EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

EU-Länder lehnen Brüssels Telekom-Überprüfung ab [DE]

Veröffentlicht 17. November 2008 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Die EU-Minister, die für den Bereich Telekommunikation zuständig sind und sich Ende November 2008 treffen wollen, stehen kurz davor, die Vorschläge der Kommission für die Reform der schnelllebigen Branche für elektronische Kommunikation abzulehnen, erfuhr EurActiv.

Die Politiker der Mitgliedstaaten nahmen letzten Freitag (14. November 2008) eine sehr konservative Position bezüglich der Überarbeitung des Telekommunikationssektors an und lehnten einige der wichtigsten Vorschläge der Kommission ab. Dazu gehörten insbesondere die Möglichkeit der EU, Entscheidungen, die auf nationaler Ebene getroffen wurden, mit einem Veto zu blockieren, und die Einrichtung eines neuen Organs, das die Abläufe auf den Telekommunikationsmärkten auf EU-Ebene überwachen sollte.

Zudem wiesen die Delegierten der Länder diejenigen Vorschläge der Kommission zurück, die eine Neuverteilung der Funkfrequenzen vorsahen, erfuhr EurActiv von einer Quelle aus Diplomatenkreisen.

Diese schwierige Situation könnte dazu führen, dass sich die Verabschiedung des Telekompakets verzögert, die zurzeit noch für Mitte 2009 vorgesehen ist, wenn das Mandat des aktuellen Parlaments und der aktuellen Kommission endet. Die Europaabgeordneten, die an den Verhandlungen teilhatten, schrieben letzte Woche einen Brief an den Rat, in dem sie auf eine Kompromisslösung drängen. Der Rat wird sich am 27. November 2008 in Brüssel treffen.

Diplomatenkreise sagten, bei den anhaltenden Verhandlungen im EU-Ministerrat werde der überarbeitete Vorschlag der Kommission, den diese offiziell am 7. November 2008 vorgestellt hatte, nicht berücksichtigt. Somit übergehe er einige der wichtigen Änderungen, die das Parlament mit seiner Abstimmung im letzten September vorgeschlagen habe (EurActiv vom 28. Oktober 2008). Die Politiker betonten, der Text sei in Anbetracht der Entscheidungen, die bereits im Rahmen der Anfangsphase der Verhandlungen im letzten Jahr gefallen seien, „zu spät“ vorgelegt worden. Der ursprüngliche Vorschlag der Kommission wurde im November 2007 veröffentlicht.

Vetorecht und neue Behörde

In ihrem überarbeiteten Vorschlag schlug die Kommission vor, ein Vetorecht einzuführen, um Entscheidungen nationaler Regulierungsbehörden blockieren zu können. Das würde bei einer wirklichen Harmonisierung des europäischen Telekommunikationsmarktes helfen und grenzüberschreitende Dienstleistungen fördern, so die EU-Kommission. Die nationalen Regierungen schlagen hingegen vor, der Kommission die Befugnis einzuräumen, unverbindliche Stellungnahmen abzugeben oder Empfehlungen auszusprechen. 

Der Rat lehnt außerdem die Idee eines neuen Organs auf europäischer Ebene für die Behandlung von Fragen aus dem Telekommunikationssektor ab. Ein solches Organ war von der Kommission vorgeschlagen worden. Deutschland und Spanien wollen den Status Quo beibehalten, der vorsieht, dass Fragen aus dem Bereich der Telekommunikation von der Gruppe Europäischer Regulierungsstellen (European Regulators Group – ERG) behandelt werden. Dabei handelt sich um eine Gruppe mit Beratungsfunktion, die sich aus nationalen Behörden zusammensetzt. 

Als Kompromiss zwischen den konservativsten Positionen im Rat und der Haltung der Kommission haben die nationalen Delegierten für die Stärkung der ERG gestimmt. Sie lehnten die Idee ab, ein rein europäisches Organ mit eigenen Finanzmitteln und eigenem Personal einzurichten. Dem Rat zufolge sollte der ERG-Präsident von den Gruppenmitgliedern ernannt und nicht einfach aus den wenigen Vorschlägen der Kommission ausgewählt werden. Entscheidungen der ERG sollten mehrheitlich getroffen werden. 

