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11. Oktober 2008
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Nato will stärker vor Internetangriffen schützen [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 13. Februar 2008   

Die Nato habe entschieden, ein neues Organ zu schaffen, um die Reaktionen auf Angriffe im Internet zu koordinieren, die gegen die Mitglieder des Militärbündnisses gerichtet seien. Außerdem wolle das Bündnis damit Informationen sammeln, die derartige Anschläge künftig verhindern sollten, so ein Vertreter der Nato.

Hintergrund:

Internetkriminalität hat auf der Tagesordnung der Nato an Bedeutung gewonnen. Grund hierfür sind Angriffe über das Internet, die im vergangenen Jahr Estlands nationale kritische Infrastruktur, d.h. Server von Banken und Telekommunikationsunternehmen, lahm gelegt hatten.

Die Angriffe fanden im Mai 2007 statt, nachdem die estnische Regierung entschieden hatte, eine während der Sowjet-Ära errichtete Statue eines Soldaten der Roten Armee zu verlagern. Die Entscheidung hatte Russland und die in Estland lebenden ethnischen Russen verärgert. Die estnischen Behörden beschuldigten damals Moskau, den Angriff verübt zu haben. Es wurden jedoch keine zweifelsfreien Beweise gefunden.

Aufgrund dieses Vorfalls diskutierten die Verteidigungsminister der Nato am 8. Februar 2008 während ihres Treffens in Vilnius über die Entwicklung einer gemeinsamen Politik, um Internetkriege zu verhindern. In einer Pressemitteilungexternal des Militärbündnisses im Anschluss an das Treffen einigten sich die Minister darauf, dass die Nato eine grundlegende Politik für die Verteidigung vor Internetangriffen entwickeln sollte, welche die Rolle der Nato in diesem Bereich bestimmt.

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Es wird erwartet, dass die Entscheidung im Rahmen des Nato-Gipfelsexternal getroffen werden wird, der im April 2008 in Bukarest, Rumänien, stattfinden wird. Man sei sich einig, ein neues Organ zu schaffen, über das Informationen ausgetauscht und Maßnahmen gegen Internetkriminalität koordiniert werden sollten, sagte Generalmajor Georges D’Hollander, der die für derartige Leistungen zuständige Nato-Agentur leitet.

Die erste Aufgabe der neuen Behörde werde darin bestehen, Informationen über Internetkriminalität und potentielle Terrorakte im Internet zu sammeln. Man müsse als erstes in der Lage sein, herauszufinden, wer hinter dem Angriff stehe, sagte D’Hollander während einer Konferenz, die vom Think Tank Security and Defence Agenda (SDAexternal ) organisiert wurde.

Es in der Tat oft sehr schwierig, herauszufinden, woher eine Attacke stammt. Vor kurzem sei ein Angriff auf einen staatlichen Server im Vereinigten Königreich verübt worden, von dem ursprünglich angenommen worden sei, er stamme aus Nordkorea oder Lettland. Später habe man herausgefunden, dass er von einem 16-jährigen Jugendlichen aus London ausgeführt worden sei, erklärte Professor Peter Sommer. Er ist Experte für die Sicherheit von Informationssystemen an der London School of Economics (LSE).

Gleichzeitig müsse das Bündnis seine koordinierte Reaktion im Fall eines Angriffs verbessern. Dieser Bereich scheine unter den Artikel 4 zu fallen, sagte General D’Hollander. In Artikel 4 des Nato-Vertrags heißt es: „Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.“

Bisher habe sich die Nato bei ihren Bemühungen gegen Internetangriffe auf den Schutz ihrer eigenen Kommunikationssysteme konzentriert. Die Frage sei nun, ob man die Kontrolle auf andere sensible Infrastrukturen ausweiten werde, sagte ein Bediensteter der Nato gegenüber EurActiv.

Bei einem jüngsten Angriff auf Estland, das über eine der am stärksten vom Internet abhängigen Volkswirtschaften der Welt verfügt, wurden die Server der nationalen Bank und öffentliche Internetseiten blockiert. In seinem Land würden 90% der Steuererklärungen über das Internet eingereicht, erklärte der estnische Verteidigungsminister Jaak Aaviksoo. Man könne sich leicht das Gefühl der Verwundbarkeit vorstellen, das aufgekommen sei, als diese Dienstleistungen aufgrund eines Angriffs außer Betrieb gesetzt worden seien.

Positionen:

Der estnische Verteidigungsminister Jaak Aaviksoo sagte während der SDA-Konferenz in Brüssel, Vorfälle im Internet könnten enorme Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben, sobald man sie als eine nationale Bedrohung verstehe.

Er erinnerte an die estnische Anschuldigung, Russland stecke hinter dem Plan. Im Internet seien keine Fingerabdrücke zu finden. Daher habe man bisher keine konkreten Beweise, dass Russland in dieser Angelegenheit beteiligt sei. Es gebe aber mehrere Hinweise. Aaviksoo wies darauf hin, dass alle Vorfälle auf Moskauer Zeit datiert gewesen seien.

Anschuldigung blieben Anschuldigungen, lautete die Reaktion des russischen Botschafters bei der EU, Vladimir Chizhov.

Die Haltung der Nato im Hinblick auf Internetkriminalität wurde von deren Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer im Februar 2008 wiederholt. Verteidigung vor Internetangriffen sei eine nationale Verantwortung. Die Nato könne jedoch in schwerwiegenden Angriffsfällen Empfehlungen abgeben. Darüber sei man sich zu dem Konzept einig, sofern Internetangriffe betroffen seien. Nun gehe es darum, das Konzept besser abzustimmen, so Scheffer während des Treffens der Verteidigungsminister in Vilnius.

Die oberste Priorität im Bereich der Internetkriminalität bestehe darin, die Art, in der man über sie spreche, zu disziplinieren, weil die Diagnose von Vorfällen sehr schwer sei. Man müsse immer sicher sein, dass die Angriffe von echten Terroristen ausgeführt worden seien, anstatt von verrückten Jugendlichen. Dies stellte Professor Peter Sommer fest, ein Experte für die Sicherheit von Informationssystemen an der London School of Economics (LSE).

Nächste Schritte:

  • 2. bis 4. April 2008: Nato-Gipfel in Bukarest.

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