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EU-kasachische Beziehungen werden trotz Kritik verstärkt werden

Veröffentlicht 05. April 2011
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Die Beziehungen der EU mit Kasachstan werden in Kürze wahrscheinlich vertieft werden, trotz einer kontroversen Wahl am vergangenen Sonntag (3. April) bei der Präsident Nursultan Nasarbajew seine zwei Jahrzehnte lange Herrschaft auf weitere fünf Jahre ausweitete. EurActiv berichtet aus Astana.

Nasarbajew hat einen überwältigen Sieg gefeiert –dem nationalen Wahlausschuss zufolge mit 95,5 Prozent der Stimmen. In den letzten Wahlen 2005 hatte er mit circa 91 Prozent gewonnen.

Die Ergebnisse sind international bereits kritisiert worden. In einer vorläufigen Stellungnahme haben Beobachter von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) „schwere Unregelmäßigkeiten“ bei der Wahl gemeldet und während einer Pressekonferenz, die gestern (4. April) in der kasachischen Hauptstadt, Astana, abgehalten wurde, viele Mängel angemerkt.

Die OSZE beinhaltet unter ihren 56 Mitgliedern Russland, die Türkei und alle EU-Länder.

Man habe sich von diesen Wahlen viel erwartet, aber diese Hoffnungen seien nicht erfüllt worden, erklärte der Chef der langfristigen Beobachtungsmission der Organisation, Daan Everts, EurActiv gegenüber.

Die Wahlen seien in einer „im Allgemeinen ruhigen“ Stimmung abgehalten worden und eine Anzahl an demokratischen Standards seien „technisch betrachtet“ eingehalten worden, doch zeige die Gesamteinsachätzung einen allgemein verzerrten Prozess zu Gunsten Nasarbajews, sagte Everts.

Der Präsident, der die Unabhängigkeit des Landes von der ehemaligen Sowjetunion übersah und Kasachstan seit 1991 beherrscht, genießt eine breite Unterstützung der Öffentlichkeit, die teilweise auf eine stark wachsende Wirtschaft – die durch Ölexporte und ausländische Investitionen unterstützt wird – zurückzuführen ist.

Schwache Opposition

Derweil ist die Opposition schwach. Nasarbajew ist ein autoritärer Herrscher, der kaum Kritik zulässt. Die Wahrscheinlichkeit eines Aufstandes wird auch durch die wirtschaftlichen Entwicklungen und eine erfolgreiche Politik der Integration moderater Opponenten unterdrückt.

In Georgien demonstriere die Opposition und sie ergreife die Macht. In Kasachstan bitte sie um Gefallen, erklärte Yermukhamet Yertysbayev, ein politischer Berater Nasarbajews, EurActiv gegenüber. Dabei nahm er auf die erfolgreiche „Rosenrevolution“ in Georgien Bezug, die Eduard Schewardnadse 2003 stürzte.

Tatsächlich können die drei Kandidaten, die gegen Nasarbajew antraten, kaum als oppositionelle Anführer betrachtet werden. Einer von ihnen hat sogar für Nasarbajew gewählt, während die anderen zwei bereits einen Plan für ein Referendum, das Nasarbajews Präsidentschaft bis 2020 ausgeweitet hätte (siehe „Background), unterstützt hatten.

Von den ursprünglichen 22 Kandidaten wurde nur vier die Erlaubnis gewährt, sich zur Wahl zu stellen. Einige Oppositionsparteien, einschließlich der kommunistischen Partei, lehnten es ab, an der Wahl teilzunehmen, und forderten einen Boykott.

Angesichts dessen wurde die Beteiligungsrate als die einzige Unsicherheit der Wahl betrachtet – viele haben behauptet, dass eine Rate von 70 Prozent als ein Erfolg für die Boykottskampagne betrachtet werden könnte.

Allerdings war die offizielle Wahlbeteiligung von 90 Prozent, die die Behörden ankündigten, viel höher als die 80 Prozent, die in den vorherigen zwei Präsidentschaftswahlen verzeichnet worden waren.

Dies sei eine Rekordrate, gestand Everts von der OSZE ein.

Der vorläufige Bericht der OSZE meldet „schwere Unregelmäßigkeiten, darunter viele Fälle von anscheinend ähnlichen Unterschriften auf Wählerlisten und mehrere Fälle, in denen Wahlurnen mit gefälschten Stimmzetteln gefüllt wurden“.

Fortschritte und kommende Parlamentswahlen

Trotz der gemeldeten Mängel wurden auch einige Fortschritte bemerkt. Eine fünfköpfige Delegation der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PVER) unterstrich, dass „das Ergebnis dieser Wahl den Willen der Wähler Kasachstans wahrhaft“ wiedergebe.

Kasachstan ist kein Mitglied des Europarates aber eine weitere mögliche Ausweitung der Beziehungen werde geprüft, steht es in der Erklärung der PVER.

