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Kommission unterstützt 25-Milliarden-Euro-„Steuer auf Gewinne und Vergütungen“

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Veröffentlicht 07. Oktober 2010, aktualisiert 13. Oktober 2010

Die Europäische Kommission setzt sich heute (7. Oktober) für eine Steuer auf Gewinne und Vergütungen (FAT) auf EU-Ebene ein, da diese den groschenlosen Regierungen nach der Weltfinanzkrise ein Einkommen von bis zu 25 Milliarden Euro aus dem Bankensektor einbringen könnte.

Die Unterstützung der Kommission für die FAT, die heute veröffentlicht werden soll, ist unverbindlich, doch formelle Gesetzesvorschläge könnten ihr zu einem späteren Zeitpunkt folgen, wenn sie bei einem Gipfel am 28. und 29. Oktober von den Mitgliedsstaaten angenommen wird.

Die Unterstützung der Kommission für eine FAT signalisiert die Vorliebe der Kommission für eine Steuer, die sich auf alle Finanzinstitute wie Banken und Versicherungsgesellschaften bezieht anstatt auf Kapitalströme.

Der EU-Steuerkommissar, Algirdas Šemeta, der heute die Maßnahme ankündigen soll, sagt, die Steuer solle auf europäischer Ebene angewandt werden, unabhängig von ihrer Anwendung weltweit.

Im Gegensatz dazu würde sich eine Finanztransaktionssteuer (FTT), die große Unterstützung von Deutschland und den europäischen Sozialisten findet, auf alle Kapitalflüsse beziehen, doch wäre sie ohne eine Übereinkunft auf weltweiter Ebene, die sehr unwahrscheinlich aussieht, unmöglich.

Auf EU-Ebene empfiehlt die Kommission eine FAT als die bessere Lösung, wie es dem Kommissionspapier entgeht, das heute veröffentlicht werden wird.

Der Kommission zufolge würde eine FTT „bedeutsame Risiken“ beinhalten, insbesondere das Risiko der Abwanderung auf Grund einer einseitigen Einführung. Derweil seien die Risiken der FAT wesentlich geringer, da Profite und Gehälter weniger beweglich seien als der Handelsverkehr, heißt es weiter.

Die FAT wird auch als besser geeignet gesehen, um den Finanzsektor zu erreichen, da sich die Steuer auf Korporationen beziehen würde anstatt auf alle internationale Finanztransfers, wie es im Fall der FTT wäre.

Brüssel schätzt das Einkommen durch die Anwendung der FAT auf EU-Ebene auf bis zu 25 Milliarden Euro jährlich, wenn die Steuerrate bei fünf Prozent liegt. Wie das Geld genutzt werden könnte, wird weiteren Debatten unterworfen sein, sollte der Vorschlag angenommen werden.

Das Kommissionsdokument wird wahrscheinlich bei einem Treffen in Luxemburg am 19. Oktober von den EU-Finanzministern besprochen werden.

EU-Chefs könnten dann die Idee bei einem Gipfel in Brüssel am 28. und 29. Oktober annehmen, noch vor einem G20-Gipfel in Seoul Mitte November.

Das Aus für die FTT?

EU-Beamte bestehen darauf, dass Brüssel die FTT nicht aufgeben wolle und weiterhin für ihre Einführung weltweit kämpfen werde.

Doch die heutige Entscheidung hat dieser Option möglicherweise den Todesstoß versetzt, obwohl sie große Unterstützung der Sozialisten genießt. Tatsächlich haben die G20-Chefs wenig Enthusiasmus für die FTT gezeigt und die Verbindung zwischen ihrer Einführung in Europa und einem weltweiten Konsens könnte ihr Sargnagel werden.

Den Schätzungen der Kommission zufolge könnte die FTT ein Einkommen von bis zu 60 Milliarden Euro generieren, wenn sie weltweit bei einer Rate von 0,1 Prozent angewandt würde. Wenn die Steuer auch auf Derivate angewandt würde, würde sich das Einkommen auf etwa 600 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.

