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Hedgefonds vor unsicherer EU-Zukunft nach MdEP-Abstimmung

Veröffentlicht 18. Mai 2010 - Aktualisiert 28. Mai 2010
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Nachdem das Europäische Parlament gestern (17. Mai) strengere Kontrollen von Hedgefonds und Private Equity Unternehmen angenommen hat, haben die EU-Finanzminister heute einen gänzlich anderen Vorschlag abgesegnet und überlassen der Kommission die Aufgabe, bis Juni einen „dynamischen Kompromiss“ zu finden.

Finanzminister trafen sich heute in Brüssel, um ein Abkommen zu der umstrittenen Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFMD) sicherzustellen, nachdem das Europäische Parlament gestern zu dem Thema abgestimmt hat.

Doch die Positionen der beiden Seiten scheinen unvereinbar, wodurch die Europäische Kommission gezwungen ist, die Scherben aufzusammeln.

Die Crux des Themas ist schließlich, ob so genannte Drittländerfonds aktiv EU-Investoren anziehen können, wenn sie den dafür benötigten Pass haben, oder ob diese Fonds in jedem einzelnen Mitgliedsstaat aufgebaut werden müssen, um Zugang zum nationalen Markt zu erhalten.

Das Europäische Parlament befürwortet einen EU-Pass, während EU-Finanzminister dagegen sind und Hedgefonds und ähnlichen Vehikeln einen Teil der Schuld für die systemischen Risiken in der Finanzkrise zuweisen.

Obwohl die abstimmenden MdEPs im Wirtschaftsausschuss (ECON) des Parlaments sich größtenteils auf einen Gesetzesentwurf für die Schaffung eines EU-Passes geeinigt haben, gibt es weiterhin Widerstand von den Liberalen (ALDE) und Konservativen (ECR), die behaupten, es wäre schwierig, den Pass in Gerichtsbarkeiten umzusetzen, die nicht den OECD-Regeln zu Steuern und Geldwäsche folgen.

Berichten von diesem Morgen zufolge hat der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble wiederholt gesagt, dass Großbritannien die AIFMD nicht weiter behindere, obwohl sie sie offen als protektionistisch bezeichnet habe.

Spannungen bis Juni

Diplomaten bestehen darauf, dass Spannungen noch während Gesprächen im Juni entstehen werden, wenn die drei Institutionen der EU – das Parlament, die Kommission und der Rat – zusammentreffen, um ihre gegensätzlichen Positionen zu vereinen.

„Wir werden versuchen, einen dynamischen Kompromiss zu finden, der eine gleichberechtigte Behandlung von Verwaltern aus Drittländern sicherstellt“, sagte Binnenmarktkommissar Michel Barnier gestern im Vorfeld von ministeriellen und parlamentarischen Gesprächen.

Es wird erwartet, dass nun Verhandlungen zwischen MdEPs, der Europäischen Kommission und dem EU-Ministerrat stattfinden, vor einer ersten Verlesung und Abstimmung vor dem vollständigen Europäischen Parlament, die für Juli angesetzt ist.

„Es wird Differenzen geben“, sagte Barnier der Presse gestern.

„Um ehrlich zu sein, es wird Sie nicht überraschen, dass der Originaltext der Europäischen Kommission wesentlich näher am Bericht [ein parlamentarischer Entwurf des französischen Mitte-Rechts MdEPs Jean-Paul Gauzès] als an der spanischen Präsidentschaft [des Europäischen Rats] ist.“

Kommissar Barnier wies gestern darauf hin, dass er versuchen werde, EU-Finanzminister von den Vorzügen des Entwurfs des Parlaments zu überzeugen, nach dem Nicht-EU-Fonds bestimmten Konditionen unterworfen würden – wie OECD Steuerregeln – um einen EU-Pass zu erhalten.

Dies wird vermutlich britische Beobachter freuen, die sagen, sie sind mit der Sichtweise der Kommission zu Fonds aus Drittstaaten glücklicher denn mit der Sichtweise ihrer europäischen Partner.

Als Heimat des Großteils des Sektors der alternativen Investmentfonds der EU befürwortet Großbritannien einen Binnenpass, den Frankreich und Deutschland ablehnen.

Anschlag gegen Großbritannien

Brüsseler Diplomaten sehen „einige Flexibilität“ in den französischen und deutschen Lagern, doch diese wird sich vermutlich nur dann zeigen, wenn die drei Institutionen der EU, der Rat, das Parlament und die Kommission, in den „Trialoggesprächen“ im Juni die Köpfe zusammenstecken, um einen Kompromiss zu erwirken.

In britischen Quartieren wurde die Richtlinie als politische List interpretiert, die hart gegen die Londoner City durchgreifen soll, was nach der Finanzkrise vernünftig wirkt, oder um die britische Dominanz des Sektors einzuschränken.

