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Regierungen spielen Katz und Maus über Ergebnisse von Stresstests

Veröffentlicht 23. Juli 2010
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Finanzbeamte aus den 27 Mitgliedstaaten haben gestern (22. Juli) in Brüssel in einem Versuch, die Reaktionen der jeweiligen Regierungen über die Ergebnisse der auf die Widerstandsfähigkeit des Sektors im Falle einer erneuerten Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise bezogenen Bankstresstests zu koordinieren, sehr gemäßigte Gespräche geführt.

Wahrscheinlich werden die Ergebnisse frühen Prognosen zufolge, die zusammen mit dem Sektor erstellt wurden, Liquiditätsprobleme in deutschen, italienischen, griechischen und spanischen Banken aufzeigen. Der Ausschuss der europäischen Bankaufsichtsbehörden (CEBS) erklärte, er werde die Ergebnisse der von den nationalen Aufsichtsbehörden durchgeführten Tests heute um 18 Uhr veröffentlichen, nachdem alle europäischen Märkte geschlossen haben.

Beamte haben sich geziert, Details der Reaktionspläne der Regierungen zu den Testergebnissen zu enthüllen. Ministerialbeamte haben in der letzten Minute beschlossen, die Methodologie der Tests einige Stunden vor den tatsächlichen Ergebnissen zu veröffentlichen, wie es in EU-Kreisen heißt.

Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, da an der Testmethodologie scharfe Kritik geübt worden ist, weil sie nicht die schlimmsten Szenarien, wie etwa einen griechischen Zahlungsausfall oder stark sinkende Preise im spanischen Immobilienmarkt, in Betracht gezogen habe (EurActiv 02.07.10).

Alle würden miteinander sprechen über die angesagte Reaktion zur morgigen Erklärung der CEBS, so EU-Kreise, die das Preisgeben weiterer Informationen über den Inhalt der Gespräche verweigert haben, am Tage vor den Ergebnissen.

Die Regierungen standen unter Druck, als der Internationale Währungsfonds gestern mehr Transparenz in den Tests und deren Ausweitung auf Banken über die 91 bereits betroffenen hinaus forderte.

Während der gestrigen Videokonferenz haben sich die Minister angeblich auch über die Frage, ob sie Banken bitten werden, eine detaillierte Analyse ihrer Staatsanleihen vorzulegen, unterhalten. Dies würde der von Investoren und vom IMF geforderten demonstrativen Transparenz entsprechen.

EU-Diplomaten zufolge würden Regierungen zu einer Reaktion gezwungen werden, falls die Ergebnisse von Schwächen in ihren jeweiligen Banken zeugten.

Seien die Ergebnisse schlecht, so sei es undenkbar, dass sich die betroffenen Regierungen nicht dazu ausdrücken, so ein Diplomat, der hinzufügte, die Glaubwürdigkeit der EU stehe auf dem Spiel.

Der Diplomat betonte auch, dass Stresstests vor allem ein Kommunikationsmittel seien.

Das Kapital als letzter Ausweg

Analysten sehen voraus, dass Regierungen erneute Finanzspritzen vermeiden werden, da dies unter Steuernzahlern, die sich schon von den Sparpaketen der meisten EU-Länder erholen müssen, Zorn entfachen würde.

Die Regierungen würden alle möglichen Mittel nützen, um die Debatte über „Geld für Rekapitalisierung gegenüber Sparmaßnahmen“ zu vermeiden, wie der Regierungsfinanzberater Sony Kapoor EurActiv berichtete.

Regierungen würden voraussichtlich entweder existierende Pufferkapitale, wie den deutschen SoFFin, benutzen, oder weitere staatliche Garantien auszahlen lassen, um Löcher in der Bilanzaufstellung zu stopfen, so Kapoor.

Einige Länder, wie Deutschland, hätten noch übrige Munition aus ihren vorherigen Rekapitalisierungsprogrammen. Andere würden schlechte Kapitalgüter eingrenzen [wie Irlands Nationalvermögen-Management-Association (NAMA)], und wieder andere durch weitere Garantien mögliche Unterstützung bieten, wie er erklärte.

Direkte Transfers von Regierungsgeldern in der Form frischen Kapitals wären ein absolut letzter Ausweg, fügte Kapoor hinzu.

Ein EU-Diplomat aus einem großen Mitgliedsstaat ist mit Kapoor einverstanden und erklärte, dass Banken, die am Test scheitern würden, nicht unbedingt rekapitalisiert werden würden.

Andere Optionen würden auf dem Tisch liegen, so der Diplomat, der weiter erklärte, Banken könnten zum Beispiel ihre Engagements zu bestimmten Finanzgüterkategorien neu bedenken.