Die Banken zur Rechnung ziehen

Die Argumente der Kommission für die Unterstützung einer Steuer auf den Finanzsektor sind allgemein bekannt. Brüssel sieht den Sektor als die Hauptursache für die weltweite Finanzkrise und bemerkt, dass er in den vergangenen Jahren wesentliche Unterstützung von Seiten der Regierungen erhalten habe.

Deswegen sollte er vernünftig zu den Kosten beitragen, um die Wirtschaften Europas wiederaufzubauen und die Staatskassen zu füllen, schreibt die Kommission.

Darüber hinaus ist der Finanzsektor derzeit ausgenommen von der Mehrwertsteuer. Indem man eine Art Besteuerung anwendet, würde man also sicherstellen, dass der Sektor im Vergleich zu anderen nicht unterbesteuert ist, so die Kommission.

Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, bei dem die EU auch eine Bankenabgabe in Betracht zieht, um zukünftige Rettungsaktionen im Bankensektor zu finanzieren.

Stellungnahmen: 

Der EU-Steuerkommissar, Algirdas Šemeta, sagte, es gebe gute Gründe dafür, den Finanzsektor zu besteuern, und machbare Wege dies zu tun. Er glaube, die Ideen, die die Kommission heute unterbreitet habe, seien die richtigen, um sicherzustellen, dass der Finanzsektor zu den dringendsten Herausforderungen für die EU und die Welt einen fairen Beitrag leiste.

Sein Kollege Janusz Lewandowski, zuständig für das EU-Budget, hatte anfänglich vorgeschlagen, die FTT auf EU-Ebene anzuwenden, unabhängig von weltweiter Zustimmung, doch machte er später einen Rückzieher.

Der EU-Handelskommissar, Karel De Gucht, drückte seine Zweifel an der Auswirkung einer Steuer auf das Bankensystem aus und weckte Ängste vor einer möglichen Beeinträchtigung des Wirtschaftswachstums in der Union.

Die britische Europaabgeorndete Kay Swinburne, Sprecherin für Wirtschaft und Währung in der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR), hieß die Ankündigung der Kommission, dass eine EU-weite FTT nicht eingeführt werden sollte, willkommen und kritisierte die europäischen Sozialisten für ihre regulierungsfreundliche Einstellung.

71 Prozent einer europäischen FTT würden in Großbritannien erhoben werden: über viermal soviel wie in Deutschland und über zehnmal soviel wie in Frankreich. Dies würde eine disproportionale und perverse Steuer auf den Finanzplatz London (die „City“) bedeuten, die wenig tun würde, um Verhaltensmuster zu ändern. Die Sozialisten riefen ständig die EU auf, den globalen Finanzsektor zu regulieren, als ob die vier Ecken der Finanzwelt in Europa endeten. Es sei an der Zeit, dass sie diese lächerliche Kampagne beendeten, die das Huhn schlachten könnte, das für Unternehmen aller Art in der EU die goldenen Eier lege. Finanzmärkte seien global und höchst mobil, fügte Dr. Swinburne hinzu.

Die EU müsse ihre Besessenheit ablegen, sich selbst die Macht zu geben, Steuern zu erheben. Sie müsse den nationalen Regierungen unterworfen bleiben, und, um ihre Rechnungspflichtigkeit zu garantieren, sei der beste Weg die Budgetprüfung. Wenn die EU die Macht hätte, ihre eigenen Steuern zu erheben, wäre sie die Herrin der nationalen Regierungen, nicht mehr ihre Dienerin.

Die Europäische Kommission sei dem Konzept der Bankabgaben eher zugeneigt, die denen ähnelten, die man in Großbritannien diskutiere. Jedoch sollte dies letztendlich eine Frage für die nationale Regierungen sein, die sie auf der Basis ihrer Marktbedingungen entscheiden sollten.

Die Fraktion der Grünen/EFA im Europäischen Parlament kritisierte die Kommission dafür, keinen konkreten Vorschlag gemacht zu haben, wie man den Finanzsektor besteuern könne, und forderte gesetzgeberische Aktion zu einer EU-FTT.

