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Palästinensische Gesandte bittet Brüssel um Unterstützung

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Veröffentlicht 29. April 2011, aktualisiert 14. Dezember 2012

Die palästinensische Gesandte in Brüssel, Leila Shahid, appelliert an die EU, die neue Palästinensische Autonomiebehörde zu unterstützen. Diese Interimsregierung aus Technokraten ist das Ergebnis einer Einigung von Fatah und Hamas. Sie soll die Aussöhnung und Einheit voranbringen.

In einem Exklusivinterview mit EurActiv erklärte die Diplomatin, die Fatah und die Hamas würden kommende Woche eine Vereinbarung unterzeichnen. Dadurch entsteht eine Interimsverwaltung, die alle bisherigen Verträge anerkennt und den gewaltfreien Kurs der amtierenden Palästinensischen Behörde (PA) fortsetzt.

Zur Vereinbarung gehört auch, dass die offiziellen Verhandlungen mit Israel weiterhin von der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO geführt werden.

Die EU solle dies als Riesenschritt nach vorne würdigen und entsprechend unterstützen, sagte Shahid im Gespräch mit EurActiv. Es könne nur positiv sein, wenn unter der Führung der PLO die Palästinenser mit einer Stimme sprechen.

Es gebe ihrer Ansicht nach überhaupt keinen Grund, die jährliche Unterstützung der EU von 500 Millionen Euro zugunsten der PA anzutasten, betonte Shahid.

Gerade vor dem Hintergrund der Umwälzungen in der arabischen Welt sei eine nationale Regierungskoalition zu begrüßen, die mehr Glaubwürdigkeit besitze und die Autorität habe, einen Friedensabkommen zu unterzeichnen, sagte die Repräsentantin.

Was die palästinensischen Pläne betreffe, bei den UN im September als palästinensischer Staat anerkannt zu werden, meinte sie, es sei schwierig sich vorzustellen, wie die Palästinenser ohne nationale Einheit zu einer Eigenstaatlichkeit finden könnten.

Von der EU erfolgte keine umgehende Reaktion dazu.

"Wir untersuchen das derzeit noch", sagte Michael Mann, Sprecher der Außenbeauftragten Catherine Ashton, zu EurActiv. Ashton werde in den nächsten Tagen mit Leuten der Region und in der EU reden und sich ein Bild machen.

Nach Informationen von EurActiv hatte Leila Shahid gestern (28. April) Gespräche mit EU-Vertretern.

In einer Erklärung betonte Ashton, die EU habe durchgehend für Frieden und Aussöhnung appelliert, um ein Ende der Teilung von West Bank und Gazastreifen sowie mehr Sicherheit und Stabilität in dieser Region zu ermöglichen.

Die Nachricht vom Abkommen der beiden größten politischen Lager der Palästinenser schockierten Politiker und die Öffentlichkeit weltweit.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagte, die PA müsse sich entscheiden zwischen Frieden mit Israel oder Frieden mit der Hamas.

Verhandlungen zwischen der Palästinensischen Behörde und Israel sind seit September 2010 eingefroren, weil Israel seine jüdische Siedlungspolitik in der West Bank fortsetzte.

Die Reaktion aus Washington auf das Abkommen der palästinensischen Lager fiel kühl, fast frostig aus.

Die Vereinigten Staaten unterstützten die palästinensische Aussöhnung unter Bedingungen, die den Frieden fördern, hieß es in einer Erklärung des Sprechers des Weißen Hauses, Tommy Vietor. Die Hamas sei jedoch eine Terroristenorganisation mit Zielen in der Zivilbevölkerung.

Nach den Worten von Leila Shahid wird indes weder die Hamas noch die Fatah in der neuen unabhängigen Interimsregierung von Technokraten vertreten sein.

Aber Einzelheiten der Sicherheitsvorkehrungen und des Sicherheitsaufbaus müssten warten, bis das Abkommen umgesetzt ist. Davor müssten nächste Woche Präsident Abbas für die Fatah und Khalid Meshaal für die Hamas die Vereinbarung unterzeichnen.

Mehreren Berichten zufolge schlagen Beamte und Kongressmitglieder der Obama-Administration vor, ihre finanzielle Unterstützung für die Palästinensische Behörde zu überdenken.

Doch Shahid drängt in Brüssel darauf, diesem Bespiel nicht zu folgen.

Die EU solle nicht erneut in die Falle gehen und nicht versuchen, irgendeine politische Partei zu boykottieren und zu marginalisieren, wie sie es 2006 getan hat. Denn das bringe uns dem Frieden nicht näher, sagte sie. Im Gegenteil, das würde noch mehr Gewalt erzeugen und in einen totalen Krieg gegen Gaza führen.

Fatah und Hamas haben nach Shahids Ansicht aus früheren Fehlern gelernt. "Ich hoffe, die internationale Gemeinschaft tut das auch."

