Die deutsche Netzwerk Regulierungsbehörde, die Bundesnetzagentur, wird nächste Woche (am 12. April) die 800 MHz Bandbreiten an die Mobilfunkbetreiber Vodafone, E-plus, O2 Telefonica und T-Mobile versteigern.
Kabel BW hat jüngst einen Prozess verloren, mit dem es diesen Handel hatte verhindern wollen.
"Wir erwarten massive Interferenzstörungen an Fernseh- und anderen Empfängern", sagte Uwe Bärmann, Cheftechniker bei Deutschlands drittgrößtem Kabelbetreiber, Kabel BW, in einem Interview mit der deutschen Presse.
Dazu betonte ein EU-Beamter im Gespräch mit EurActiv, dass die EU erst diskutieren müsse, was konkret eine "zulässige Störung" darstellt.
In Deutschland wurden in diesem Jahr Tests durchgeführt, ob die langfristige Entwicklung (Long Term Evolution, LTE) der Mobilfunknetze – die als nächste Generation der Breitbandtechnologie gilt – die Fernsehübertragung stören würde.
Obwohl der Test zeigte, dass die Fernsehleistung nur wenig gestört wurde, führen Kritiker an, dass kaum LTE-Netzwerke in die Untersuchung einbezogen worden sind, was die Testergebnisse entwerte.
In den Niederlanden haben die Tests ergeben, dass selbst bei Verwendung eines Kabels, das die Empfindlichkeit der LTE-Bandbreiten minimieren sollte, immer noch eine Störungswahrscheinlichkeit von fünfzig Prozent bestand, sobald ein Handy im Umkreis von einem Meter von einem Fernsehgerät verwendet wurde.
"Interferenzen können das Wachstum und die Innovationen in digitaler Fernsehtechnik und in High-Definition-Dienstleistungen hemmen, denn diese Leistungen verlangen einen Mindeststandard von Kanälen, damit sie sich lohnen", sagte Hans Bakhuizen vom niederländischen öffentlichen Fernsehen NOS.
In Ländern mit hoher Fernsehdichte – etwa in den Niederlanden mit 95 Prozent – könnte dies ein großes Problem werden, sagte Bakhuizen zu EurActiv.
Der Standpunkt der Industrie, den die International Telecommunication Union (ITU) formuliert hat, besagt, dass einige unerhebliche Interferenzen toleriert werden können, vorausgesetzt, dass eine gewisse Servicequalität erreicht worden sei.
In Brüssel beklagen Lobbyisten jedoch den Mangel an Informationen, wie schädlich die LTE-Netzwerke für das digitale Fernsehen wären.
"Wir können das Ausmaß von Interferenzen am TV infolge der LTE-Netzwerke gar nicht messen, weil es in der EU nur wenige oder gar keine LTE-Netzwerke gibt, die getestet werden können", meint Bridget Cosgrave von der Interessenvertretung Digital Europe in Brüssel.
In einem von der EU durchgeführten Konsultationsverfahren führten die Interessenvertreter an, dass Techniken zur Störungsmilderung sowie Regulierungsmaßnahmen nötig wären, um schädliche Interferenzen am Fernsehempfang durch das neue drahtlose Netzwerk zu verhindern.




