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Kommission drängt auf “verantwortungsvolle Kreditvergabe” durch Banken [DE]

Veröffentlicht 16. Juni 2009 - Aktualisiert 23. September 2010
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Die Europäische Kommission hat gestern (15. Juni 2009) eine Konsultation über verantwortungsvolle Kreditvergabe und -aufnahme gestartet, dies soll dazu dienen, die Risiken des Kreditmarktes anzugehen,  welche die Wurzel der derzeitigen Finanzkrise sind. 

Die Konsultation beinhaltet unter anderen Aspekten, die Werbung und Vermarktung von Kreditprodukten, die Bereitstellung von vorvertraglichen Informationen, Wege die Produktstabilität einzuschätzen, die Kreditwürdigkeit vor der Vergabe, Standards für Beratungen, verantwortungsvolle Kreditvergabe, sowie eine Rahmenwerk für Kreditvermittler (Offenlegung, Registrierung, Lizenzierung und Überwachung)

Brüssel möchte die Regeln die „zur Produktstabilität beitragen sowie zur Kreditwürdigkeit der Gläubiger“ überprüfen. Das Thema von Angemessenheit sei eines, das angesprochen werden müsse, da einigen Gläubigern Kredite gegeben wurden, die nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet waren, so ein Dokument, das die Kommission unter öffentliche Beratung gestellt hat.

Im Bezug auf die Kreditwürdigkeit von Darlehensnehmern evaluiert die EU-Kommission eine Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen Fahrlässigkeit zu vermeiden. Die Krise auf dem so genannten „Subprime-Markt“ hat Praktiken ans Tageslicht gefördert, wobei die Kreditvergabe an Darlehensnehmern erlaubt wurde, ohne vorher deren Fähigkeit zur Rückzahlung zu überprüfen. Dies müsse komplett umgekrempelt werden, so die Kommission.

Zum Beispiel könnte ein Darlehensgeber für eine riskante Anleihe Geld vergeben, da er genau wisse, dass er immer noch das Grundstück verkaufen könnte im Falle dass der Darlehensnehmern nicht zahlen könne. Er könne das Risiko dieses Problems an Dritte vergeben, indem er so genannte „Residential Mortgage-Backed Securities“ ausstellt oder gleich dass ganze Anleihenportfolio verkaufe, so das Dokument der Kommission.

Außerdem könnten Darlehensgeber und Kreditvermittler Anreize haben, sich keiner Einschätzung ihrer Kreditwürdigkeit zu unterziehen, um so den Prozess von der Gewinnung von Neukunden zu beschleunigen, so das Dokument weiter. 

Von Gläubigern selbst wird erwartet, dass ihre Kreditvergangenheit nun besser überprüft wird. Aus diesem Grund überlegt Brüssel den Zugang zu nationalen Kreditregistern zu verbessern. 

Bessere Koordinierung zwischen den nationalen Behörden innerhalb der EU macht es einfacher, ob ein Käufer von Hypotheken bereits größere Summen in anderen Ländern geborgt hat. Die Einschätzung der Darlehensgeber sollte sich daher verbessern, so der Bericht der Kommission. 

Brüssel schaut auch in die Werbung und Vermarktung von Kreditprodukten, vorvertragliche Information, Aktivitäten von Kreditvermittlern und Standards für Beratungen. 

Die Kommission lädt die wichtigsten Interessenvertreter Ende August ein, damit diese ihre eigenen Ansichten vortragen können.

Stellungnahmen: 

Der Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sagte, dass die Finanzkrise den Schaden offenbart habe, den unverantwortliche Kreditvergabe und -aufnahme auf die Verbraucher, Kreditgeber, das Finanzsystem und die Wirtschaft als Gesamtes haben könne. Man sei deshalb bestrebt von möglichen Fehlern zu lernen, um sicherzustellen, dass Kreditvergabe und -aufnahme in einer verantwortungsvollen Art stattfinden, sagte er in einer Erklärung.   

Eurofinas, die spezialisierte Verbraucherkredite wie nationale  Leasing- und Finanzverbände repräsentiert, kommentierte darauf und sagte, dass ein entscheidender Vorteil der Begünstigung des grenzübergreifenden Zugangs zu Kreditdatenbanken liege in der Verbesserung des Zugangs zu Finanzen für einige Kategorien von Kreditaufnehmern, die schwieriger zu überprüfen seien, wie Einwanderer oder Individuen die eine Zweitwohnung im Ausland erwerben möchten. 

Durch die Begrüßung des Berichtes über Kredithistorien, merkte Eurofinas jedoch an, dass einige Kreditgeber zurzeit unbegründbaren Schwierigkeiten gegenüber stünden einige Datenbanken zu überprüfen und forderte daher von der EU-Kommission sicherzustellen, dass die Mitgliedsstaaten diese Vorkehrung in einer konsistenten Art treffen sollten. 

Verbraucherorganisationen nahmen eine Gegenhaltung ein. BEUC, das die europäischen Verbraucher repräsentiert erhob Zweifel über die Öffentlichkeit von Kreditdatenbanken. Die derzeitige Krise habe bewiesen, dass die Auswirkungen der Datenbanken auf die Daten der Verbraucher und Technologien die auf solchen Daten basieren, nicht notwendigerweise in einem verantwortungsvolleren Kredit- und Finanzmarkt resultierten. Solche Datenbanken benötigten immer noch weitere und unabhängige Verbesserungen, unter anderem bei ihrer Erwünschtheit, ihrer Proportionalität und Effektivität, besonders bevor sie auf grenzübergreifender Ebene eingesetzt werden, so eine Erklärung. 

BEUC war aufgrund von Datenschutzsorgen gegen die Idee öffentlicher Register. Die Erklärung gebe nicht die notwendigen Begrenzungen/Garantien, die persönlichen Daten der Verbraucher und ihr Recht auf Datenschutz gegen eine wachsende Sammlung von persönlichen Daten und den Einsatz von Profiling Techniken vom Privatsektor zu schützen, so die Erklärung.

Nächste Schritte: 
  • 31. Aug. 2009: Ende der Konsultationen der Kommission für verantwortungsvolles Ausleihen und Borgen sowie über Bonität.
  • 3. Sept. 2009: Öffentliche Anhörung über verantwortungsvolles Ausleihen und Borgen, das von der Kommission organisiert wird.
Hintergrund : 

Die weltweiten Finanzmärkte wurden nach der Subprime-Darlehenskrise in den USA in ein unkontrollierbares Trudeln gebracht, was die Zentralbanken zwang massive Geldspritzen in das System zu pumpen um das System am Laufen zu erhalten und eine mögliche Liquiditätskrise abzuwehren. 

Der vorherrschenden Meinung zufolge, liegt dem Ursprung der Krise die Verbreitung eines risikofreudigen Ansatzes in der Geldverleihung und andererseits auch in Geldausleihung zugrunde. 

Darlehensgeber wurden ermutigt Kredite auch in Fällen hoher Risiken der Ausbeutung eines Systems zu geben, was es ihnen erlaubte das Risiko auf dritte Parteien abzuwälzen, indem sie hypothekengestützte Wertpapiere (Mortgage Backed Securities) vergaben.  

Andererseits mangelte es schwer an finanzieller Bildung und Information. Als Konsequenz daraus, trafen nur ein paar Verbraucher klare verantwortungsvolle Entscheidungen bei der Aufnahme von Krediten oder Finanzprodukten (siehe LinksDossier über Finanzbildung).

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