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Stresstests unter Beschuss, da deutsche Banken Schulden verstecken

Veröffentlicht 26. Juli 2010 - Aktualisiert 27. Juli 2010
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Bankstresstests wurden mit einer Mischung aus Zynismus und Erleichterung willkommen geheißen. Die Märkte bezweifeln ihre Strenge, während deutschen Banken vorgeworfen wird, sie hätten die von ihnen gehaltenen Staatsanleihen verheimlicht.

Sechs der 14 deutschen Banken verheimlichten die von ihnen gehaltenen Staatsanleihen, eines der wichtigsten Kriterien in einem Versuch, die Widerstandfähigkeit der Banken gegen zukünftige wirtschaftliche Schocks zu bestimmen.

Die USA, der Internationale Währungsfonds und Märkte hatten Druck auf die Regulierer ausgeübt, den vollen Anteil der Staatsanleihen der Banken in den Tests offen zu legen.

Beamte der deutschen Regulierungsbehörde BaFin sagten, die Banken seien nach deutschem Recht nicht verpflichtet, ihr volles Guthaben an Staatsanleihen mitzuteilen, berichtete die Financial Times.

Unter den Banken, die den Anteil ihrer Staatsanleihen versteckten, waren die Deutsche Bank, die Postbank, die Landesbank Berlin, die Hypo Real Estate und Genossenschaftsbanken wie die DZ und die WGZ.

Die Hypo Real Estate Bank verfehlte den Test. Dies kam nicht als Überraschung, nachdem die Bank vor Beginn der Tests weitere zwei Milliarden Euro an staatlicher Hilfe beantragt hatte.

Die Europäische Kommission begab sich gestern (25. Juli) auch in die Debatte und drängte die Banken, die ihre Staatsanleihen bis jetzt noch nicht offen gelegt hatten, dies so bald wie möglich zu tun.

Vor den Tests hatten Quellen vorausgesagt, dass einige Banken ihren Anteil an Staatsanleihen zu verstecken versuchen würden, da die Preisgabe solcher Informationen die Märkte in Unruhe versetzen würde (EurActiv 02.07.10).

Sieben von 91 Banken durchgefallen

Den Ergebnissen zufolge, die am Freitag Abend veröffentlicht wurden, sind nur sieben von 91 Banken bei dem Test durchgefallen, was bedeutet, dass ihr „Tier 1“-Kapitalratio (der Kernkapital gegen totale Kapitalgüter misst) unter sechs Prozent gefallen ist.

Die Tests zeigten, dass die sieben Banken begrenzte Kapitalausfälle (3,5 Milliarden Euro) hatten, was die Angst auslöste, die Tests seien nicht rigoros genug.

Dem strengsten Szenario zufolge wurden Banken darauf getestet, wie sie mit einer mäßigen Wirtschaftskrise in diesem und im nächsten Jahr umgehen könnten, mit zusätzlichen Verlusten auf Staatsanleihen obendrein.

Fünf der kleineren regionalen Kreditvergeber Spaniens, als „Cajas“ bekannt, versagten bei dem Test. Die Bank von Spanien sagte, die Banken würden 1,8 Milliarden Euro benötigen, während Analysten voraussagten, dass die Rekapitalisierung wahrscheinlich die Restrukturierung des in Nöten geratenen Sektors mit sich bringen werde.

Die zwei anderen Banken, die durchgefallen sind, waren die Hypo Real Estate und ein griechisches Kreditinstitut in Nöten, die verstaatlichte ATEbank.

Analysten haben schwere Kritik an den Test-Szenarien geübt und behauptet, sie seien so veranlagt, dass sie den Sektor stärker aussehen lassen, als er tatsächlich ist.

Er sehe nichts Stressvolles an diesem Test, der so sei, als schickte man die Banken auf einen Wochenendausflug mit Erholungseffekt, so Stephen Pope, der Chefstratege in Global Equity bei Cantor Fitzgerald.

