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Fortschrittliche Therapien – Gentherapie, Körperzellentherapie und Gewebezüchtung – sind neue Ansätze der modernen Medizin, von denen erwartet wird, dass sie zu revolutionären Behandlungsmethoden für eine Reihe von Krankheiten und Verletzungen führen.
1. Was ist Gewebezüchtung?
Unter Gewebezüchtung ('tissue engineering') versteht man die Herstellung von Zellen, Biomaterialien oder Biomolekülen mit dem Ziel, die biologischen Funktionen von Geweben wieder herzustellen oder zu verändern. Ein interessantes Beispiel hierfür ist das Verfahren zur Herstellung von Haut auf Grundlage von Gewebezüchtung. Der Unterschied zwischen der Züchtung von menschlichen Geweben und herkömmlichen Behandlungen ist die Tatsache, dass die gezüchteten Produkte in den Körper des Patienten integriert werden. Gewebezüchtung ist ein interdisziplinärer Bereich, in dem Prinzipien der Biologie und der Züchtung angewandt werden.
Gewebezüchtung ist ein Bereich, der stetig wächst und daher kann die Entwicklung der einzelnen Aspekte in den nächsten Jahren nicht eindeutig vorher gesehen werden. Bislang gibt es keine klare Grenze zwischen Gewebezüchtung und gewissen anderen verwandten Gebieten, was unweigerlich zu Überschneidungen mit anderen Behandlungsverfahren führt. Eine Definition, die eine vernünftige Grundlage für die Unterscheidung zwischen Produkten, die mit Hilfe von Gewebezüchtung hergestellt wurden, und andererseits Medizinprodukten, pharmazeutischen Produkten und Zellentherapie, ermöglicht ist daher erforderlich.
Im Juni 2000, als die Richtlinie betreffend Medizinprodukte, die stabile Derivate aus menschlichem Blut oder Blutplasma enthalten (ändert Richtlinie 93/42/EEC
vom 14.Juni 1993 zu Medizinprodukten), verabschiedet wurde, hatte sich der Rat und die Kommission darauf verständigt, dass eine gesonderte Gesetzgebung für Produkte, die Derivate von menschlichen Geweben enthalten, ausgearbeitet werden sollte.
2001 veröffentlichte der wissenschaftliche Ausschuss "Arzneimittel und Medizinprodukte" der Kommission eine Stellungnahme
zu Gewebezüchtung.
Was sind neuartige Therapien?
Es gibt derzeit drei Arten neuartiger Therapien – Gentherapie, somatische Zelltherapie und Gewebezüchtung – bei denen man davon ausgeht, dass sie die medizinische Praxis stark verändern werden. Sie basieren auf komplexen, hochinnovativen Herstellungsprozessen mit dem Ziel genetische, physiologische und strukturelle Eigenschaften von Zellen und Gewebe zu verändern. Die Besonderheit des Produkts besteht somit in seinem Herstellungsprozess.
Das derzeitige Fehlen eines EU-weiten Rahmens führt dazu, dass die Ansätze auf nationaler Ebene zur Einstufung und Zulassung dieser Produkte voneinander abweichen, was sich negativ auf die innovativen Kapazitäten und Wettbewerbsfähigkeit der EU in diesem Schlüsselbereich der Biotechnologie auswirkt.
Die Kommission hat 2002 und 2004 Konsultationen hierzu durchgeführt. Ihre Ergebnisse flossen in einen Verordnungsentwurf
und in ein Konsultationspapier
über einen neuen Rechtsrahmen ein, die im Mai 2005 veröffentlicht wurden und als Grundlage für eine weitere öffentliche Konsultation dienten.
Regulierung von Technologien für die Gewebezüchtung
Es gibt derzeit drei Arten neuartiger Therapien – Gentherapie, somatische Zelltherapie und Gewebezüchtung), von denen man ausgeht, dass sie die medizinische Praxis stark verändern werden. Sie basieren auf komplexen, hochinnovativen Herstellungsprozessen mit dem Ziel genetische, physiologische und strukturelle Eigenschaften von Zellen und Gewebe zu verändern. Die Besonderheit des Produkts besteht eben genau in seinem Herstellungsprozess.
