Verbraucher in Europa zahlen für Auslandsgespräche per Handy derzeit 24% mehr, als sie tatsächlich telefoniert haben. Das ergab ein Bericht der EU-Regulationsbehörden für Telekommunikation am Donnerstag (28. August).
Die European Regulators Group (ERG; Gruppe Europäischer Regulierungsstellen), ein Zusammenschluss der Telekommunikationsbehörden der 27 Mitgliedstaaten, erklärte, dass die Abweichungen in manchen Ländern wie Malta, Österreich oder Polen sogar noch größer seien.
Die Kommission sei besorgt über die Ergebnisse der ERG, erklärte Martin Selmayr, ein Sprecher der Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien Viviane Reding.
Bei Abrechnung im Minutentakt würden für ein Gespräch von 1 Minute und 20 Sekunden immer 2 Minuten berechnet, erklärte die Kommission. Der Verbraucher zahle also auch für die Sekunden, die er nicht nutze. Eine sekundengenaue Abrechnung würde solche Diskrepanzen vermeiden, werde aber derzeit nur auf Inlandsgespräche angewendet.
Auf die Frage, ob die Kommission plane, die Abrechnung nach Minutentakt für Roaminggespräche abzuschaffen, antwortete Selmayr, es sei schwierig, etwas auf nationaler Ebene zu unternehmen. Wolle man gegen die Diskrepanzen bei der Abrechnung von Auslandsgesprächen vorgehen, so müsse dies im Rahmen der EU-Gesetzgebung geschehen. Darüber werde die Kommission in den nächsten Wochen beraten. Die Bekanntgabe der Ergebnisse ist Ende September oder Anfang Oktober zu erwarten, wenn Reding die neue Roaming-Verordnung vorstellen wird, die neue Grenzen für die Abrechnung von Gesprächsdauer und Datenmengen setzen könnte.
Telefonanbieter bezeichneten die Initiative als Mikromanagement. Ihrer Meinung nach behindere diese Maßnahme letztendlich den Wettbewerb.
Die Kommission plant, das derzeitige System für die Begrenzung von Roaminggebühren auch nach 2010 beizubehalten. Unterdessen wird die EU ab dem 30. August die aktuelle Roaming-Gesetzgebung erweitern, wenn der Eurotarif von €0,49 auf €0,46 pro Minute für abgehende Anrufe und von €0,24 auf €0,22 für ankommende Anrufe gesenkt wird. Diese Preise verstehen sich zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.
Die Kommission meinte weiter, sie wolle auch die Kosten für SMS begrenzen. Trotz heftigen Widerstands aus der Industrie hatte Reding bereits erklärt, man werde die Maßnahmen durchsetzen und die Preise um bis zu 70% senken (EurActiv 15/07/08).
Unterdessen wird über eine Begrenzung der Gebühren für das so genannte Daten-Roaming, also die Übertragung jeglicher Daten von Videos bis Tabellenkalkulation, noch diskutiert. Sprecher der Industrie wiesen darauf hin, dass man dem letzten Bericht der ERG zufolge einen Rückgang bei den Gebühren für das Herunterladen von Bildern oder Nachrichten mit dem Handy im Ausland verzeichnet habe. Die Kommission betonte in einer Pressemitteilung allerdings, dass die Gebühren für das Daten-Roaming für viele Verbraucher nach wie vor sehr hoch seien.



