- Kein Klimaabkommen erwartet
Ursprünglich wurde der Gipfel als eine Gelegenheit für die EU und die USA gesehen, ihre Positionen zum Klimawandel im Vorfeld des G8-Gipfels im Juni und der Konferenz der Teilnehmer der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) Ende des Jahres anzugleichen.
Jedoch haben sich beide Seiten bemüht, die Bedeutung des Gipfels herunterzuspielen, nachdem deutlich geworden ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines Abkommens gering ist.
Während die EU gehofft hatte, die USA von der Notwendigkeit eines globalen Abkommens für Emissionsreduzierungen überzeugen zu können, wollten die USA die Diskussionen stärker auf neue Technologien, wie CO2-Abscheidung und –Speicherung, ausrichten. Die USA haben deutlich gemacht, dass sie sich nicht auf verbindliche Reduzierungen einlassen werden, es sei denn andere große Emittenten, wie China oder Indien, gehen ebensolche Verpflichtungen ein.
- Fortschritte in der Handelspolitik
In Wirtschaftsfragen ist das Potential für eine Einigung größer und es wird erwartet, dass die beiden Wirtschaftsmächte ein Abkommen unterzeichnen werden, das darauf abzielt, die verbleibenden Handelshemmnisse abzubauen und die Normen im Automobil-, Pharma und Chemiesektor zu harmonisieren.
Das Abkommen würde die Einrichtung eines hochrangigen „transatlantischen Wirtschaftsrates“ vorsehen, der die Umsetzung der Vorschriften überwachen würde. Medienberichte deuten an, dass der Vorsitz des Rates Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen übertragen werden könnte. Andere Berichte gehen jedoch davon aus, dass einer der beiden Generalsekretäre der Kommission, Alexander Italianer, den Vorsitz übernehmen würde, um Streitigkeiten zwischen den Generaldirektionen Handel, Außenbeziehungen, Industrie und Binnenmarkt vorzubeugen.
Die Schaffung eines „transatlantischen Binnenmarktes“, der auf beiden Seiten des Atlantiks zu einem Anstieg des Wirtschaftsvolumens um 3,5% führen könnte, ist eines von Angela Merkels größten Projekten im Rahmen ihres sechsmonatigen EU-Vorsitzes (EurActiv 05. Januar 2007). Bei diesem Gipfel sollen die Verhandlungen in Gang gebracht werden, während offene Fragen in sensiblen Bereichen, wie die Unterschiede bei den Finanzmarktregulierungen, Patenten und geistigen Eigentumsrechten, auf den nächsten Gipfel verschoben werden.
Der Gipfel wird sich auch um eine Fortsetzung der globalen Handelsrunde im Rahmen der WTO bemühen, die seit Juli 2006 auf Eis liegt. Mehrere große Handelsmächte haben angekündigt, dass sie die Verhandlungen noch vor Ende des Jahres abschließen wollen, aber bisher ist es der EU und den USA nicht gelungen, die Differenzen über Agrarsubventionen und –zölle zu überwinden.
- Open Skies
Die Teilnehmer des Gipfels werden voraussichtlich ein „Open Skies“-Abkommen unterzeichnen, das darauf abzielt, die Barrieren für den Luftverkehr im transatlantischen Raum aufzuheben (EurActiv 22. März 2007). Die EU wird klare Zusagen seitens der USA fordern, um zu gewährleisten, dass diese noch vor 2010 ihren Inlandsmarkt öffnen und den Zugang ausländischer Investoren zu US-amerikanischen Fluggesellschaften ermöglichen. Seit die Verhandlungen vor fünf Jahren aufgenommen wurden, weigert sich Washington, diese Forderungen zu erfüllen.
Ebenfalls auf der Tagesordnung stehen weitere Hindernisse im Flugverkehr zwischen den beiden Kontinenten, unter anderem die umfangreiche Einführung strikter Sicherheitsbestimmungen im Anschluss an die Bombenangriffe vom 11. September 2001 (siehe LinksDossier zu Verkehrssicherheit).
- Visarestriktionen der USA
Die Vertreter der EU werden bei dem Gipfel ebenfalls darauf drängen, dass die Befreiung von der Visumspflicht ab September auch für Bürger der neuen EU-Mitgliedstaaten und Griechenland gelten sollen, unter dem Hinweis, dass für alle Unionsbürger die gleichen Regeln gelten sollten.
- Fluggastdaten
Des Weiteren wird die Frage des Zugangs der USA zu personenbezogenen Daten von Fluggästen, die in die USA fliegen, behandelt werden. Ein vorläufiges Abkommen, das im Oktober 2006 vereinbart wurde, läuft im Juli aus (EurActiv 06. Oktober 2007). Sollte kein neues Abkommen zustande kommen, könnte dies zu Chaoszuständen auf den Flughäfen führen, da sich die Fluggesellschaften mit den kontrastierenden EU-Vorschriften zu Datenschutz und den US-Anti-Terrorbestimmungen konfrontiert sähen.