Nach einer Konsultationsphase
über eine Verordnung für neuartige Therapien veröffentlichte die Kommission im November 2005 einen offiziellen Vorschlag
. Die wesentlichen Bestandteile dieses vorgeschlagenen Rahmens über neuartige Therapien sind folgende:
Es gibt bereits zell- und molekularbiologische Verfahren, mit deren Hilfe beschädigte menschliche Gewebe und sogar Organe repariert und regeneriert werden können. Allerdings gibt es derzeit keine Klassifizierungs- und Zulassungsverfahren, die gewährleisten, dass EU-weit die gleichen Sicherheitsstandards für die Herstellung, Verbreitung und Verwendung dieser Therapien gelten.
Interessierte Parteien waren im Rahmen der öffentlichen Konsultation über fortgeschrittene Therapien zur Züchtung menschlicher Gewebe dazu aufgerufen, zu den folgenden Vorschlägen and Aspekten Stellung zu beziehen:
Die Kommission ist der Ansicht, dass Produkte, die auf Humangeweben und –zellen basieren, auf den Grundsätzen der freiwilligen und unentgeltlichen Spende, der Anonymität von Spender und Empfänger, der Uneigennützigkeit des Spenders sowie der Solidarität zwischen Spender und Empfänger beruhen sollten.
Bezüglich der ethischen Aspekte respektiert der Vorschlag die nationalen Kompetenzbereiche, etwa bezüglich embryonaler Stammzellen. In Übereinstimmung mit dem Subsidiaritätsprinzip bleibt die Entscheidung über die Verwendung oder Verwendungsverbot embryonaler Stammzellen auf nationaler Ebene bestehen.
In einer öffentlichen Anhörung zu der Verordnung am 11. Mai 2006 hat ein EU-Kommissionsvertreter die Prioritäten der Kommission bezüglich der Verordnung folgendermaßen zusammengefasst:
Sicherheitsstandards
Innerhalb der gesamten EU unterzieht sich eine wachsende Anzahl von Patienten therapeutischen Behandlungsformen, welche auf menschlichen Gewebe- und Zellzüchtungen basieren. Aus diesem Grund wurde die Einführung EU-weiter Regeln zu den Qualitäts- und Sicherheitsstandards als notwendig betrachtet.
Im Juni 2002 legte die Kommission daher einen Vorschlag für eine Richtlinie zur Festlegung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Spende, Beschaffung, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung von menschlichen Geweben und Zellen vor. Die Richtlinie
wurde im März 2004 angenommen. Sie umfasst alle menschlichen Zellen und Gewebe, die für die Anwendung im menschlichen Körper bestimmt sind. Blut und Blutprodukte (die unter andere EU-Gesetze fallen), menschliche Organe sowie Organe, Gewebe und Zellen tierischen Ursprungs fallen außerhalb ihres Geltungsbereichs. Sie gilt lediglich für gespendete menschliche Organe.
Die neue Richtlinie sieht folgendes vor:
Vorschlag
für eine Verordnung über Arzneimittel für neuartige Therapien:
Die Industrie begrüßte den Vorschlag der Kommission, da hierdurch die lang erwartete Harmonisierung der Gesetze zur Anerkennung- und Zulassung von Produkten, die Derivate von menschlichen Geweben enthalten, festlegt wurde.
Johan Vanhemelrijck, Generalsekretär von EuropaBio sagte, Europa liege zwar in diesem Forschungsbereich immer noch zurück, verfüge aber über vielversprechende Technologien. Die USA hätten zuvor auch Gesetze für diese Art von Produkten gehabt, allerdings verändere sich dieses Feld ständig. Die US-amerikanischen Unternehmen hätten von einer vorhersehbaren und eindeutigen Gesetzgebung profitiert, fügte er hinzu. Daher sind, seiner Ansicht nach, Vorhersehbarkeit und Klarheit die zwei Elemente, welche für die Unternehmen entscheidend sind, um Investoren zu finden, die bereit seien, Gelder für die Forschung auszugeben.
Eucomed, der Europäische Dachverband der Medizinprodukteindustrie, vertritt einen Großteil der Unternehmen, welche sich mit Gewebezüchtung befassen und unterstützt die EU bei ihrem Bestreben, die Gesetzgebung für neuartige Therapien zu harmonisieren, macht allerdings darauf aufmerksam, dass die spezifischen Merkmale der Produkte, welche Gewebezüchtung verwenden und somit weder pharmazeutische noch Medizinprodukte sind, berücksichtigt werden müssten, sagte der Generaldirektor von Eucomed Maurice Wagner.
