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Arzneimittelforum: Bisher keine Einigung [DE]

Veröffentlicht 10. Oktober 2006 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Das hochrangige Forum für Arzneimittelfragen hat noch einen weiten Weg vor sich, bevor es im Juni 2007 einen einstimmigen Kompromissvorschlag über strukturelle Reformen, die die Wettbewerbsfähigkeit in der europäischen Pharmaindustrie verbessern sollen, vorlegen kann. 

Das Arzneimittelforum hat bei seinem ersten Treffen am 29. September 2006 einen Bericht  vorgelegt, in dem der Fortschritt in den drei oben genannten Bereichen analysiert wird und Leitlinien für die zukünftige Arbeit in Form von Schlussfolgerungen vorgegeben werden. Keine der Arbeitsgruppen hat bisher konkrete Ergebnisse vorgelegt und viele Punkte stehen noch auf der Tagesordnung, bevor das Forum im Juni 2007 seinen endgültigen Bericht vorlegen kann. 

Die Arbeitsgruppe zu Patienteninformationen hat seit ihrer Gründung im Januar 2006 die größten Fortschritte zu verbuchen. Die Gruppe beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entwicklung eines Musters für Informationspakete zu Erkrankungen (mit Diabetes als Beispiel) sowie mit der Verbesserung des Zugangs der Patienten zu verlässlicher Gesundheitsinformation. 

Die Arbeitsgruppe zu Preispolitik (Kostendämpfung) muss ihre Bemühungen, die Einschätzung der Belohnung für Innovation zu definieren, stärken, um eine Basis für Diskussionen zwischen Stakeholdern zu schaffen.

Die Arbeitsgruppe zum Preis-Leistungsverhältnis (Einschätzung der Wirksamkeit von Arzneimitteln im Vergleich zu anderen Behandlungsoptionen) zielt darauf ab, die Datengrundlagen und Datenerhebungsverfahren in den Mitgliedstaaten zu harmonisieren, um ein vergleichbares System für die Bewertung der Kosteneffizienz und der relativen Wirksamkeit zu schaffen.

Stellungnahmen: 

Im Vorfeld des Forums betonte der Generaldirektor der Europäischen Föderation der Verbände der Pharmazeutischen Industrie (EFPIA), Brian Ager, dass Europa das Gleichgewicht finden müsse zwischen der Belohnung für Innovation, der Gewährleistung des Zugangs zu Arzneimitteln und der Kostenkontrolle der Sozialsysteme. 

Der Europäische Verband der Bioindustrie (EuropaBio) unterstreicht die Notwendigkeit eines rechtzeitigen Zugangs zu innovativen Arzneimitteln.

Der Europäische Verbraucherverband (BEUC) betonte, es sei unerlässlich, eine deutliche Unterscheidung zwischen Information und als Information verkleidete Werbung aufrechtzuerhalten. Diese Unterscheidung sei gefährdet, da es derzeit so aussehe, als ob das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Frage gestellt würde, so BEUC. Pharmaunternehmen seien nicht geeignet, unabhängige und vergleichende Informationen zu vermitteln, da ihr Hauptinteresse den Verkaufszahlen gelte. Aufgrund dieses Interessenkonflikts sollte die Rolle der Pharmaunternehmen bei der Vermittlung von Patienteninformationen sich deutlich von der Rolle anderer Akteure unterscheiden und sich auf die Kennzeichnung der Arzneimittel beschränken, so BEUC-Direktor Jim Murray.

Der Präsident des Ständigen Ausschusses Europäischer Ärzte (CPME), Dr. Daniel Mart, betonte, dass das Augenmerk von Informationen über Arzneimittel zu Informationen über Krankheiten gewechselt habe. Seiner Meinung nach sollte das Augenmerk jedoch weiterhin auf hochwertigen Informationen über Arzneimittel liegen. Zu den Fragen der relativen Wirksamkeit und der Preispolitik betont CPME die Notwendigkeit, ein System zu schaffen, das die Wahl des richtigen Medikaments im richtigen Moment für den einzelnen Patienten vereinfacht. Das Ziel sollte immer sein, die bestmögliche Versorgung des einzelnen Patienten durch das richtige Medikament zu gewährleisten, so Dr. Mart.

Der Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis kritisierte, dass die Mitgliedstaaten nicht bereit seien, Änderungen am derzeitigen System zuzustimmen. Die Mitgliedstaaten würden Änderungen im Bereich der relativen Wirksamkeit von Arzneimitteln verhindern wollen, da sie um Kostensenkung bemüht seien. Sie würden ebenfalls jegliche Preisänderungen ablehnen, da sie die Kosten kontrollieren wollten. Drittens würden sie den Informationsfluss kontrollieren wollen.

Der Zugang zu Informationen sei nicht für alle Patienten in Europa gleich gut. Das Arzneimittelforum sei bemüht, konkrete Lösungen zu finden, um zu gewährleisten, dass alle europäischen Patienten, unabhängig von ihrem Wohnort und ihrer Muttersprache, Zugang zu Informationen haben sollen. Dies sagte der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige Kommissar Markos Kyprianou.

Nächste Schritte: 
  • Das Arzneimittelforum wird voraussichtlich im Juni 2007 seine Vorschläge vorlegen.
Hintergrund : 

Das hochrangige Forum für Arzneimittelfragen  wurde im Juni 2005 einberufen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Pharmaindustrie und Probleme im öffentlichen Gesundheitswesen zu überprüfen. Die Gruppe untersucht die Preispolitik für Arzneimittel in unterschiedlichen Mitgliedstaaten, um einen Kompromiss zwischen Kostendämpfung, Verbesserung des Zugangs zu Arzneimitteln und Belohnung von Innovation zu finden.

Das Arzneimittelforum baut in drei Bereichen auf der Arbeit der 2001 eingesetzten G10-Arzneimittelgruppe  auf: Patienteninformation, Preis-Leistungsverhältnis und Preispolitik.

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