationale Märkte für Aktien und Anleihen sanken, versuchte die Europäische Kommission, Investoren zu beruhigen, dass das Multimilliarden-Euro Darlehenspaket, das letzte Woche beschlossen wurde, um Griechenland bei der Bewältigung seiner Schulden zu helfen, auch ohne die Zustimmung jedes Mitgliedsstaats der Eurozone vorangehen kann.

Griechenland hat am Sonntag die Zustimmung der Eurozonen-Finanzminister gewonnen, ein 110 Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket bilateraler Darlehen über die nächsten drei Jahre von Eurozonenländern und dem Internationalen Währungsfonds zu erhalten (EurActiv 03.05.10). 

Doch das Eurozonenmitglied Slowakei will erst nach den Bundeswahlen im Juni über die finanzielle Hilfe für Griechenland abstimmen, sagte der Premierminister des Landes, der darauf bestand, dass Athen zuerst seine Hausaufgaben machen müsse, die darin bestehen, Ausgaben zu kürzen, bevor sie jegliche slowakische Finanzierung erhalten könnten (EurActiv 04.05.10). 

Der linke Premierminister Robert Fico will am 12. Juni wiedergewählt werden und wird von der rechts-konservativen Oppositionspartei SDKU unter Druck gesetzt, den Hilfen für Griechenland nicht zuzustimmen.

"Wir sagen endgültig "Nein" zu dieser Hilfe", sagte SDKU-Chef Iveta Radicova am Montag, kurz nach dem Treffen der Minister.

Nicht alle Mitgliedsstaaten nötig

Bei einem Pressebriefing am Dienstag (4. Mai) sprechend, regte Amadeu Altafaj Tardio, Sprecher des EU-Kommissars für Wirtschafts- und Währungsangelegenheiten, Olli Rehn, an, dass andere Eurozonenstaaten ihren Anteil an dem allgemeinen Darlehenspaket der Eurozone verfügbar machen könnten, ohne auf die Slowakei zu warten.

"Es geht nicht darum, dass alle Mitgliedsstaaten Mitte Mai für die Auszahlungen bereit sind. Ich denke, das ist klar. Einige parlamentarische Prozeduren werden bis länger dauern als bis Mitte Mai. Das kann der Fall sein. Es hält den Mechanismus nicht davon ab, benutzt zu werden, und das Geld nicht, ausgeschüttet zu werden."

Entsprechend dem Abkommen von Sonntag wird Griechenland 2010 30 Milliarden Euro von der Eurozone erhalten. Athen wird die ersten Darlehen vor dem 19. Mai erhalten, wenn es Schulden in Höhe von 8,5 Milliarden Euro zurückzahlen muss.

Doch die von den Finanzministern am Sonntag angenommene Erklärung besagt, "parlamentarische Zustimmung, in einigen Mitgliedsstaaten im Vorfeld der Ausschüttung der ersten Tranche benötigt, soll zügig folgen."

Nationale Souveränität

Tardio sagte, dass die Kommission "vollsten Respekt für parlamentarische Debatten habe", die auf nationaler Ebene stattfänden, doch fügte hinzu, dass es "keinen Zweifel" daran gebe, dass die EU "den Großteil der provisorischen Finanzierung bis Mitte Mai zusammen haben werde".

"Nationale Souveränität ist ein Thema – involvierte Parlamente müssen hier Position beziehen", erklärte Tardio, und sagte: "Dies beeinflusst die Ausschüttung der nationalen Darlehen die von der Kommission zusammengeführt werden."

"Die Prozedur wird in manchen Mitgliedsstaaten länger dauern als in anderen", sagte er, und fügte hinzu, dass "wir nationale Regierungen nicht umgehen können".

"Doch es beeinflusst nicht die Entscheidung, den Mechanismus zu aktivieren", betonte Tardio. "Wir werden bereit sein, Griechenlands Bedürfnisse in Sachen Neufinanzierung der Schulden zu erfüllen."

Darüber hinaus werde die Ausschüttung jeder Tranche von der strengen Implementierung des Sparmaßnahmenprogramms abhängen, das Athen mit dem IWF und der Eurozone vereinbart habe.

