Microsoft wird den Verbrauchern die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Web-Browsern geben, nachdem das Unternehmen EU-Kartellrechtsforderungen nachgegeben hat, die Kopplung des Windows-Betriebssystem mit ihren eigenen beliebten Browser 'Internet Explorer' zu stoppen.
Im Januar 2009 legten populäre Browser wie Google Chrome, Mozilla und Opera Beschwerde bei der Europäischen Kommission ein, dass die Bündelung von Internet Explorer mit Windows Microsoft einen 90-prozentigen Anteil am Browser Markt verschaffen würde. Die rivalisierenden Browser argumentieren, sie wären unfähig solch einen Verteilungsvorteil aufzuholen.
Als Reaktion auf die Wettbewerbsklage entschied das Unternehmen im Juni, Windows 7 ohne Internet Explorer anzubieten. "Microsoft hat offenbar beschlossen Verbraucher mit einer Version von Windows ohne Web Browser zu versorgen", sagte die Kommission in einer Mitteilung. "Statt mehr Auswahl scheint es als habe sich Microsoft entschieden, weniger anzubieten" (EurActiv vom 12. Juni 09).
Microsofts Internet Explorer Browser wird bei etwa 60% des weltweiten Internetverkehrs verwendet, Mozilla Firefox ca. 30% und Opera ca. 4%, knapp vor Google und Apples Safari, laut des Webanalyse-Unternehmens StatCounter.
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kündigte am Mittwoch (7. Oktober) eine „zufrieden stellende Lösung in einem wichtigen Wettbewerbsfall“ an. Die Europäische Kommission kündigte einen als formalen Markttest bezeichneten Prüfungsvorgang an, um den neun Monate andauernden Wettbewerbsstreit um die Bündelung des hauseigenen Browsers Internet Explorer an Microsofts Windows-Betriebssystem.
“Für Microsoft bedeutet die heutige Entscheidung einen wichtigen Schritt zur Beendung eines jahrzehntelangen Kapitels kartellrechtlicher Bedenken in Europa“, sagte Brad Smith, Microsoft-Justiziar, der die Entscheidung der Kommission begrüßt.
Andere bekannte Browser wie Google Chrome, Mozilla Firefox und Opera reichten bei der Europäischen Kommission Beschwerde ein, mit der Begründung, dass die Kopplung des Internet Explorers mit Windows Microsoft einen weltweiten Anteil von 90% auf dem Browsermarkt für PCs verschaffe. Die konkurrierenden Browser argumentierten, dass sie nicht in der Lage wären, gegen solch einen Verteilungsvorteil anzukommen. (EurActiv vom 12. Juni 2009)
Ein Auswahlmenü
Der neue Vorschlag bietet Verbrauchern von Windows XP, Windows Vista und Windows 7 eine Auswahl von fünf Browsern auf dem europäischen Markt an. Als Teil der Installation können Verbraucher in einem Auswahlmenü zwischen den Marktführern Safari, Google, Mozilla Firefox, Opera und Internet Explorer 8 wählen. Eine Registerkarte „Mehr dazu“ unter jeder Option informiert die Verbraucher vor ihrer Auswahl über die jeweiligen Eigenschaften des Browsers.
Der Vorschlag lässt Raum für die 12 am häufigsten verwendeten Browser, deren Aufnahme in das Auswahlmenü von ihrem Marktanteil in Europa abhängen wird. Die Optionen werden in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt werden, der Explorer zuletzt. Auch wird der gewählte Standardbrowser einen stolzen Platz auf der Windows 7 Taskleiste erhalten, gemäß einer Aussage von Microsoft.
Theoretisch würde dieses Konzept Neulingen erlauben, um einen Eintrag im Auswahlmenü zu wetteifern. Allerdings gibt es Spekulationen, dass das Windows-Paket mit fünf Wahlmöglichkeiten es Neulingen eher erschwert, damit zu konkurrieren.
“Wir sind sehr zufrieden mit der EU-Entscheidung jetzt den Verbrauchern eine größere Browser-Auswahl zu geben, die den Wettbewerb stärkt“, sagte Andreas Geiger, Vertreter von Flock, einem aufstrebenden Browser mit sehr kleinem Marktanteil in Europa. „Aber es ist wichtig, Innovation und nicht nur Marktanteil als Kriterium für das Auswahlmenü zu wählen.“
EU: 1 - Microsoft: 0
Dieser Vorschlag bezeichnet immer noch eine Kapitulation von Microsoft an die EU-Wettbewerbspolitik, denn in der Praxis bedeutet der Vorschlag, dass PC-Hersteller alternative Browser als Standard installieren und sogar Internet Explorer deaktivieren können. Außerdem wurde Microsoft auch eine Umgehung der kostenlosen und wirksamen Browserauswahl verboten.
Die Verpflichtung Microsofts mit einer Laufzeit von fünf Jahren enthält Berichten zufolge eine Klausel, die es der Kommission ermöglicht, Bedingungen der Vereinbarung in Zukunft zu überdenken, wenn sie nicht länger einer „echte Wahl“ zwischen Markttrends gerecht werden.
Die Software-Firma führte mit den EU-Wettbewerbsbehörden im letzten Monat Verhandlungen, um eine Lösung für die Wettbewerbsklagen der rivalisierenden Browser zu finden.
Ein formaler Markttest des Vorschlags soll am Freitag (9. Oktober) beginnen. Die Kommission fordert von den Verbrauchern Rückmeldung an die Software-Firmen zum Vorschlag Microsofts. Nach der Prüfung kann die Kommission entscheiden, den Vorschlag rechtlich bindend zu machen.
Interoperabilität
Microsoft machte heute (7. Oktober) der Kommission auch ein zweites Zugeständnis. Das Unternehmen hat ein früheres Angebot im Bereich der Interoperabilität, ein Modewort für die Zusammenarbeit verschiedener Betriebssysteme und Anwendungen, verbessert. Die Interoperabilität zwischen Drittprodukten wie Windows, Windows Server, Office, Exchange und SharePoint würde nach dem geänderten Vorschlag verbessert werden.
“Das ist die größte einzelne rechtliche Verpflichtung in der Geschichte der Software-Industrie zur Förderung der Interoperabilität“, sagte Smith von Microsoft. Die Verpflichtung ermöglicht es Entwicklern, einschließlich der Open-Source-Gemeinschaft, Zugang zu Quellcodes zu erhalten, um sie bei der Herstellung von mit Microsoft kompatiblen Produkten zu unterstützen.