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4. Dezember 2008
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IT-Streit weiter angeheizt durch US-Forderung nach WTO-Entscheidung[en][fr

Erschienen: Dienstag 19. August 2008   

Der Streit der US-Regierung mit der EU um Zölle für High-Tech-Güter wie Flachbildfernseher und Multifunktionsdrucker hat gestern (18. August) eine neue Ebene erreicht, nachdem die USA die WHO um einen formellen Entscheid gebeten und zugegeben hatten, dass bilaterale Gespräche nicht zu einem gütlichen Vergleich hatten führen können.

Hintergrund:

Auf einer Konferenz der WTO in Singapur unterzeichneten im Dezember 1996 29 Handelsminister die Ministererklärungexternal über den Handel mit Waren der Informationstechnologie, die im Juli 1997 zum Abschluss des Abkommens über Informationstechnologien (ITA) führte.

Die EU, die USA, Japan, Kanada, die Schweiz und die Türkei gehörten zu den Ersten, die dem ITA beitraten. Durch das Abkommen sollen die Zölle auf IT-Produkte gemindert werden.

Das Abkommen umfasst derzeit 71 Länder. Wichtige international Akteure wie Brasilien, Mexiko und Südafrika sind aber nicht mit eingeschlossen.
Brüssel bemüht sich seit mehreren Monaten um die Neuverhandlungen des ITA, damit weitere Staaten mit eingeschlossen und die Liste der betroffenen Güter überprüft werden können.

Der Streit eskaliert nur kurz nach dem Scheitern der Gespräche zu einem neuen weltweiten Handelsabkommen, das bereits seit sechs Jahren in der Doha-Entwicklungsrunde zur Diskussion steht (siehe LinksDossier). Eine Wiederaufnahme der Verhandlungen ist vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten nächstes Jahr nicht zu erwarten.

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Das Gesuch der USA, unterstützt von Japan und Taiwan, schließt sich an eine vorher eingereichte Beschwerde der drei Parteien im Mai an (EurActiv 30/05/08). In dieser wird um eine friedliche Beilegung des Streits mit der EU gebeten. Der Block hatte diese Beschwerde vehement zurückgewiesen, da er eine Wiederaufnahme der Gespräche zum Abkommen über Informationstechnologien (ITA) von 1996 angeboten hatte.

Da die Beratungsgespräche innerhalb der angesetzten zwei Monate zu keiner Einigung geführt haben, wird die WHO nun eine rechtsverbindliche Entscheidung treffen müssen.

Am meisten stoßen sich USA und Japan an der Verfahrensweise der EU, neue Produkte, die aus Gütern, die im ITA bereits aufgenommen wurden, weiterentwickelt wurden, nicht als Bestandteil des Abkommens zu betrachten. So werden beispielsweise in der EU auf herkömmliche Drucker keine Zölle erhoben, für neuere Entwicklungen, mit denen man auch scannen oder faxen kann, müssen hingegen Zölle gezahlt werden.

Die USA argumentieren, dass derartige technologische Entwicklungen absehbar seien und dass die neuen Geräte daher ähnlichen Tarifbestimmungen unterliegen sollten wie diejenigen, die bereits vor zehn Jahren entwickelt wurden.

Bei den Produkten, die auf dem Prüfstand stehen, handelt es sich um LCD-Monitore und Flachbildfernseher. Brüssel beharrt darauf, dass sich diese Geräte von den Computer-Bildschirmen unterscheiden, die unter das Abkommen fallen. Für solche Produkte werden 14% Einfuhrsteuern erhoben, ebenso für Digitaldecoder.

Die USA und Japan fordern außerdem die Aufnahme von Digitaldruckern und Videorekordern in das Abkommen, doch die EU argumentiert, dass Drucker mit anderen Funktionen, wie Faxfunktionen, als Kopierer und nicht als Drucker gälten und daher mit einem Zoll von sechs Prozent belegt würden.

Im Prinzip besteure die EU Innovation, so die amerikanische Handelsbeauftragte Susan Schwab. Ein Schritt, der die fortlaufende technologische Entwicklung in der IT-Branche behindern und die Preise für Millionen Unternehmen und Verbraucher in die Höhe treiben könne.

Amerikanische Regierungskreise merken an, dass die EU jährlich Produkte dieser Art im Wert von $ 11 Mrd. importiert. Es wird somit angenommen, dass sich der weltweite Export der strittigen Produkte auf insgesamt mehr als $70 Mrd. belaufen würde.

Positionen:

Die amerikanische Handelsbeauftragte Susan Schwab teilte in einer Erklärung aus Washington mit, dass man bedaure, dass die formellen Beratungsgespräche die Bedenken zu den Zollgebühren der EU auf diverse High-Tech-Produkte nicht hätten ausräumen können.

Man sei der Meinung, dass sich diese Zölle nicht mit den Verpflichtungen der EU in Bezug auf diese Produkte im Einklang befänden und dass sie technologische Innovation in der IT-Branche entmutigten, fügte Schwab hinzu. Die EU maße sich nun allerdings an, Zölle auf diese Produkte einzig und allein aus dem Grund zu erheben, dass sie Technologien oder Merkmale aufweisen, die es noch nicht gab, als das ITA geschlossen wurde.

Ein Sprecher von EU-Handelskommissar Peter Mandelson sagte, die USA versuchten das ITA durch einen Rechtsstreit zu ändern und lehnten gleichzeitig einen Vorschlag der EU ab, den Anwendungsbereich des Abkommens zusammen mit allen Unterzeichnenden nochmals zu überarbeiten. Eine Änderung des Abkommens sei etwas, das nicht auf bilateraler Ebene mit den USA verhandelt werden könne.

Mark MacGann, Generaldirektor der EICTA, einer Vereinigung nationaler Elektronikverbände, die amerikanische und japanische Riesenkonzerne wie Apple und Sony und EU-Unternehmen wie Nokia und Siemens mit einschließt, gab an, sehr enttäuscht zu sein, dass die Gespräche auf beiden Seiten nicht zu einer Einigung hätten führen können. In einem Gespräch mit EurActiv beschrieb er die Entscheidung der USA als einen beträchtlichen Dämpfer für die europäische Industrie.

Nächste Schritte:

  • 29. Aug. 2008: Das Gesuch der USA wird auf dem nächsten Treffen des Streitschlichtungsgremiums vorgelegt, wo die EU nach den Vorschriften der WTO Einspruch erheben kann. Bei einem zweiten Gesuch kann die Bildung eines Schlichtungsausschusses allerdings nicht mehr verhindert werden.

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