Marktbeobachter waren enttäuscht, dass die Test-Szenarien in Sachen Staatsverschuldungsrisiken lediglich auf die Handelsbücher der Banken angewandt werden und nicht auf die Bankbücher, in denen sich 90 Prozent der Staatsanleihen befinden.

Dies hätte die Zahlungsunfähigkeit für Europa bedeutet, ein Ergebnis, das die Regierungen gerne vermeiden wollten.

Unmittelbar vor der Veröffentlichung der Tests begaben sich die EU-Minister in geheime Gespräche. Quellen sagen, Regierungsbeamte seien noch unentschieden darüber gewesen, wie viel sie von ihren Banken verlangen können, offen zu legen (EurActiv 23.07.10).

Stellungnahmen: 

Da es der Sinn des Stresstests sei, die Transparenz zu stärken und Zuversicht zu erhöhen, hätten sie definitiv eine schlechte Startbasis, so Sven Giegold, deutscher Europaabgeordneter und Koordinator der Grünen/EFA-Fraktion im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.

Da die Tests basierend auf schwachen und unrealistischen Annahmen entworfen worden seien, um den meisten Institutionen zu erlauben, sie zu bestehen und deswegen weiteren korrektiven Maßnahmen zu entgehen, würden sie nicht dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen oder die grundlegende Schwäche des EU-Banksystems anzugehen. Europäische Banken seien nach wie vor unterkapitalisiert, schloss Giegold.

Die ungünstigen Szenarien, die in den Stresstests benutzt werden, seien so entworfen, dass sie als „Was wäre, wenn…“-Szenarien funktionieren. Sie reflektierten also extreme Annahmen, die wahrscheinlich in der Realität so nicht zustande kommen würden. Dementsprechend bestätigten die Ergebnisse die allgemeine Widerstandsfähigkeit des EU-Bankensystems gegenüber negativen makroökonomischen und finanziellen Schocks. Sie seien ein wichtiger Schritt vorwärts, um das Zutrauen der Märkte wiederaufzubauen, hieß es in einer Stellungnahme der Europäischen Kommission am Freitag, den 23. Juli.

Der französische Abgeordnete Jean-Paul Gauzès, Sprecher der Fraktion der Europäischen Volkspartei für Wirtschafts- und Währungsangelegenheiten, hieß die Ergebnisse willkommen und erklärte, dass man angesichts der am Freitag veröffentlichten Resultate bemerken könne, die meisten europäischen Banken seien solide. Dennoch sollten uns die guten Ergebnisse nicht davon abhalten, Regulierungen umzusetzen, insbesondere was die Anforderung an Eigenkapital der Banken betreffe, fügte er hinzu.

Hintergrund : 

Während Europa anfänglich nicht so schwer beeinträchtigt war von den finanziellen Unruhen, die im Jahr 2008 mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investitionsbank Lehman Brothers begannen, erreichte die Krise Ende September 2008 den Kontinent.

Eine Reihe an EU-Ländern war gezwungen, Notfallmaßnahmen zu ergreifen, um ihre Bankinstitute zu retten und einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden. Die Europäische Kommission preschte mit der Bewilligung von Rettungsplänen voran, um zu vermeiden, dass die Zuversicht weiter einbricht.

Im vergangenen Jahr drängte Brüssel darauf, dass Banken, die Staatsbeihilfen benötigten, Stresstests unterlaufen, um die Rentabilität ihrer Restrukturierungspläne zu bewerten (EurActiv 24.07.09).

Die EU hat bisher nur einen Stresstest für den Banksektor insgesamt durchgeführt, anstatt für individuelle Länder oder Banken. Die Resultate, die im Herbst 2009 veröffentlicht wurden, zeigten an, dass der Sektor solide war und eine viel schwerere wirtschaftliche Krise überstehen könnte als die, die ihn dieses Mal traf.

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