Die Unterstützung der Kommission für die FAT, die heute veröffentlicht werden soll, ist unverbindlich, doch formelle Gesetzesvorschläge könnten ihr zu einem späteren Zeitpunkt folgen, wenn sie bei einem Gipfel am 28. und 29. Oktober von den Mitgliedsstaaten angenommen wird.
Die Unterstützung der Kommission für eine FAT signalisiert die Vorliebe der Kommission für eine Steuer, die sich auf alle Finanzinstitute wie Banken und Versicherungsgesellschaften bezieht anstatt auf Kapitalströme.
Der EU-Steuerkommissar, Algirdas Šemeta, der heute die Maßnahme ankündigen soll, sagt, die Steuer solle auf europäischer Ebene angewandt werden, unabhängig von ihrer Anwendung weltweit.
Im Gegensatz dazu würde sich eine Finanztransaktionssteuer (FTT), die große Unterstützung von Deutschland und den europäischen Sozialisten findet, auf alle Kapitalflüsse beziehen, doch wäre sie ohne eine Übereinkunft auf weltweiter Ebene, die sehr unwahrscheinlich aussieht, unmöglich.
Auf EU-Ebene empfiehlt die Kommission eine FAT als die bessere Lösung, wie es dem Kommissionspapier entgeht, das heute veröffentlicht werden wird.
Der Kommission zufolge würde eine FTT „bedeutsame Risiken“ beinhalten, insbesondere das Risiko der Abwanderung auf Grund einer einseitigen Einführung. Derweil seien die Risiken der FAT wesentlich geringer, da Profite und Gehälter weniger beweglich seien als der Handelsverkehr, heißt es weiter.
Die FAT wird auch als besser geeignet gesehen, um den Finanzsektor zu erreichen, da sich die Steuer auf Korporationen beziehen würde anstatt auf alle internationale Finanztransfers, wie es im Fall der FTT wäre.
Brüssel schätzt das Einkommen durch die Anwendung der FAT auf EU-Ebene auf bis zu 25 Milliarden Euro jährlich, wenn die Steuerrate bei fünf Prozent liegt. Wie das Geld genutzt werden könnte, wird weiteren Debatten unterworfen sein, sollte der Vorschlag angenommen werden.
Das Kommissionsdokument wird wahrscheinlich bei einem Treffen in Luxemburg am 19. Oktober von den EU-Finanzministern besprochen werden.
EU-Chefs könnten dann die Idee bei einem Gipfel in Brüssel am 28. und 29. Oktober annehmen, noch vor einem G20-Gipfel in Seoul Mitte November.
Das Aus für die FTT?
EU-Beamte bestehen darauf, dass Brüssel die FTT nicht aufgeben wolle und weiterhin für ihre Einführung weltweit kämpfen werde.
Doch die heutige Entscheidung hat dieser Option möglicherweise den Todesstoß versetzt, obwohl sie große Unterstützung der Sozialisten genießt. Tatsächlich haben die G20-Chefs wenig Enthusiasmus für die FTT gezeigt und die Verbindung zwischen ihrer Einführung in Europa und einem weltweiten Konsens könnte ihr Sargnagel werden.
Den Schätzungen der Kommission zufolge könnte die FTT ein Einkommen von bis zu 60 Milliarden Euro generieren, wenn sie weltweit bei einer Rate von 0,1 Prozent angewandt würde. Wenn die Steuer auch auf Derivate angewandt würde, würde sich das Einkommen auf etwa 600 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.
Die Banken zur Rechnung ziehen
Die Argumente der Kommission für die Unterstützung einer Steuer auf den Finanzsektor sind allgemein bekannt. Brüssel sieht den Sektor als die Hauptursache für die weltweite Finanzkrise und bemerkt, dass er in den vergangenen Jahren wesentliche Unterstützung von Seiten der Regierungen erhalten habe.
Deswegen sollte er vernünftig zu den Kosten beitragen, um die Wirtschaften Europas wiederaufzubauen und die Staatskassen zu füllen, schreibt die Kommission.
Darüber hinaus ist der Finanzsektor derzeit ausgenommen von der Mehrwertsteuer. Indem man eine Art Besteuerung anwendet, würde man also sicherstellen, dass der Sektor im Vergleich zu anderen nicht unterbesteuert ist, so die Kommission.
Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, bei dem die EU auch eine Bankenabgabe in Betracht zieht, um zukünftige Rettungsaktionen im Bankensektor zu finanzieren.