Laut der vorgeschlagenen Verordnung werden die Staaten das Recht behalten, nationale ethnische Standards aufzustellen. Eucomed ist der Ansicht, dass dies nachvollziehbar sei. Die Verordnung sollte aber gewährleisten, dass die Gesetzgebung der Mitgliedstaaten transparent sei und darüber Aufschluss gebe, welche menschlichen und/ oder tierischen Zellen in dem jeweiligen Land verboten seien.
Eurordis, die European Organisation for Rare Diseases, hat einige Bedenken bezüglich des vorgestellten Risk Management Systems. Die Organisation befürchtet, dass hierdurch zu viele zusätzliche Einschränkungen entstehen könnten.
Richtlinie
2004/23/EG
zur Festlegung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards im Zusammenhang mit menschlichen Geweben und Zellen:
Europabio begrüßt den Kommissionsvorschlag, die Pharma-Regeln zu verwenden und vertritt somit die Meinung von medizinische Einrichtungen und der Pharmaverbände.
Im Zusammenhang mit der von GD Unternehmen eingeleiteten Konsultation mahnte der Ständige Ausschuss der Europäischen Ärzte (CPME), es sei wichtig, dass die Entnahme von Gewebeproben strengen Vorschriften unterworfen werde. In der EU gelte, dass Originalproben nur von Spenden lebender oder verstorbener Menschen stammen dürfen und nur mit der Zustimmung und Informierung der betroffenen Person oder ihres Rechtsnachfolgers. Die Bedingungen für die Lagerung von Proben nach deren Distribution und für deren Verkauf an Labore und Unternehmen, die diese Proben verarbeiten, müssten näher bestimmt werden. Strikte Maßnahmen müssten ergriffen werden, um dem Risiko der Übertragung ansteckender unerwünschter biologischer Erreger entgegen zu wirken. Und um sicherzustellen, dass Produkte, die mithilfe dieser industriellen Verfahren hergestellt worden sind, für alle europäischen Bürger zugänglich sind, müsse die Distribution innerhalb sowie außerhalb der EU gesetzlichen Vorschriften unterliegen.
Die European Organisation for Rare Disorders (Eurordis) begrüßt die Bemühungen, den Umgang mit menschlichen Gewebe und Zellen in der Europäischen Union zu harmonisieren, da davon auszugehen sei, dass sie die Entwicklung und Verwendung von neuen Behandlungen gegen Krankheiten erleichtern und beschleunigen würden. Derzeit sei dieser aufstrebende Bereich der Medizin nicht allerorts gleichermaßen in das Bewusstsein der Bevölkerungen gedrungen. Da Patienten mit seltenen Krankheiten über den ganzen Kontinent verteilt leben würden und ihre Zahl gering sei, könnte eine europaweite Gesetzgebung den Zugang sämtlicher Patienten zu auf Gewebezüchtung basierenden Produkten erleichtern. Eurordis unterstützt die Harmonisierung in diesem Bereich bereits aktiv. Die Organisation koordiniert ein europäisches Netzwerk von biologischen Materialienbanken (EuroBioBank), welches auf die Sammlung von DNA, Geweben und Zellen von Patienten mit seltenen Krankheiten spezialisiert ist.
Die European Society of Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS) begrüßte die Richtlinie über Qualitäts- und Sicherheitsstandards für den Umgang mit menschlichen Geweben, da sie nach dem Konsultationsverfahren gemeinsam mit Gruppen, wie der European Eye Bank Association (EEBA), ausgearbeitet wurde. Der neue Vorschlag wird Folgen für die ESCRS haben, weil er Vorschriften für die Entnahme, Untersuchung und Transplantierung von Geweben, einschließlich Augengewebe, einführt. Der ESCRS weist darauf hin, dass die neue Richtlinie Ophthalmologen (Wissenschaftler und Ärzte, die sich mit Erkrankungen des Auges und ihrer Behandlung beschäftigen) verpflichten werde, Augengewebe ausschließlich von einer anerkannten EU-Augenbank zu importieren, die Gewebe aus Ländern anbietet, deren Standards denen der EU entsprechen. Dies würde die gegenwärtige Praxis der direkten Bestellung erheblich ändern.