Die Erklärung folgte als Antwort auf den slowakischen Premierminister Robert Fico, der am Montag sagte, dass die Zustimmung zu einem neuen Sparmaßnahmenprogramm durch die griechische Regierung nicht automatisch slowakische Finanzierung sicherstellen würde. "Ich traue den Griechen nicht", sagte er. "Wir wollen sehen, wie die Gesetze im Parlament angenommen werden".

Langfristige Lösung

Eurozonenoberhäupter werden sich am Freitag (7. Mai) treffen, um Informationen über den Fortschritt im parlamentarischen Zustimmungsprozess für die Darlehen in den jeweiligen Ländern auszutauschen.

Der Gipfel wird ebenfalls eine Gelegenheit darstellen, um Lehren aus der Krise zu ziehen und Vorschläge für eine "wirtschaftliche Regierung" für die Eurozone auszuarbeiten.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte, dass die Gipfelgespräche die langfristige Antwort der EU betreffen werden "und dass ein erster Austausch von Ansichten über die Lehren, die gezogen werden müssen, um Regierung und Kohäsion der Eurozone zu stärken", erfolgen würde, so eine Mitteilung

Am Dienstag dementierte Kommissionssprecher Tardio, der Rettungsplan für Griechenland könnte als Entwurf für andere hoch verschuldete Eurozonenstaaten wie Spanien dienen.

EU-Wirtschafts und –Währungskommissar Olli Rehn wird am 12. Mai langfristige Vorschläge enthüllen, so Tardio. Diese würden einen "Krisenbewältigungsmechanismus" beinhalten, der in zukünftigen Krisen genutzt werden könnte.

Nächste Schritte: 
  • 7. Mai:Eurozonen-Gipfel um die Griechenlandhilfen abzusegnen und den parlamentarischen Zustimmungsprozess in Mitgliedsstaaten zu diskutieren.
  • 12. Mai:Die Kommission stellt langfristige Vorschläge für Krisenmanagement in der Eurozone vor.
Hintergrund : 

Griechische Arbeiter und Rentner demonstrierten gestern (4. Mai) im Zentrum von Athen, während internationale Märkte sanken und so die Hoffnung zerschlugen, dass der Wochenendrettungsplan für Griechenland Investoren beruhigen und die Regierungsschuldenkrise eindämmen würde.

Griechenland sitzt auf Schulden, die dieses Jahr die 290 Milliardengrenze erreichen sollen, und hat ein Budgetdefizit von 12,7 Prozent des BIP, mehr als vier Mal das von der EU autorisierte Limit.

Die Kosten um die Schulden zu bedienen sind angestiegen, was der Eurowährung geschadet hat und Spekulationen über einen Rettungsplan verschärft hat (EurActiv 04.02.10). 

Am 3. März hat Griechenland ein drakonisches 4,8 Milliarden Sparprogramm verabschiedet, das an Beamte, Wohlhabende und die Kirche gerichtet ist und europäische Hilfe im Kampf gegen die Schulden sichern soll (EurActiv 04.03.10). 

Am 11. April haben EU-Finanzminister einen detaillierten 30 Milliarden Euro Rettungsplan für Griechenland verabschiedet, der dem Land gestattet, für etwa 5 Prozent Zinsen, und damit wesentlich niedriger als auf dem offenen Markt, Geld von den Regierungen der Eurozone zu leihen. Der Plan würde zusätzlich zu etwa 15 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds im ersten Jahr in Kraft treten und könnte so zum größten multilateralen Finanzhilfsversuch aller Zeiten werden (EurActiv 12.04.10). 

Doch das war nicht genug, um die Spekulation über die Finanzmärkte zu stoppen.

Am 2. Mai einigten sich die Finanzminister der Eurozone darauf, ein gemeinsames EU-IWF-Hilfspaket  zu aktivieren, das 110 Milliarden Euro umfasst. Durch den Deal erhält Athen 80 Milliarden Euro an bilateralen Darlehen über drei Jahre bis 2012. 30 Milliarden stammen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) (EurActiv 04.05.10). 

Griechenland stimmte außerdem neuen Sparmaßnahmen zu, um sein Budgetdefizit um 30 Milliarden Euro über drei Jahre zu kürzen, zusätzlich zu den bereits beschlossenen Kürzungen. Unter dem EU-IWF Abkommen würde das Defizit erst 2014 unter die von der EU gesetzten drei Prozent-Grenze des BIP fallen.

Mehr über dieses Thema

More in this section

Advertising

Sponsors

Advertising

Advertising