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1. Dezember 2009
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Ab heute niedrigere Handytarife in der EU [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 1. Juli 2009   

Das Tätigen eines Anrufs quer über die EU ist von heute (1. Juli 2009) an, mit dem Inkrafttreten der neuen Roaming-Gebühren erheblich billiger. Daten- und Textnachrichten, welche die Telekombetreiber bisher als Maßnahme einer kurzsichtigen Politik verwarfen, werden von den neuen Roaming-Regeln auch abgedeckt. 

Hintergrund:

Im Juni 2007 führte die Kommission eine Verordung external ein, mit der sie die Preise für grenzüberschreitende Mobiltelefonate in Europa begrenzte – die so genannte Roaming-Verordnung (EurActiv vom 29. Juni 2007).

Das Eingreifen der Kommission war auf Roaming beschränkt, da inländische Anrufe in den Zuständigkeitsbereich der nationalen Regulierungsbehörden fallen. Die Roaming-Verordnung schloss weiterhin Textnachrichten (SMS) und Daten aus.

Im Februar 2008 forderte die EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft Viviane Reding Mobilfunkanbieter jedoch auf, die Tarife sowohl für Textnachrichten als auch für Daten, die ins Ausland versendet werden, zu senken. Sie setzte der Branche eine Frist, den 1. Juli 2008, bis zu der diese die Gebühren beträchtlich senken sollte (EurActiv vom 12. Februar 2008).

Nach langen Verhandlungen hatten das Europäische Parlament und die tschechische Ratspräsidentschaft im März 2009 eine Übereinkunft über die neue Roamingverordnung gefunden, die darauf abzielt, Obergrenzen für Auslandsgespräche zu senken und sie für Textnachrichten und Daten einzuführen (EurActiv vom 25. März 2009). 

Die Handyanrufe die von einem EU-Land ins andere getätigt werden, sind nun von ursprünglich 46 auf 43 Cent pro Minute begrenzt. Die Begrenzung wird ab Juli auf 39 Cent und ab Juli 2011 weiter auf 35 fallen.  

In Einbezug der Mehrwertsteuer werden die neuen Preise für Anrufe aus dem EU-Ausland bei spanischen und britischen Nummern nun 49 Cent betragen, 51 Cent bei italienischen, französischen oder deutschen Nummern, 51 Cent bei belgischen oder finnischen und 53 Cent bei schwedischen, dänischen und ungarischen Nummern betragen. 

Die Mobilfunknutzer sollen auch von niedrigeren Tarifen für das Annehmen von Anrufen im Ausland profitieren. Diese Gebühren werden von den derzeitigen 22 Cent pro Minute auf 19 Cent pro Minute gesenkt (ohne Mehrwertsteuer). Außerdem wurde eine neue Begrenzung für Textnachrichten aus dem Ausland eingeführt, die nun maximal 11 Cent (ohne Mehrwertsteuer) kosten werden.

Die Betreiber dürfen natürlich niedrigere Preise anbieten als die maximale EU-Begrenzung erlaubt, obwohl dies in der Praxis selten der Fall war, als die ersten EU-Roaming-Richtlinien im Jahr 2007 in Kraft traten.

Daten-Roaming

Mehr gute Nachrichten für europäische Verbraucher kamen mit der Einführung einer Preisobergrenze für Daten-Roaming, um so genannte Rechnungsschocks der Internetnutzer zu vermeiden, während sie im Ausland sind. In einem aktuellen Fall erhielt ein Deutscher eine Rechnung von 46 000 Euro für das Downloaden von Fernsehprogrammen während er in Frankreich war.  

Die neue Regelung setzt ein Limit von 50 Euro pro Monat (inklusive Mehrwertsteuer). Wenn ein Konsument diese Grenze erreicht hat, wird ihm der Mobilfunkanbieter eine Warnungsnachricht senden, die die Details des Verfahrens zur weiteren Nutzung der Roaming-Daten enthält. Sollte der Nutzer nicht darauf reagieren, müsste der Betreiber automatisch den Dienst abschalten, sobald die Obergrenze erreicht wird.

