Es ist ungewiss, wie viel Einfluss die Demokraten auf die US-Politik nehmen könnten, wenn der Kongress und das Weiße Haus politisch geteilt würden. Selbst wenn die Demokraten in beiden Kammern die Mehrheit bekämen, würde der Präsident immer noch über ein Veto verfügen.
Die Demokraten müssten eine politische Situation herbeiführen, in der sie sich der Unterstützung einiger republikanischer Abgeordneter sicher sein könnten. Ein Veto des Präsidenten kann nur mit einer zwei Drittel Mehrheit außer Kraft gesetzt werden.
Auch ohne Unterstützung der Republikaner würden das Haushaltsrecht und die Kontrollfunktion den Demokraten Einfluss in vielen Bereichen der internationalen Tagesordnung sichern.
Irak
Sollten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen, könnten sie versuchen, Einfluss auf die Irak-Politik von Präsident Bush zu nehmen. Mehrere führende Demokraten haben die Wahl sogar zur Abstimmung über den Krieg ausgerufen.
Obgleich die Demokraten dem Irak-Krieg kritisch gegenüberstehen, befürworten sie keinen unmittelbaren Rückzug der Truppen aus dem Irak. Die meisten Demokraten sind der Auffassung, dass ein Rückzug die Situation im Irak weiter verschlimmern würde. Die Demokraten werden voraussichtlich eine Neuausrichtung, beziehungsweise einen begrenzten Rückzug befürworten.
Klimaschutz
Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner haben im Vorfeld der Wahlen versucht, Klimaschutz als ihr Thema zu präsentieren. Präsident Bush hat seine Position in dieser Frage jedoch bei der Eröffnung der zweiwöchigen Konferenz über Klimawandel am 6. November 2006 in Nairobi, Kenia, deutlich gemacht, als er seine Ablehnung des Kyoto-Protokolls wiederholte.
Viele glauben, dass neue Mehrheitsverhältnisse im Kongress eine Richtungsänderung in der Klimapolitik bedeuten würden, da immer mehr Kongressmitglieder Maßnahmen fordern, um die CO2-Emissionen einzudämmen und der globalen Erwärmung vorzubeugen.
Politikinitiativen, die darauf abzielen, den Klimaschutz zu stärken, werden künftig voraussichtlich auf Kompromissen aufbauen, die von beiden Parteien unterstützt werden. Die großen Änderungen sind erst nach den nächsten Präsidentschaftswahlen zu erwarten.
Doha-Runde
Auch die US-Handelspolitik würde von einem neuen Kongress beeinflusst werden.
Am wichtigsten für die internationale Agenda ist die Frage, ob der Kongress das Verhandlungsmandat von Präsident Bush (Trade Promotion Act - TPA), das im Juli 2007 ausläuft, erneuern wird. Dieses Mandat ermöglicht es dem Präsidenten, Handelsabkommen auszuhandeln und suspendiert das Recht des Kongresses, Änderungen an diesen Abkommen vorzunehmen und ihre Überarbeitung zu verlangen.
Sollte das Mandat nicht erneuert werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Welthandelsrunde erfolgreich abgeschlossen werden kann, da der Kongress sein Recht, Änderungen an Handelsabkommen vorzunehmen, zurückbekäme, was die Verhandlungen für die anderen WTO-Mitglieder weitaus weniger attraktiv machen würde, da sie sich nicht sicher sein könnten, dass von den USA eingegangene Verpflichtungen nicht noch im Kongress gekippt würden.