Die heutige Mitteilung erkenne widerwillig die Machbarkeit einer FTT auf EU-Ebene an. Doch sie bedauerten es, dass diese Anerkennung durch dieselben alten Gegenargumente gedämpft werde, die die Kommission seit eh und je aus dem Schrank hole, sagte der deutsche grüne Europaabgeordnete Sven Giegold.

Es sei bedauernswert, dass die Kommission die Umsetzung der FTT verschieben wolle, da dies den EU-Regierungen eine wichtige Einnahmequelle stehle zu einem Zeitpunkt, zu dem das Geld der Steuerzahler zur Rettung von Banken benutzt werde. Anstatt dieselben alten Argumente neu aufzuwärmen, sollte die Kommission aufhören zu blockieren und mit konkreten Gesetzesvorschlägen für eine FTT auf EU-Ebene hervorkommen.

Der belgische grüne Europaabgeordnete Philippe Lamberts fügte hinzu, es bestehe eine wachsende Anerkennung, dass die FTT den Finanzsektor sowohl für die Krise, die er verursacht habe, zur Rechnung ziehen würde, als auch den Sektor regulieren würde, um zukünftige Krisen zu vermeiden. Handlung seitens der EU würde auch die Anstrengungen fördern, eine weltweite FTT zu beschließen, was ganz klar das endgültige Ziel sei. Sollte die Kommission darauf bestehen, jegliche Vorschläge herauszuzögern, müssten die EU-Regierungen auf Handlung drängen.

Oxfamlobte das Dokument der Europäischen Kommission über die Besteuerung des Finanzsektors und nannte es einen „Sieg des Volkes über den Profit“, da die Entscheidung Milliarden Euro erheben würde, die für den Kampf gegen die globalen Herausforderungen in der Entwicklungspolitik und im Klimawandel genutzt werden könnten.

Die Besteuerung der großen Finanzunternehmen sei sowohl gerecht als auch wirtschaftlich vernünftig und reduziere das Risiko eines gefährlichen „Kasinokapitalismus“. Sie würde große Geldsummen einbringen, um denen zu helfen, die in Europa am härtesten getroffen worden seien und in den ärmsten Ländern. Die EU-Chefs müssten nun zustimmen, wenn sie sich am Ende des Monats treffen, und auf eine beschleunigte Zeitleiste drängen, noch vor Sommer 2011, wie von der Kommission vorgeschlagen, sagte Elise Ford, Leiterin des EU-Büros von Oxfam.

Nächste Schritte: 
  • 19. Okt. 2010: EU-„Ecofin“-Rat wird FAT- und FTT-Vorschläge diskutieren
  • 28. und 29. Okt. 2010: EU-Gipfel wird FAT- und FTT-Vorschläge diskutieren
  • 11. und 12. Nov. 2010: G20-Gipfel in Seoul wird die Einführung der FAT und der FTT auf globaler Ebene besprechen
Hintergrund : 

Eine FAT bezieht sich auf die Gesamtsumme der Gewinne und Vergütungen von finanziellen Institutionen. Daher würde sie eher Unternehmen als die individuellen Akteure, die in eine Finanztransaktion involviert sind, besteuern.

Im Gegensatz dazu würde eine Steuer auf Finanztransaktionen (FTT) alle Arten von Kapitalbewegungen betreffen, einschließlich Eigenkapital, Anleihen und Derivate.

Die Steuer, die zu Ehren James Tobins, der 1981 den Nobelpreis für seine Arbeiten über Finanzmärkte gewann, auch „Tobinsteuer“ genannt wird, zielte ursprünglich auf die Einschränkung kurzfristiger Währungsspekulation ab.

Die G20 hat bislang viel mehr Interesse an einer FAT als an einer FTT bezeugt. Die ersten Diskussionen auf EU-Ebene zu den zwei Alternativen wurden beim Ecofin-Rat Anfang September getätigt und fanden auf der Grundlage eines Arbeitspapiers der Europäischen Kommission statt.

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