Die Nutzer dürfen allerdings selber wählen, höhere Grenzen festzulegen.  

Pro-Sekunde Tarif

Die Telekombetreiber schafften es jedoch den Zwang zur Abrechnung pro Sekunde ab dem Beginn eines Anrufs abzuwenden.

Derzeit erheben die meisten Betreiber Tarife pro-Minute für Anrufe im Ausland, eine Praxis die die Verbraucher letztendlich mit 24 Prozent mehr Zeit belastet als sie eigentlich telefonieren, so die Gruppe der europäischen Telekomregulierungsbehörden (ERG). 

Die neuen Regeln werden den Betreibern erlauben, einen anfänglichen Abrechungszeitraum von 30 Sekunden einzuführen, nachdem dann das pro-Sekunde System eintritt. Dies bedeutet, dass wenn ein Betreiber diesen Vorteil ausnutzen will, jeder Anruf der eigentlich nur 15, drei oder 27 Sekunden dauert, so abgerechnet würde als habe er 30 Sekunden gedauert.

Positionen:

Die Abzocke beim Roaming sei jetzt an ihr Ende gelangt, dank der entschlossenen Handlung der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und der 27 Mitgliedsstaaten, so die EU-Telekommunikationskommissarin Viviane Reding. Sie erwarte, dass die neuen EU-Roamingregeln es viel günstiger machen werden im Internet über das Mobiltelefon zu surfen. Zurzeit seien EU-Regeln darauf beschränkt die Kosten zwischen den Anbieter zu senken. Sie rief außerdem die Mobilfunkindustrie dazu auf, diese Einsparnisse so schnell wie möglich an die Kunden weiter zu geben. 

Die Europaabgeordnete Adina Valean (ALDE, Rumänien) die Berichterstatterin im Europäischen Parlament zu diesem Thema sagte, dass sie die Tatsache begrüße, dass einige Anbieter bereits vor der Einführung der Verordnung ihre Roamingtarife gesenkt hätten, während andere ihren Kunden Sommerangebote machen würden. Dies seien sehr gute Nachrichten für den Wettbewerb und die Verbraucher. Die Kosten um Anrufe zu tätigen und zu empfangen, Textnachrichten zu senden und im Internet zu surfen seien in den letzte Jahren zurückgegangen, aber es gebe auch Spielraum für mehr. 

GSMA, die Vereinigung der weltweit größten Mobilfunkanbieter warnte davor, dass die Verordnung dem Telekomsektor der EU Schaden zufügen könnte. Der durchschnittliche Preis für Mobilfunktarife falle um bis zu 13 Prozent jährlich. In einem solch wettbewerbsgetriebenen Markt sei Preisregulierung nicht notwendig und könne potentiell schädigend sein. Eine kurzfristige politische Agenda sollte sich nicht über die langzeitliche wirtschaftliche Regulierung hinwegsetzen, sagte David Pringle, ein Sprecher von GSMA. 

Monique Goyens, die Generaldirektorin von BEUC, der europäischen Verbraucherschutzorganisation, sagte, dass Preise näher bei den reellen Kosten liegen sollten, klarer und transparenter seien müssten und keine Rechnungsschocks mehr stattfinden sollten. Ein bisschen mehr Klarheit und einige weitere Maßnahmen würden diesem positiven und schnellen Vorschlag den letzten Schliff geben, so Goyens.

Nächste Schritte:

• 1. Juli 2009: Neue Roamingregeln treten in Kraft (maximale Tarife von 43 Cent pro Minute)

• 1. Juli 2010: maximale Tarife bei 39 Cent pro Minute

• 1. Juli 2011: maximale Tarife bei 35 Cent pro Minute.

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