Die Telekommunikationsbranche sowie die digitalen Industriezweige haben sich vielfach bemängelt, dass die Vorschläge der Kommission zu einer umfassenden Überarbeitung der Telekommunikationsbranche der EU keinen Bezug auf NGNs nähmen.
Ihr Argument ist, dass die Kommission sich auf regulative Maßnahmen konzentriere, ohne die technologischen und infrastrukturellen Entwicklungen zu unterstützen, die in den kommenden Jahren nötig seien (siehe EurActiv vom 9. Mai 2008). Das Europäische Parlament, das in Kürze über die Überarbeitung abstimmen wird, bestätigte die Haltung der Industrie (siehe EurActiv vom 25. April 2008).
Da NGNs in der Überarbeitung des Telekommunikationssektors keine Erwähnung finden, schaue sich die Industrie nach alternativen Einsatzgebieten für die neuen Netze um, wie beispielsweise HDTV (High Definition Television) über das Internet und neue interaktive und von Nutzern erstellten Dienste. Dies erklärt ein kürzlich von EICTA, dem Verband der europäischen digitalen Industrie, veröffentlichtes Dokument.
Die Kommission wird darauf reagieren, indem sie eine Empfehlung für den Zugang zu den neuen Netzen und deren Verbindung mit privaten Haushalten herausgeben wird, die so genannte ‚letzte Meile’ – den Next Generation Access („Zugangsnetze der nächsten Generation“; NGA).
Wer für die Netze bezahlen wird und wie sie eingesetzt werden, steht noch nicht fest. „Wir arbeiten noch daran, ziehen Experten zu Rate und analysieren den Markt. Wir prüfen die unterschiedlichen Möglichkeiten“, sagte Kommissarin Reding EurActiv gegenüber. „Fest steht, dass wir einen Vorschlag vorlegen werden, um den Investitionen eine Rechtssicherheit zu gewährleisten“, sagte Reding. „Die Industrie, die investiert, muss mehrere Jahre im Voraus wissen, welche Rechtsvorschrift ihre Entscheidungen beeinflussen wird“, erklärte sie.
Reding zufolge seien diese Hinweise nicht Teil der Überarbeitung des Telekommunikationssektors, da „es noch einige Zeit dauern wird, bis die Reform in nationales Recht übertragen ist, und wir müssen nun etwas in den Händen halten.“
Ihr Sprecher, Martin Selmayr, fügte hinzu: „Es ist nicht wahr, dass die Reform nichts für Investitionen tut. Sie berücksichtigt Wettbewerb und den Binnenmarkt, das beste Rezept für Investitionen.“
Die Einzelheiten der Leitlinien der Kommission wurden bisher noch nicht veröffentlicht. Selmayr deutet an, dass wichtige Modelle aus den entwickeltsten Ländern in diesem Sektor kommen könnten, wie Japan und Südkorea, jedoch auch aus einigen EU-Ländern wie Dänemark, den Niederlanden oder auch der Slowakei.