Test der „Tier 1“-Kapitalquote

Marktbeobachter werden heute extrem viele Informationen aufnehmen müssen, da die zusammengefassten Ergebnisse von der EU-Behörde, dem Ausschuss der europäischen Bankaufsichtsbehörden, heute Abend veröffentlicht werden. Die Ergebnisse für jede einzelne Bank werden knapp danach folgen.

Die 91 Banken, die 65 Prozent des EU-Banksektors darstellen, werden auf ihre „Tier 1“-Kapitalkennzahlen und Widerstandsfähigkeit gegenüber weiteren Staatsverschuldungsschocks geprüft werden.

Die „Tier 1“-Kapitalquote der Banken, die das Verhältnis des Kernkapitals zu den gesamten Finanzgütern misst, wie etwa ausstehende Kredite, muss, um den Test zu bestehen, eine Minimumquote von 6 Prozent beachten.

„Tier 1“-Kapitalquoten werden Ende 2001 unter drei Szenarien getestet, nach zwei Jahren wirtschaftlichen Niedergangs und einem weiteren Staatsverschuldungsschock.

Frühe Vorhersagen

Die größten, börsennotierten Banken sollten die Tests bestehen, aber die Testergebnisse werden wahrscheinlich auf größere Probleme bei den kleinen Akteuren, wie etwa den spanischen „caja“-Sparkassen und den deutschen Landesbanken, die größtenteils nicht börsennotiert sind, hinweisen.

Bei Tests, die Citygroup durchgeführt hat, war laut Analysten bei den deutschen Landesbanken eine Finanzierungslücke von geschätzten 11 Milliarden Euro zu verzeichnen, um die 6-Prozentrate zu erreichen. Dieser Betrag könne aber vom SoFFin, dem Regierungsfinanzmarktstabilisierungsfonds im Wert von 51 Milliarden Euro, leicht absorbiert werden.

Den Berechnungen von Reuters Breakingnews zufolge hätten die deutschen Landesbanken im Durchschnitt eine „Tier 1“-Kapitalquote von nur 5,9 Prozent. Analysten erklären, diese niedrige Quote habe sie schon benachteiligt bei Übungen.

Barclays Capital schätzt, dass die Tests für die deutschen, griechischen und spanischen Banken eine weitere Finanzspritze von insgesamt bis zu 85 Milliarden Euro brauchen werden.

Die spanischen Sparkassen, auch „cajas“ genannt, könnten 36 Milliarden und die deutschen Landesbanken 34,5 Milliarden Euro benötigen, während die griechischen Banken 8,6 Milliarden Euro aufbringen sollten, Barclays Berechnungen zufolge.

Die australische Bank Macquarie listete am Mittwoch die Banken auf, über die sie der Meinung war, sie würden zukünftige ernste Schocks nicht bewältigen können, darunter die deutsche Postbank, die italienische Banco Popolare, die BCP aus Portugal und die Sadabell aus Spanien.

Vier griechische Banken – die Nationalbank Griechenlands, die EFG Eurobank, die Alpha Bank und die Piraeus Bank – standen auch auf Macquaries Liste.

Der deutsche Kreditgeber Hypo Real Estate ist laut Berichten am Stresstest gescheitert, was kaum eine Überraschung darstellte, da er den SoFFin um weitere 2 Milliarden Euro gebeten hatte.

Hintergrund : 

Während Europa anfänglich nicht so schwer beeinträchtigt war von den finanziellen Unruhen, die im Jahr 2008 mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investitionsbank Lehman Brothers begannen, erreichte die Krise Ende September 2008 den Kontinent.

Eine Reihe an EU-Ländern war gezwungen, Notfallmaßnahmen zu ergreifen, um ihre Bankinstitute zu retten und einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden. Die Europäische Kommission preschte mit der Bewilligung von Rettungsplänen voran, um zu vermeiden, dass die Zuversicht weiter einbricht.

Im vergangenen Jahr drängte Brüssel darauf, dass Banken, die Staatsbeihilfen benötigten, Stresstests unterlaufen, um die Rentabilität ihrer Restrukturierungspläne zu bewerten (EurActiv 24.07.09).

Die EU hat bisher nur einen Stresstest für den Banksektor insgesamt durchgeführt, anstatt für individuelle Länder oder Banken. Die Resultate, die im Herbst 2009 veröffentlicht wurden, zeigten an, dass der Sektor solide war und eine viel schwerere wirtschaftliche Krise überstehen könnte als die, die ihn dieses Mal traf.

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