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Deutscher Mediengigant will bei 'Google-Killer' einsteigen [DE][en][fr

Erschienen: Dienstag 17. Januar 2006    | Aktualisiert: Mittwoch 18. Januar 2006   

Nach eigenen Angaben steht der deutsche Medienkonzern Bertelsmann kurz davor, sich an dem europäischen Suchmaschinenprojekt Quaero zu beteiligen. Damit sorgt der Konzern für neuen Zündstoff in der Debatte über die Rolle von Quaero in dem sich abzeichnenden "Kampf der Suchmaschinen".

Hintergrund:

Bertelsmannexternal könnte – über seine Tochtergesellschaft Empolisexternal - bereits am 20. Januar 2006 in das Konsortium, das unter der Leitung des Unternehmens Thomsonexternal steht, einsteigen. Weitere Konsortiumsmitglieder sind France Télécomexternal Deutsche Telekomexternal und Bertin Technologiesexternal . Jean-Louis Beffas, Vorsitzender der Glas- und Keramikgruppe Saint-Gobainexternal , ist die treibende Kraft hinter Frankreichs Agentur für industrielle Innovationexternal , die 150 Millionen Euro auftreiben soll. Heinrich von Pierer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Siemensexternal AG und ehemaliger Siemens-Chef, soll die Mittelbeschaffung in Deutschland koordinieren. 

Darüber hinaus gehören CNRSexternal (Frankreichs Nationaler Rat für wissenschaftliche Forschung), RWTH Aachenexternal  und die Universität Karlsruheexternal , das Zentrum InterACTexternal , das die Sprachverarbeitungstechnologien von Quaero entwickelt, INAexternal (Institut National de L’Audiovisuel) und Studio Hamburgexternal  zu den Konsortiumsmitgliedern. Quaero wird auf der Technologie der Suchmaschine Exaleadexternal  beruhen und das französische Forschungsinstitut für Informatik und Automatik (INRIAexternal ) entwickelt neue Technologie für die Bild-, Video- und –Klangdateiverzeichnisse, die ohne Metadaten-Tags auskommen sollen.

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Viele Experten sind der Meinung, dass Multimedia-Suchmaschinen, die die Suche von Inhalten für das Internet erleichtern, eine der ganz großen Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich sind. Darüber hinaus rechnen viele damit, dass sie die Schlüsselpositionen im zukünftigen Internet innehaben werden. Mit zunehmender technologischer Konvergenz wollen sich Medienkonzerne wie Bertelsmann und TimeWarner, Softwarekonzerne wie Microsoft und Online-Unternehmen wie Google und AOL ihren Anteil an dem neuen Markt sichern. 

Bertelsmann, eines der zwei Unternehmen, in deren Händen sich der deutsche Medienmarkt weitgehend befindet, ist seit der Fusion seiner Tochtergesellschaft BMG mit dem Musikunternehmen von Sony (Sony BMG Music Entertainmentexternal ) auch einer der weltweit führenden Musikproduzenten. Der Konzern steht in direktem Wettbewerb mit TimeWarnerexternal , das gerade einen Vertrag in Höhe von 1 Milliarde Euro mit Googleexternal abgeschlossen hat. Im Rahmen des Vertrags erhält das Suchmaschinenunternehmen fünf Prozent der Onlinedienste von AOLexternal . Darüber hinaus bilden die beiden Unternehmen nunmehr ein strategisches Bündnisexternal . Wie alle anderen großen Akteure auf dem Markt kauft AOL kleinere Firmen auf, die sich in der Multimedia-Suche spezialisiert haben. So kaufte AOL unlängst die Video-Suchmaschine Truveoexternal und im Jahr 2003 Singingfishexternal , ein Unternehmen, das Quaero-Leiter Thomson früher gehört hat. Google hat vor kurzem Google Video external  lanciert, mit dem es Videos und Filme über das Internet vertreibt. 

Unterdessen ist Google mit seinem neuen Google Packexternal  zum Angriff auf die Vormachtstellung von Microsoftexternal im Desktop-Bereich übergegangen. Das neue Produkt besteht aus einer Reihe von Programmen, die von Google entwickelte Software bündelt und Programme des Internet Explorer und des MediaPlayer von Microsoft ersetzt. Im Gegenzug hat Microsoft Google von der Reihe leicht installierbarer Suchmaschinen in der neuen Version von Internet Explorer, die zusammen mit dem Betriebssystem Windows Vista ausgeliefert wird, ausgeschlossenexternal

Bertelsmann Entscheidung, sich dem Quaero-Konsortium anzuschließen, würde bedeuten, dass die europäische Suchmaschine Teil des globalen „Kriegs der Suchmaschinen“ wird, der letztlich von den Nutzern entschieden werden dürfte. Klar ist, dass Quaero den Bedürfnissen einer globalen Zielgruppe gerecht werden muss, um aus diesem harten Wettbewerb als Sieger hervorgehen zu können. Da kontinentale Nutzer hierzu allein nicht ausreichen werden, erscheint die Vorstellung einer ‚europäischen’ Suchmaschine, die Google und Yahoo die Stirn bieten könnte, zweifelhaft.

Positionen:

Der französische Präsident Jacques Chirac hat Quaero zu einer seiner Prioritäten für 2006 erklärt: „[Quaero] wird die erste echte Multimedia-Suchmaschine sein, die die globale Kampfansage der amerikanischen Giganten Google und Yahoo annehmen wird. Aus diesem Grund rufen wir die europäische Suchmaschine Quaero ins Leben. Heute wird die Karte des Wissens und der Kultur neu gezeichnet. Morgen wird all das, was nicht online verfügbar ist, Gefahr laufen, für die Welt unsichtbar zu werden“. 

Alex Waibel, Direktor des Zentrums InterACT der Universität Karlsruhe, hat gesagt: „Politisch verbirgt sich dahinter wahrscheinlich ein unangenehmes Gefühl, dass der Zugang zu Wissen und die gefilterten Informationen, auf die man über Suchmaschinen Zugriff bekommt, von außerhalb [kommen]. […] Hinzu kommt der Wunsch, Suchtätigkeiten zu bereichern und dies betrifft vor allem multimediale und mehrsprachige Informationen“.

Nächste Schritte:

Konsortiumsleiter Thomson hat am 12. Januar 2006 die öffentlich zugängliche experimentelle Version der Quaero-Website external  geschlossen und „bis zu einer offizielleren Presseveranstaltung“ eine „Nachrichtensperre“ verhängt. Diese soll nach Presseberichten vor Ende Januar 2006 stattfinden.

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