Funkfrequenzen

Der Rat wird außerdem den Kommissionsvorschlag bezüglich der Funkfrequenzen vehement radikal ablehnen. Die EU-Kommission hat eine flexible Neuverteilung von Frequenzen vorgeschlagen, um die Funkfrequenzbänder, die durch den Übergang vom analogen zum digitalen Fernsehen frei werden, am wirksamsten auszunutzen. Diese frei gewordenen Frequenzen werden auch digitale Dividende genannt. Andererseits drängte die Kommission auch darauf, die Frequenznutzung in den Mitgliedstaaten zu harmonisieren. 

Nationale Diplomaten bezeichnen die Kommissionsvorschläge allerdings als „irreführend“. „Die Kommission fordert gleichzeitig mehr Harmonisierung und mehr Flexibilität. Sie bewegt sich damit in zwei entgegengesetzte Richtungen“, sagte ein Diplomat EurActiv.  

Es wird davon ausgegangen, dass eine größere Flexibilität aus politischen und technischen Gründen nicht umsetzbar sein wird. Aus politischer Sicht ist das Problem, dass kein Staat die Frequenzen abgeben möchte, die von Fernsehsendern genutzt werden, um Dienstleistungen von sozialer und politischer Tragweite zu erbringen. Aus technischer Sicht besteht die Gefahr, dass Störungen entstehen, wenn verschiedene Dienste, wie die Ausstrahlung von Sendungen oder Mobilfunkdienste, die gleiche Frequenz nutzen, und somit die Qualität und Zuverlässigkeit beeinträchtigt wird.

Die Mitgliedstaaten sind außerdem gegen die Idee, die Verwendung von Frequenzen stärker zu harmonisieren. Dabei bestünde die Gefahr, dass die Verwendung des Frequenzspektrums weniger flexibel und weniger effizient werde, als dies derzeit der Fall sei.

Nächste Schritte: 
  • 27. November 2008: Der EU-Rat für Telekommunikation wird über das Telekompaket abstimmen. Zur Annahme ist eine qualifizierte Mehrheit erforderlich. 

  • April 2009: Geplanter Termin für die zweite Lesung im Europäischen Parlament. 

Hintergrund : 

In ihren ursprünglichen Vorschlägen    vom November 2007 bezüglich des Telekommunikationssektors plante die Europäische Kommission die Einrichtung einer neuen europäischen Behörde, die als ihr wichtigster Berater in allen europäischen Regulierungsfragen im Zusammenhang mit Telekommunikation dienen sollte. Der Vorschlag sah außerdem die Einrichtung einer Europäischen Behörde für die Märkte der elektronischen Kommunikation (EECMA) vor, die die 27 nationalen Regulierungsbehörden der Mitgliedstaaten überwachen sollte.

Die vorgeschlagene Behörde hätte die Befugnisse erhalten, Maßnahmen nationaler Behörden abzulehnen, wenn diese mit den europäischen Prinzipien im Widerspruch gestanden hätten. Die letzte Entscheidungsbefugnis hätte bei der Kommission gelegen, deren unmittelbarer Kontrolle die EECMA unterstanden hätte.

Doch der Plan, die neue EU-Behörde mit einem Vetorecht gegen nationale Entscheidungen auszustatten, verärgerte die Gruppe Europäischer Regulierungsstellen (ERG), deren Mitglieder derzeit das letzte Wort bei Entscheidungen haben, die die Telekommunikationsbranche betreffen. Das Europäische Parlament nahm sich der Kritik an und lehnte im September 2008 den Vorschlag der Kommission zur Einrichtung einer starken neuen EU-Behörde für den Telekommunikationssektor im Plenum ab (EurActiv vom 25. September 2008). 

Stattdessen stimmten die Europaabgeordneten für die Einrichtung der Europäischen Regulierungsbehörden für Telekommunikation (BERT) mit weniger Befugnissen. Die BERT würden damit weitgehend die aktuelle ERG kopieren, die die nationalen Behörden vertritt. Entscheidungen würden von den BERT mit Zweidrittelmehrheit statt einstimmig getroffen werden. Die Kommission würde allerdings ihr Vetorecht verlieren, das sie in ihrem ursprünglichen Revisionsvorschlag für die Telekommunikationsbranche vorgesehen hatte. Andererseits erklärten sich die Europaabgeordneten damit einverstanden, die ERG zu einer gemeinschaftlichen Einrichtung mit eigenem Personal zu machen und diese zum Teil mit Mitteln aus dem EU-Haushalt zu finanzieren (siehe LinksDossier).

More in this section

Advertising