Jedenfalls wird die Aufmerksamkeit bereits auf die nächsten Präsidentschaftswahlen gelenkt, die voraussichtlich Mitte 2012 stattfinden sollen.

Nasarbajew hat einer Reform zugestimmt, die es einer anderen Partei ermöglichen wird, den Einzug ins Parlament zu schaffen, welches derzeit ausschließlich aus Mitgliedern der Nur Otan-Partei des Präsidenten besteht.

Diese Entwicklung wirft im Lande Hoffnungen auf, wo viele Parteien und Aktivisten die Präsidentschaftswahl als eine Probe für den wirklichen Wahltest der Parlamentswahlen betrachtet haben.

EU-Kasachstan-Beziehungen

Die vorhersehbaren Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen werden wahrscheinlich keine Auswirkung auf die Beziehungen Kasachstans mit der EU haben.

Das zentralasiatische Land ist ein Partner von zunehmender Wichtigkeit für die Europäische Union. Kasachisches Öl fließt bereits nach Europa und die Importmenge könnte wachsen, wenn die Versorgung aus Libyen weiterhin unzuverlässig bleibt.

Wichtige europäische Unternehmen sind in der blühenden kasachischen Ölindustrie tätig, und insbesondere auf dem viel versprechenden Kashagan-Ölfeld im kaspischen Raum. Es wird auch erwartet, dass dort bald das Gas fließen wird.

Kasachstan wird auch als ein Modell für die Region in Sachen interethnischer und interreligiöser Dialog betrachtet – unter seiner breiten Vielfalt an ethnischen Gruppen wurden bisher nur geringfügige Vorfälle gemeldet. Islam ist die dominante Religion aber radikale Muslime sind trotz der geographischen Nähe Kasachstans zu viel weniger säkularen Regionen wie Afghanistan und Pakistan selten.

Ein neues Partnerschaftsabkommen wird bald wieder zwischen Brüssel und Kasachstan verhandelt werden. Die Verhandlungen könnten in den nächsten Wochen beginnen.

Man sollte ein fortgeschrittenes Partnerschaftsabkommen finden, das einen Quantensprung in den Beziehungen markiere, erklärte der für EU-Angelegenheiten zuständige Vize-Außenminister Kasachstans, Konstantin Zhigalov, EurActiv gegenüber.

Der EU-Botschafter in Astana, Norbert Jousten, bestätigte die Hoffnung beider Seiten auf ein neues Abkommen, das das derzeitige rechtliche Rahmenwerk ersetze und bilaterale Beziehungen stärke.

Man erwarte, dass es die Tiefe der Beziehung besser wiedergebe und dass es weitere Gelegenheiten zur Vertiefung der Beziehung geben werde, sagte der Diplomat. Er erwähnte das Potential für gestärkte Zusammenarbeit in vielen Fragen, darunter „politische Bereiche, Handelsinvestitionen, der Dialog für demokratischen Fortschritt und die volle Einhaltung der Menschenrechte“.

Stellungnahmen: 

Die folgende Stellungnahme ist lediglich auf Englisch verfügbar:

Catherine Ashton, the EU High Representative for Foreign Affairs and Security Policy, congratulated "the people of Kazakhstan for exercising their democratic rights in presidential elections on 3 April".

She called on the Kazakh authorities to address what she called democratic "shortcomings, as well as other restrictions and irregularities observed by the OSCE/ ODIHR. This should be done before the legislative elections in 2012, in order to ensure that they are in line with international standards".

"Kazakhstan is a key partner for the EU, and we stand ready to continue our support to the implementation of further political reforms," she concluded.

Baiterek Tower in Astana
Hintergrund : 

Kasachstan ist ein wichtiger Akteur in Zentralasien und ein Schlüsselpartner der EU in vielen strategischen Fragen, wie der Energieversorgung.

Die ehemalige sowjetische Republik ist der fünftgrößte Ölexporteur an die EU, nach Russland, Norwegen, Libyen und Saudi-Arabien. Beinahe sechs Prozent des 2010 nach Europa importierten Rohöls stammte der Europäischen Kommission zufolge aus Kasachstan.

Obwohl Nasarbajew sehr gute Beziehungen zu Moskau unterhält, berücksichtigt er auch die Interessern von Brüssel und Washington.

Nasarbajews Pläne, ein Referendum abzuhalten, um sein Amt bis 2020 auszudehnen, sind der heftigen Kritik der westlichen Länder entgegengekommen. Die Bedenken, die die Hohe Vertreterin der EU für auswärtige Angelegenheiten, Catherine Ashton, aufwarf, kamen unmittelbar, bevor im Januar auf die Initiative eines Referendums verzichtet wurde.

Dies hielt allerdings Nasarbajew nicht davon ab, Anfang Februar vorgezogene Präsidentschaftswahlen zu fordern, was den Oppositionsparteien nur zwei Monate – die vom Gesetz erlaubte Mindestzeit – ließ, um einen Wahlkampf zu organisieren.

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