Stellungnahmen: 

Die folgenden Stellungnahmen sind lediglich auf Englisch verfügbar:

Yoel Mester, a spokesman for the Israeli Mission to the EU, sent Euractiv a statement stressing that “Israel has always been willing to engage in direct peace talks with the Palestinians, in search of a two state solution. However, the possibility of the Palestinian Authority and Hamas forming a government would undermine the chances of resuming a meaningful peace process. Hamas is an Iranian-backed terrorist organization, whose charter calls for the annihilation of Israel. Hamas terrorists have fired thousands of rockets on Israel's cities.” 

The statement continued: “The Quartet (United States, Russia, EU and the UN) has placed clear conditions for what is required of a legitimate negotiating partner with Israel – recognition of Israel's right to exist, renunciation of terrorism, and abiding by previous agreements. Hamas unequivocally rejects these conditions, and makes clear that it will never change its ideological opposition to the existence of Israel.”

He noted that the US Secretary of State Hillary Clinton had told Congress in April 2009 that the United States would not deal with or fund any Palestinian government that included Hamas, until it accepted the Quartet conditions. “Israel expects similar clarity from all responsible members of the international community and from all those who hope to advance peace in our region,” he said.

A European Parliament delegation for Relations with the Palestinian Legislative Council was in Ramallah, when the Fatah-Hamas deal was signed.

Delegation member and Danish Green MEP Margrete Auken welcomed the agreement, saying: "This breakthrough will hopefully pave the way for a more consensual politics and ultimately a unity government in Palestine and the EU should welcome and give support to ensure its potential is fully realised."

"The agreement will hopefully lead to new elections. The EU must respect the outcome of any democratic elections and not repeat its gross error following the 2006 elections and the consequences this had for the Palestinian people and stability in the region, as well as the EU's credibility," Auken said.

Socialists & Democrats leader and German MEP Martin Schulz also hailed the news. "We have always encouraged and supported reconciliation," he said. "This deal makes it possible for Palestinians to end internal divisions, speak with a single voice and continue on the peaceful path towards a Palestinian state. These elections must be free and fair and the democratic wishes of Palestinian voters must be respected by the international community."

"The accord, which should be signed in the coming days, may give fresh momentum to efforts for a just and lasting peace between Israelis and Palestinians with two states living side by side in peace and security. It is time for Israel, the Palestinians and the international community to live up to their responsibility in the peace process. Peace talks must resume and must deliver. There is no other option," Schulz said.

"US taxpayer funds should not and must not be used to support those who threaten US security, our interests, and our vital ally, Israel," said Ileana Ros-Lehtinen, chairwoman of the US House Foreign Committee. She stressed that US law prevents such funds – close to $500 million in annual assistance – because the PA must recognise Israel's right to exist in order to receive the funding. Hamas is labelled a terrorist organisation by the US and Israel.

Hintergrund : 

Die Hamas gewann die palästinensischen Wahlen nach Yasser Arafats Tod 2006. Die Gruppierung wurde jedoch von Israel und den USA, bald darauf auch von der EU boykottiert. Grund dafür war, dass die Hamas die Besetzung der West Bank und des Gazastreifens durch Israel mit Gewalt beenden wollte. Die Taktik der Hamas, mit Selbstmordattentaten zivile Ziele zu treffen, stieß sowohl Unterstützer als auch Gegner der palästinensischen Sache vor den Kopf.

Dennoch kam es zu Machtkämpfen zwischen der national-religiösen Hamas und der säkular-nationalistischen Fatah mit blutigen Auseinandersetzungen, die im Juni 2007 mit mehr als hundert Toten ihren Höhepunkt fanden. Als sich der Rauch verzog, hatte die Hamas den Gazastreifen unter ihrer Kontrolle. Die erbitterte Feindschaft zwischen den beiden größten palästinensischen Lagern hatte sich blutig vertieft.

Der Westen setzte seine großzügige Hilfe für die Fatah-kontrollierte Palästinensische Behörde in der West Bank fort. Iran unterstützte in ähnlicher Weise die Hamas. Dennoch führte die weltweite Blockade dazu, dass die Wirtschaft, alle Reisemöglichkeiten und das Alltagsleben im 7 mal 22 Kilometer großen Gazastreifen auf ein Minimum reduziert wurden.

Im Jahr 2004, also vor Beginn der Belagerung, lebten 65 Prozent der Gaza-Bevölkerung unterhalb der UN-Armutsgrenze von zwei Dollar am Tag. Heute sind 80 Prozent der 1,5 Millionen Gaza-Bewohner – 70 Prozent von ihnen sind Flüchtlinge oder ihre Nachkommen – auf Lebensmittelhilfen der UNWRA, des UN-Flüchtlingshilfswerks für Palästinenser, angewiesen.

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