Die Internetangriffe auf die strategische elektronische Infrastruktur Estlands im Frühjahr 2007, für die noch kein Schuldiger gefunden wurde, haben die Aufmerksamkeit der europäischen Behörden hinsichtlich der Sicherheit von Telekommunikationsnetzen erhöht (see EurActiv 13/02/08). Wie die Angriffe in Estland zeigten, sind Netzwerke heute unabdingbar für grundlegende Dienstleistungen für Bürger, wie Bankgeschäfte oder Informationsbeschaffung. Ihr plötzlicher Zusammenbruch erzeugt Panik in der Bevölkerung, die mit einem tatsächlichen terroristischen Angriff vergleichbar ist. Angriffe würden auch in Zukunft verübt werden, so Kommissarin Reding während einer Anhörung, die im Europäischen Parlament von der Europäischen Volkspartei veranstaltet worden war. Sie seien bereits verübt worden und würden noch zunehmen. Um die zunehmenden Bedenken zu zerstreuen, schlug die Kommissarin vor, die Rolle der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA), die zur Zeit für die Sicherheit der Kommunikationsnetze zuständig ist, zu stärken.
ENISA hat ihre Arbeit im September 2005 aufgenommen; ihr Mandat läuft bis 2009. Die Aufgabe der Agentur besteht in der Unterstützung der EU-Institutionen und Mitgliedstaaten in Fragen, die mit der Sicherheit von Informationsnetzen zusammenhängen. Dabei soll ENISA beraten, Empfehlungen vorbringen sowie Datenanalysen durchführen.
Für ENISA arbeiten 44 Angestellte. Die Agentur hat ein Jahresbudget von etwa acht Millionen Euro. In einer Mitteilung vom Juni 2007 betonte die Kommission die Probleme der Agentur, die mit deren Organisationsstruktur, der verschiedenartigen Qualifikationen und der Größe des Teams sowie mit logistischen Schwierigkeiten zusammenhängen.
Aufgrund dessen möchte Reding die Aufgabenbereiche der Agentur in der geplanten EU-Behörde zusammenführen. Schätzungsweise 134 Mitarbeiter sollen in der Behörde arbeiten, sie soll ebenfalls mit Regulierungsfragen betraut werden, und das anfängliche Jahresbudget soll zehn Millionen Euro betragen. Letzteres soll jedoch nach drei Jahren auf 28 Millionen Euro aufgestockt werden. Die Zusammenführung soll 2011, wenn eine vorläufige Verlängerung des Mandats von ENISA endet, vorgenommen werden.