„Dies ist eine übergeordnete politische Botschaft an den britischen Finanzsektor, die von EU-Mitgliedsstaaten angetrieben ist“, so Quellen, die nicht genannt werden wollen.

„Und andere sind überhaupt nicht betroffen“, fügte die Quelle hinzu.

Quellen in der Europäischen Kommission versuchten jedoch, jede Ahnung eines politischen Komplotts gegen Großbritannien aus dem Weg zu räumen, und betonten, dass die Richtlinie zu Hedgefonds eine Priorität, die bei den G20-Gesprächen der Weltoberhäupter vereinbart wurde, und keine EU-Initiative sei.

Stellungnahmen: 

„Diese Position wird bessere Transparenz und besseren Schutz von Investoren sicherstellen, während sie gleichzeitig auf der Seite der Finanzindustrie ist, solange diese für die Realwirtschaft arbeitet“, sagte der Berichterstatter des Europäischen Parlaments, Jean-Paul Gauzès (EPP, FR), Minuten nach der Abstimmung.

Der Londoner Konservative MdEP Syed Kamall sagte, dass die Abstimmung von einer Allianz der "kommunistischen, grünen, sozialdemokratischen und christdemokratischen Fraktionen" unterstützt worden sei, was eine "sehr protektionistische Richtlinie" schaffe, die es "schwer oder unmöglich machen werde, für Investoren in der EU in Nicht-EU-Fonds zu investieren.“

"Verwalter alternativer Investmentfonds so herauszugreifen, obwohl sie keine direkte Involvierung mit der Finanzkrise hatten, ist ungerechtfertigt und zeitlich unpassend, wenn der Investitionsfluss in Forschungsunternehmen so abhängig ist von Nicht-EU Geldern in Risikokapital. Diese Unternehmer sind die Zukunft des europäischen Wachstumsmotors. Ihnen die Gelder jetzt zu verweigern wäre ein Fehler", sagte Europaabgeordnete und ECR-Koordinatorin des Wirtschafts- und Währungsausschusses (ECON) Kay Swinburne.

"Es ist nie zu spät zum Handeln: Die Eurokrise erinnert uns an die dringende Notwendigkeit, spekulative Gelder zu regulieren. Die Abstimmung gestern im ECON-Ausschuss ebnet den Weg, alle europäischen spekulativen Fonds zu regulieren. Die Mehrheit der Abgeordneten im ECON-Ausschuss hat die G20-Verpflichtung in die Tat umgesetzt, keinen finanziellen Akteur aus der Regulierung herauszunehmen", so der grüne Abgeordnete Pascal Canfin und hieß die ABstimmung des Ausschusses willkommen.

Javer Echarri, Generalsekretär der Europäischen Wagniskapitalvereinigung (EVCA), sagte: "Wir haben frische Hoffnungen, konstruktive Debatten zu führen pber den Fluss von Geldern zwischen edr EU und Drittländern. Eine Lösung, die ein Gleichgewicht zwischen Transparenz und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg mit dem Bedarf an Auswahl für die Investoren und Finanzierung für europäische Geschäfte findet, ist eine absolute Priorität."

"Das Europäische Parlament hat einen Weg gefunden, die Schäden einzudämmen, die durch die schlimmsten Exzesse der Hedgefondsaktivitäten verursacht wurden. Nun ist es an der Zeit für die EU-Finanzminister, diesen Weg einzuschlagen", so Poul Nyrup Rasmussen, Präsident der Partei der Europäischen Sozialisten (PES) und der Initiator der EU-Legislation zu Hedgefonds und Private Equity.

Nächste Schritte: 
  • Juni: Rat, Parlament und Kommission beginnen Trialog zur Kompromissfindung für die AIFMD Richtlinie.

Hintergrund : 

Im April 2009 schlug die Europäische Kommission einen neuen Satz an Regeln für Hedgefonds und Private Equity Unternehmen vor, die Registrierung und Offenlegung der Aktivitäten für Regulierer verpflichtend machen, während gleichzeitig ihr langfristiger Zugang zu europäischen Märkten vereinfacht wird (EurActiv 30.04.09). 

Die Hauptkomponente der Regulierung in dem unterbreiteten Gesetzentwurf macht es verpflichtend für in der EU ansässige Verwalter von so genannten „alternativen Investmentfonds“, sich zu registrieren und ihre Aktivitäten offen zu legen, um die Aufsicht zu verbessern und systemische Risiken zu vermeiden.

Diese Pflichten werden nicht auf die Fonds selbst angewendet, sondern lediglich auf ihre Verwalter, die als verantwortlich für Schlüsselentscheidungen gesehen werden. Dennoch sagen Kritiker, dass die Ausnahme von Fonds aus der vorgeschlagenen Gesetzgebung Hedgefonds und Private Equity Unternehmen die Möglichkeit lassen würde, ihre Investitionspolitik zu entwickeln, trotz der Tatsache, dass ihre risikoreiche Einstellung während der Finanzkrise stark kritisiert wurde.

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