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Da bereits Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit beobachtet würden, sollte die EU zügig ihre Reaktionsfähigkeit durch die Verbesserung der Früherkennung und der Kontrolle von Infektionskrankheiten sowie die Errichtung eines Systems zur Kommunikation mit der Bevölkerung erhöhen. Dies sagt Dr. Nata Menabde von der Weltgesundheitsorganisation in einem Interview mit EurActiv.
„Der Klimawandel wird sich negativ auf die Gesundheitsbedingungen auswirken“, sagte Menabde, die stellvertretende Leiterin der WHO für die Region Europa.
In der EU werde eine Zunahme der Krankheiten, die mit Luftverschmutzung zusammenhängen, wie Atemwegserkrankungen oder Allergien – insbesondere bei Kindern – die größte Auswirkung sein. Auch ältere Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen würden besonders vom Klimawandel betroffen sein, da sich steigende Temperaturen negativ auf ihren Gesundheitszustand auswirkten.
Darüber hinaus würden ansteckende Krankheiten durch Hitzewellen ausbrechen. „Ein Beispiel dafür könnte das erhöhte Vorkommen von Salmonellen sein, da Mikroben schneller wachsen und Nahrungsmittel verderben, wenn es warm ist. Wenn es kein ausreichend gutes System für Lebensmittelsicherheit gibt, könnten die verdorbenen Nahrungsmittel in den Verkauf gelangen“, erklärte Menabde.
Laut des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) könnten sich Infektionskrankheiten durch den Klimawandel tatsächlich leichter verbreiten, da Insekten, die Krankheiten übertragen – wie verschiedene Arten von Stechmücken und Zecken –in neue Gebiete Europas eindringen könnten. Krankheiten, die durch Moskitos übertragen werden, wie das Chikungunya-Fieber, das West-Nil-Fieber, das Dengue-Fieber und möglicherweise sogar Malaria, wurden bereits vom ECDC als mögliche Bedrohungen bestimmt.
Wie Überschwemmungen würden sie, so die Prognosen, „EU-Staaten erheblich beeinflussen“ und hohe Kosten für die Gesellschaft mit sich bringen. Zudem könnten sie die Lebensbedingungen vieler Menschen beeinträchtigen, indem sie die Infrastruktur großer Städte zerstörten, fügte Menabde hinzu.
Laut des WHO-Berichts „Protecting health in Europe from climate change
“ (deutsch: Die Gesundheit in Europa vor dem Klimawandel schützen), der am Weltgesundheitstag am 7. April 2008 veröffentlicht wurde, könne der Klimawandel eine Bedrohung für die gesamte Gesundheitssicherheit darstellen und ein „Versagen im Kampf gegen den Klimawandel könnte in Bezug auf Krankheiten, die Kosten der Gesundheitsvorsorge und verminderte Leistungsfähigkeit sehr teuer werden“.
Eine Bedrohung der Gesundheitssicherheit gefährde „die gesamte Existenz bestimmter Länder und Wirtschaften“ und werde normalerweise in nationalen Sicherheitsplänen – einschließlich einer entsprechenden militärischen Reaktion – statt in nationalen Gesundheitsplänen berücksichtigt, erklärte Menabde.
„Wir beobachten bereits Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit“, fügte sie hinzu. Aus diesem Grund sei die alleinige Senkung der Treibhausgasemissionen, welche die Erderwärmung verursachen, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ausreichend. „Wir können nur versuchen, diesen Herausforderungen besser zu begegnen“ – mit einem besser ausgestatteten Gesundheitssystem, besser ausgebildeten Ärzten, besseren Technologien, Verbesserung der Wohnbedingungen und des Schutzes vor sich verschlechternden Umweltbedingungen, fügte sie hinzu.
Eine Antwort auf diese Herausforderung umfasse „Früherkennung, Kontrolle von Infektionskrankheiten und die Fähigkeit des Gesundheitswesens, mit Krankheitsausbrüchen umzugehen und die richtige Behandlung bereits erkrankter Menschen sicherzustellen“, sagte Menabde. Die Einbindung von Systemen zur Kommunikation und der Einbezug der Medien spiele eine wichtige Rolle. „Mangelnde Kommunikation ist für viele Krisen und Misserfolge verantwortlich – und Kommunikation ist nicht gerade eine Stärke der Gesundheitsbranche“, sagte sie und betonte die Notwendigkeit der Errichtung guter Kommunikationskanäle mit der Bevölkerung durch die Behörden.
Auf die Frage nach den Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensmittelsicherheit sagte Menabde, dass man „mit Dürren und Überschwemmungen natürlich das gesamte landwirtschaftliche Milieu zum Anbau von Kulturpflanzen“ verändere. Sie fügte hinzu, die WHO schätze, dass die Erträge der Kulturpflanzen in bestimmten Teilen Europas – wie im Mittelmeerraum – bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 30% zurückgehen würden.
„Es kann einiges getan werden, um dies zu vermeiden und um zu planen, wie man mit diesen Mängeln langfristig umgehen kann. Wir müssen einen Aktionsplan ausarbeiten, wie man die verminderten natürlichen Erträge bestimmter Lebensmittel ersetzen kann.“ Menabde sagte auch, dass Europa seine langfristigen Geschäftsmodelle und Handelsmuster überdenken solle, da der Klimawandel tatsächlich die Kulturpflanzen in verschiedenen Teilen der Ede verändern könne.
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