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Sabine Nafziger, Vertreterin der Interessenorganisation der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, CIAA, befürwortet in einem Gespräch mit EurActiv eine Verschiebung der Kommissionsvorschläge für neue Kennzeichnungsvorschriften für Lebensmittel, damit die Industrie mehr Zeit bekommt, Marktforschung hinsichtlich der freiwilligen Kennzeichnung der Industrie durchzuführen.
Die freiwillige Nährwertkennzeichnung der Lebensmittel- und Getränkeindustrie liefere den Verbrauchern fundiertere Informationen in einheitlicher Form. Dies erklärte Sabine Nafziger, Zuständige für Verbraucherinformationen, Ernährungs- und Gesundheitsfragen bei der Interessenorganisation der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, in einem Interview mit EurActiv.
Sabine Nafziger stellt darum die Frage, warum man nun so dringend ein Gesetz auf europäischer Ebene einführen wolle.
Dennoch machen die Lebensmittelunternehmen, die sich zur Einführung der freiwilligen CIAA-Nährwertkennzeichnung
verpflichtet haben, derzeit nur 7% des gesamten EU-Marktes aus. Es wird geschätzt, dass die Hälfte ihrer Produkte, also etwa 3% aller Lebensmittelprodukte des europäischen Marktes, die Kennzeichnung für die empfohlene Tagesmenge (GDAs - Guidline Daily Amounts)
bis Ende 2007 tragen werden.
Nafziger räumt ein, dass die Zahl niedrig erscheine; sie fügt jedoch hinzu, dass die CIAA bis 2010 darauf ziele, 40-50% zu erreichen. Dies sei eine große Herausforderung, da die CIAA keine Obrigkeit über ihre Mitglieder habe, sondern diese nur anregen könne, die Kennzeichnungen für ihre Produkte einzuführen.
Verbraucherorganisationen fordern ein Gesetz, dass „Nährwertkennzeichnung“ für alle Produkte vorschreibt. Die Unternehmen wollen dies auf freiwilliger Basis tun, um für kleinere Unternehmen mehr Flexibilität zu gewährleisten, sagte Nafziger, und fügte hinzu, dass der Erfolg dieser Maßnahme vom Markt abhänge. Wenn der Markt dies nicht umsetze, habe man ein Problem, so Nafziger.
Die CIAA hofft, dass der Vorschlag der Kommission für neue Regelungen für Nährwertkennzeichnungen
, der Ende 2007 erwartet wird, das Konzept der Etikettierung basierend auf den empfohlenen Tagesmengen einschließen wird. Die Kommission habe die Vorlegung der Vorschläge bereits so oft verschoben, dass sie sie auch ein weiteres Jahr verzögern könne; so bliebe mehr Zeit, um die Ergebnisse der Marktforschung, die aufgrund der höheren Anzahl von gekennzeichneten Produkten eine bessere Grundlage hätten, abzuwarten, so Nafziger.
Laut Nafziger seien die Empfehlungen der CIAA
für allgemeine Kennzeichnungsvorschriften das wichtigste Ergebnis der EU-Plattform
für Ernährung, körperliche Bewegung und Gesundheit, die im März 2005 geschaffen wurde, um dem Problem der Fettleibigkeit in Europa zu begegnen.
Die Kennzeichnungsvorschriften der CIAA basieren auf der Nennung der empfohlenen Tagesmenge auf den Lebensmittelverpackungen; diese geben den Anteil des täglichen Energiebedarfs eines bestimmten Produktes an. Sie schlagen vor, dass nur die Energieangaben (Kilokalorien) auf der Vorderseite der Verpackung erscheinen sollen. Die empfohlene Tagesdosis wird aus dem durchschnittlichen Bedarf von Männern und Frauen zwischen 19 und 50 Jahren mit Normalgewicht und durchschnittlichem Gesundheitszustand abgeleitet. Derzeit gibt es keine Richtlinien über empfohlenen Tagesmengen für Kinder.
Verbraucherorganisationen fordern jedoch eine farbliche Kennzeichnung („Ampel“), die den Verbrauchern auf den ersten Blick Informationen über Salz-, Zucker- und Fettgehalt von Produkten liefert: rot für einen hohen, orange für einen mittleren und grün für einen niedrigen Gehalt. Unternehmen stehen diesem Konzept kritisch gegenüber, da solch ein Modell viel Raum für Interpretationen ließe und diese „Bewertung“ der Inhaltsstoffe einen Schritt zu weit gehe.
Bezüglich der Auswirkungen von Nährwertkennzeichnung auf das Verbraucherverhalten, sagt Nafziger, dass die Etikettierung allein, d.h. ohne Aufklärung der Verbraucher, nicht das Problem der Fettleibigkeit bewältigen könne. Darum fordert sie eine von der Regierung durchgeführte und unterstützte Aufklärung der Verbraucher, bei der auch die Unternehmen ihren Beitrag leisten sollten. In den USA sei die Etikettierung von Lebensmitteln für 13 Inhaltsstoffe seit 15 Jahren verpflichtend. Dennoch hätten die USA nie in die Aufklärung der Verbraucher investiert; dies sei der Grund, warum die Verbraucher diesen Kennzeichnungen keine Beachtung schenkten. Man dürfe in Europa nicht den gleichen Fehler machen, betont Nafziger.
Das ganze Interview mit Sabine Nafziger können sie hier lesen.