Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments wird am 10. Oktober 2006 über den REACH -Vorschlag abstimmen. Die ursprüngliche technische Diskussion über den Rechtsrahmen für die Registrierung, Beurteilung und Zulassung von Chemikalien ist mittlerweile um eine Gesundheitsdimension erweitert worden.
Parallel stattfindende Chemikalienexponierung aus unterschiedlichen Quellen
Chemikalien gelangen über die Atmung, Wasserdampf oder Partikel (Waschmittel, Deosprays usw.), durch den Mund (Lebensmittel, Getränke usw.) oder durch die Haut (Cremes, Haarwaschmittel, Waschmittel usw.) in den menschlichen Körper. Es gibt Chemikalien, die sich (über Jahre) in dem fettreichen Gewebe des Organismus oder in den Knochen ablagern, aber es gibt ebenfalls Chemikalien (zum Beispiel viele Arzneimittel), die wasserlöslich sind und dadurch schneller aus dem Körper ausgeschieden werden. Die Auswirkungen vieler Chemikalien im menschlichen Körper sind nicht erforscht.
Experten gehen davon aus, dass die Tatsache, dass die meisten Konsumgüter Chemikalien enthalten, der Hauptgrund für die ‚totale Chemieexponierung des menschlichen Körpers’ ist. Zu den wichtigsten offenen Fragen der Risikobewertung gehört die Definition der ‚totalen Exponierung’ durch den gefährlichen ‚Chemikalien-Cocktail’ auf lange Sicht. Dies ist bisher weitaus weniger erforscht als die Gefährdung durch eine einzige Chemikalie in einem klar definierten, nachvollziehbaren Kontext.
„Wir werden nie eine Vorstellung über die genaue Gefährdung haben. Es ist relativ einfach, Auswirkungen auf die Gesundheit auf kurze Sicht und durch direkte Exponierung zu bestimmen. Langzeiteffekte des Umgangs mit Chemikalien von undefiniertem Umfang sind jedoch viel schwerer einzuschätzen“. Dies sagte Lea Hansen aus dem dänischen Umweltministerium im Rahmen des Seminars der Kommission zu Risikobewertung.
Mangel an Daten über Chemikalienexposition und Instrumenten zur Risikoeinschätzung
Die Kommission verfolgt in der Risikobewertung einen wissenschaftlichen Ansatz, der den Zugang zu einer ausführlichen Datengrundlage voraussetzt. Derzeit fehlen der Kommission verlässliche Daten und Instrumente, um Gesundheitsfolgen für Menschen durch Chemikalienexposition einzuschätzen.
2003 hat die EU ein Projekt mit dem Namen EIS-ChemRisks vorgestellt, um Instrumente und Daten für eine harmonisierte Risikobewertung der Gefährdung durch Konsumgüter und –artikel zu erhalten. Im Rahmen des Projekts sollen ebenfalls realistische Szenarien für das Gefährdungsniveau entworfen werden.
Mangel an Vertrauen und Bewusstsein seitens der Verbraucher
Exakte Informationen gelten als entscheidend dafür, das Vertrauen der Verbraucher in die Chemieindustrie und ihre Produkte aufrechtzuerhalten. Dennoch herrscht weiterhin Streit zwischen NGOs und der Industrie darüber, welche Informationen den Verbrauchern zugänglich gemacht werden sollten. Die Industrie möchte weiterhin nur erforschte Fakten über die Risiken einiger Chemikalien an die Verbraucher weitergeben, während die NGOs befürchten, dass dies zu wenig Risikokommunikation sein könnte. Die NGOs fordern, dass die Verbraucherinformationen auch Gefahren und mögliche Langzeitfolgen der Chemikalienexposition enthalten.



