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EU will Bankdaten-Abkommen mit USA überprüfen

Veröffentlicht 29. Januar 2010 - Aktualisiert 22. September 2010
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Viviane Reding, die voraussichtlich neue Justizkommissarin der EU, bereitet derzeit eine breit angelegte Überprüfung von EU-Datenschutzregeln vor, um sie neuen Herausforderungen anzupassen. Dazu gehört auch das SWIFT-Abkommen über die Übermittlung persönlicher Bankdaten an US-Behörden.

In einer Rede anlässlich des Vierten Europäischen Datenschutztages heute (28. Januar) in Brüssel wird Reding unterstreichen, dass Datenschutz im Mittelpunkt ihrer politischen Tagesordnung stehe und dass dieser Grundsatz auf die Beziehungen der EU mit anderen Staaten erweitert werden müsse.

Insbesondere wird sie betonen, dass Abkommen mit Drittstatten zu Antiterrorzwecken persönliche Informationen so weit wie möglich schützen müssten. „Warum müssen Bürger ihre persönlichen Daten offen legen, um zu beweisen, dass sie nichts zu verbergen haben?“ Das wird Reding die im Europäischen Parlament versammelten Datenschutzexperten fragen.

Das SWIFT-Abkommen zur Übermittlung von Bankdaten europäischer Bürger an die US-Behörden, das nächste Woche in Kraft tritt, stehe als erstes auf der Liste der neuen EU-Justizchefin.

„Ich bin weiterhin nicht davon überzeugt, dass alle diese SWIFT-Übermittlungen zur wirksamen Terrorismusbekämpfung notwendig sind. Ich werde das in den nächsten Wochen besonders überprüfen“, wird sie laut der EurActiv vorliegenden Rede sagen.

„Ich möchte sicherstellen, dass unsere EU-Gesetzgebung sowie internationale Abkommen auf Beweismitteln fundieren und nicht auf emotionalen Reaktionen der jüngsten Panikmache.“

Letzte Woche bestätigten Europaabgeordnete ihre klare Opposition gegen das SWIFT-Abkommen und forderten dessen Verzögerung (EurActiv vom 21. Januar 2010).

Soziale Netzwerke im Internet im Visier

Reding wird ebenfalls die Gelegenheit nutzen, um ihre mahnenden Worte bezüglich der Bedrohung der Privatsphäre durch Webseiten wie Facebook oder MySpace zu wiederholen.

Solche so genannten sozialen Netwerke werden von 41,7 Millionen Europäern genutzt. Mit ihnen können einem Vermerk der Europäischen Kommission zufolge persönliche Daten wie Fotos von anderen Menschen eingesehen werden.

In einer StellungnahmePdf external empfahlen die europäischen Datenschutzbehörden allen Nutzern von sozialen Netzwerken, „Bilder bzw. Informationen über andere Personen nur mit der konkreten Einwilligung der jeweils betroffenen Person in ein soziales Netzwerksystem hochzuladen.“ Sollte diese Empfehlung umgesetzt werden, könnte dies die Funktionsweise solcher Webseiten von Grund auf ändern.

Wie die Kommission in ihrer Stellungnahme betont, können personenbezogene Daten EU-Bestimmungen zufolge nur aus berechtigten Gründen und mit vorheriger Einwilligung des Nutzers verwendet werden.

Beim heutigen parlamentarischen Treffen wird Reding eine Klarstellung der Regeln zur Einwilligung und Transparenz zu ihren wesentlichen Prioritäten erklären. In ihrer Rede vor Datenschutzexperten wird Reding versichern, sie wolle sicherstellen, dass die allgemeinen Datenschutzregeln mit dem technologischen Fortschritt mithielten und so umfassend seien wie vom Lissabon-Vertrag vorgesehen. Sie wird auf eine Überarbeitung der DatenschutzrichtliniePdf external sowie der Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation external eingehen.

In der Tat ist mit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags Ende letzten Jahres der Schutz personenbezogener Daten zu einem Grundrecht für EU-Bürger geworden. In ihrer neuen Rolle als Justizkommissarin wird Reding dafür verantwortlich sein, „dass die EU-Grundrechte in allen EU-Rechtsakten berücksichtigt werden”, wie es aus ihrem Umfeld heißt.

Hintergrund : 

SWIFTexternal ist ein Privatunternehmen, das die Banktransaktionen Tausender Banken verwaltet, darunter auch die meisten europäischen Institute. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Belgien, hat aber ebenfalls eine Zweigstelle in den USA.

Nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 nutzte die US-Regierung das neue US- Programm zum Aufspüren der Finanzierung des Terrorismus (TFTPexternal ), um die amerikanische Zweigstelle von SWIFT (die auch alle in Belgien basierten Daten besitzt) dazu zu zwingen, US-Behörden Zugang zu allen Banktransaktionen zu geben, um diese bei ihren Antiterrorismus-Ermittlungen zu unterstützen. 

Die USA sind der Ansicht, dass die Programme zum Datenzugriff ausschlaggebend zum Aufspüren von Transaktionen terroristischer Zellen seien. Allerdings haben einige europäische politische Fraktionen, insbesondere die liberale Fraktion im Europaparlament, wiederholt das Abkommen mit der Begründung kritisiert, es sei „nicht nur eine Einschränkung der europäischen Souveränität, sondern auch ein massiver Eingriff in die Privatsphäre jedes einzelnen europäischen Bürgers.“

Besonders politische Parteien aus Deutschland waren bereits gegen das Abkommen als es zum ersten Mal im Juli 2009 auf der Tagesordnung des EU-Parlaments stand (EurActiv vom 28. Juli 2009).

Im November 2009 vereinbarten die europäischen Innenminister ein vorübergehendes Abkommen mit den USA, das den US-Ermittlern weit reichenden Zugang zu EU-Bankdaten ermöglicht, und überstimmten damit die Forderung des Europäischen Parlaments, das Abkommen bis nach der Einführung des Lissabon-Vertrags am 1. Dezember zu verschieben (EurActiv vom 1. Dezember 2009).

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