EurActiv Logo
 
24. November 2009
Breaking News:

Klonen von zum Verzehr bestimmten Tieren: EU-Experten unsicher [DE][en][fr

Erschienen: Freitag 25. Juli 2008   

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat  keine Sicherheitsbedenken in Bezug auf Lebensmittel, die aus geklonten Rindern und Schweinen oder deren Nachwuchs hergestellt werden. Trotzdem betont sie, es lägen bislang noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten vor. Außerdem habe das Klonen bedeutende negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere. 

Hintergrund:

Klonen ist kein Handelsbrauch in Europa und Produkte von geklonten Tieren sind – soweit bekannt – noch kein Teil der europäischen Lebensmittelkette. Der Kommission zufolge stünden Produkte von geklonten Tieren jedoch kurz davor, großflächig für eine kommerzielle Verwendung eingesetzt zu werden und man erwarte, dass sich diese bis 2010 in der globalen Lebensmittelkette verbreiten.

Aus diesem Grund hat die Kommission die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSAexternal beauftragtPdf external , ein wissenschaftliches Gutachten über die Auswirkungen des Klonens von Tieren auf die Lebensmittelsicherheit, das Wohlergehen der Tiere und die Umwelt zu erstellen. In einem parallelen Schritt forderte die EU-Exekutive zudem die Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien (EGEexternal ) auf, ein Gutachten über den ethischen Aspekt des Klonens zu erstellen.

Diese Anträge auf Gutachten erfolgten kurz nachdem eine vorläufige Risikobewertung der US-Lebensmittelbehörde FDA im Dezember 2006 erklärt hatte, das Fleisch- und Milchprodukte von geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen unbedenklich für den Verzehr seien.

Die EGE schlossPdf external , dass es kein Argument gebe, um auf ethischer Ebene die Lebensmittelproduktion aus geklonten Tieren und deren Nachwuchs zu rechtfertigen.

Der GutachtenentwurfPdf external der EFSA, der im Januar 2008 veröffentlicht wurde, erklärte, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass es im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit einen Unterschied zwischen Lebensmittelprodukten von geklonten Tieren und deren Nachwuchs und auf herkömmliche Weise gezüchteten Tieren gebe.

Zum gleichen Thema:

Weitere Nachrichten:

Das endgültige wissenschaftliche GutachtenPdf external der ESFA zu den Auswirkungen des Klonens von Tieren auf die Lebensmittelsicherheit, die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere sowie auf die Umwelt, das am 15. Juli 2008 angenommen wurde, kommt zu dem Schluss, dass das Klonen von Rindern und Schweinen in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit wahrscheinlich unbedenklich sei. Es räumt aber auch ein, dass die Arbeit des wissenschaftlichen Ausschusses wegen fehlender Daten sehr schwierig sei. 

Das Gutachten bewertet lediglich die Risiken, die beim Klonen von Rindern, Schweinen und deren Nachwuchs entstehen, da die Bewertung anderer Tiere auf der Grundlage des derzeitigen Wissenstandes nicht möglich sei, so der Ausschuss.

Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Ausschusses der ESFA, Vittorio Silano, sagte bei der Vorlage des Gutachtens am 24. Juli, dass der Ausschuss die Unsicherheiten hervorheben wolle, die bei der Bewertung der Risiken bestünden. Diese Unsicherheiten bestünden, da nur eine geringe Zahl an Studien verfügbar sei, nur wenige Fälle untersucht worden seien und ein einheitlicher Ansatz fehle, um alle relevanten Bereiche zu berücksichtigen, fügt er hinzu.

Darum sei es wichtig, dass das Gutachten auf den neuesten Stand gebracht und überarbeitet werde, wenn neue Daten und Entwicklungen in diesem Bereich vorlägen, so Silano. 

Das Gutachten betont besonders die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere. Der Ausschuss bemerkte, dass bei geklonten Tieren im Vergleich zu auf herkömmliche Weise gezüchteten Tieren bedeutende Probleme hinsichtlich Gesundheit und Wohlergehen bestünden.

Interessanterweise führt eine EU-Richtlinieexternal zum Schutz der Tiere, die zu landwirtschaftlichen Zwecken gehalten werden, an, dass „natürliche oder künstliche Zuchtmethoden, die den Tieren Leiden oder Schaden zufügen“ nicht angewendet werden dürfen. 

John Collins, ein Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses der ESFA, kommentierte das Gutachten und sagte, die Wahrheit sei, dass alle Beteiligten sich darüber im Klaren seien, dass gesunde Nahrung von gesunden Tieren stamme.

Der Ausschuss empfiehlt, unter anderem, weitere Untersuchungen zur Anfälligkeit von geklonten Tieren und deren Nachwuchs für Krankheiten und übertragbare Infektionen, wenn diese unter herkömmlichen landwirtschaftlichen Bedingungen gehalten und gezüchtet werden.

Hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt sagte der Ausschuss, diese seien derzeit nicht absehbar, da auch hierzu nicht ausreichend Datenmaterial vorläge. Bezüglich der Biodiversität führt das Gutachten an, dass das Klonen scheinbar keine unmittelbare Auswirkung auf die genetische Vielfalt habe, in dem Sinne, dass keine neuen genetischen Veränderungen hervorgerufen würden. Jedoch könne es einen indirekten Effekt haben, wenn bei der Zucht eine begrenzte Anzahl Tiere überbeansprucht werde.

Auf die Frage, inwieweit die US-Lebensmittelbehörde (FDA) die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere berücksichtigt habe, bevor sie Anfang 2008 ein positives Gutachten über die Marktzulassung von Lebensmittelprodukten, die vom Nachwuchs geklonter Tiere stammen, abgegeben habe, sagte Silano, die FDA beschäftigte sich nicht mit dem Wohlergehen der Tiere, da dies nicht Teil ihrer Aufgabe sei. 

Er fügte hinzu, dass die Regulierungssysteme in der EU und den USA sich im Hinblick auf die Aspekte des Wohlergehens der Tiere im Lebensmittelsektor deutlich voneinander unterschieden. Er räumte ein, dass dies, was das Risikomanagement betrifft, zu Meinungsunterschieden führen könne.

Positionen:

Das Gutachten der EFSA ergänzt zum Teil das Gutachten der Europäischen Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien (EGE) zu diesem Thema. Anfang dieses Jahres hatte die EGE behauptet, dass es – wenn man das gegenwärtige Ausmaß des Leidens und der Probleme geklonter Tiere berücksichtige – keinen ethisch gerechtfertigten Grund für das Klonen von Tieren für die Lebensmittelversorgung gebe.

Die Eurogroup for Animals brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass das Gutachten der EFSA – im Licht der EU-Richtlinie für den Schutz von Tieren, die für die Zucht bestimmt sind, betrachtet – dazu führen wird, dass die Kommission sowohl das Klonen selbst als auch den Handel und die Einfuhr von Produkten geklonter Tiere und ihres Nachwuchses verbieten wird.

Klonen sei ein „unerhört sinnloses“ Verfahren, bei dem nur ca. fünf von hundert Tieren lebend geboren würden. Diejenigen, die überlebten, stürben früher und seien anfälliger als normale Tiere, erklärte die Organisation. 

Die EU sei nun verpflichtet, ihren eigenen Regeln zu folgen. Im Rahmen der allgemeinen Landwirtschaftsrichtlinie sollte eine Zuchttechnik, die Leiden verursacht, nicht erlaubt sein. Im Vertragsprotokoll über das Wohlergehen der Tiere heiße es, dass dem Wohlergehen der Tiere volle Beachtung geschenkt werden sollte, bemerkte die Leiterin der Eurogroup for Animals, Sonja Van Tichelen. Dementsprechend habe die EU die gesetzliche Pflicht, das Klonen von Tieren, die zum Verzehr bestimmt seien, zu verbieten, fügte sie hinzu.

Die endgültige Risikobewertungexternal der US-Lebensmittelbehörde (United States Food and Drug Administration, FDA), die am 15. Januar 2008 veröffentlicht wurde, schloss, dass Fleisch und Milch von geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen und der Nachwuchs von geklonten Tieren aller Arten, die zum Verzehr bestimmt sind, ebenso unbedenklich seien wie die Produkte herkömmlich gezüchteter Tiere. Sie enthielt jedoch keine Schlussfolgerung hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit von Produkten geklonter Tiere anderer Arten, wie Schafen, da keine ausreichenden Informationen vorliegen.

Auch nach der endgültigen Bewertung der FDA forderte das US-Ministerium für Landwirtschaft die amerikanischen Landwirte auf, ihre geklonten Tiere auf freiwilliger Basis nicht auf den Markt zu bringen. Seine Haltung wird vom amerikanischen Verband der Milchprodukte herstellenden und vermarktenden Industrien und deren Versorger unterstützt, der der Ansicht ist, dass es klug wäre, abzuwarten, bis alle großen Handelspartner in ihren jeweiligen Ländern dieselbe Klontechnik geprüft und gebilligt hätten und die Verbraucher sich daran gewöhnt hätten, von geklonten Kühen stammende Milch zu kaufen.

Für weitere Informationen lesen Sie bitte die ZusammenfassungPdf external und die einzelnen AntwortenPdf external auf die Konsultation der EFSA zu ihrem Gutachtenentwurf.

Links

Leserbriefe
Challenges and responsibilities in feeding tomorrow’s world
Phil Newton, European Crop Protection Association
Risk not hazard for good pesticides regulation
James Gilmour, former director, Agricultural Advisory Service for Scotland
Advertising
 
Partner
Advertising