Hintergrund :
Internationales Roaming betrifft folgende Bereiche:
- Wenn ein Mobilfunknutzer aus einem ausländischen Netz in sein Heimatland telefoniert, muss sein eigener Mobilfunkanbieter Gebühren an den ausländischen Anbieter zahlen. Diese Gebühren werden vom Anbieter an den Nutzer weitergegeben, der die normale nationale Telefongebühr und zusätzlich die „Roaming-Gebühr“ zahlt.
- Wenn ein Mobilfunknutzer im Ausland einen Anruf aus seinem Heimatland erhält, muss er ebenfalls eine Roaming-Gebühr zahlen. Der Anrufer (der nicht in jedem Fall weiß, dass der Angerufene im Ausland weilt) zahlt ausschließlich die normale Telefongebühr.
- Wenn ein Mobilfunknutzer im Ausland eine ausländische Nummer anruft, wird sein Anruf über sein Heimatnetz geschaltet und er muss sowohl Roaming-Gebühren als auch die höheren Gebühren für internationale Anrufe zahlen.
- Wenn zwei Reisende mit ihren Handys telefonieren, zahlen beide Roaming-Gebühren. Zusätzlich zahlt der Anrufer die Kosten für ein internationales Telefongespräch.
In der Vergangenheit haben die hohen Roaming-Gebühren und die Gewinnspanne zu Preisen im internationalen Telefongeschäft geführt, die Viviane Reding, Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, als „inakzeptabel“ bezeichnete. Im Oktober 2005 deckte die Kommission auf, dass einige Mobilfunkanbieter das Zwanzigfache für internationale Anrufe berechnen, wie für Inlandsgespräche. Im November 2006, zu einem Zeitpunkt, als die Anbieter erklärten, dass die Roaming-Gebühren um 22% gesunken seien, kam die Kommission zu dem Ergebnis, dass:
- Ausländische Gespräche im Durchschnitt immer noch vier Mal so viel kosten wie Inlandsgespräche;
- Roaming-Preise in einigen Fällen für ein vierminütiges Gespräch 12 Euro übersteigen;
- 70% der Europäer eine Regulierung durch die EU befürworten, um die Preise zu reduzieren.
Eine kürzlich durchgeführte Eurobarometer-Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass 15% aller Mobilfunknutzer in der EU aus Angst vor hohen Gebühren ihr Handy im Ausland ausschalten oder gleich zu hause lassen. 21% nutzen ausschließlich Textnachrichten (wie SMS), wenn sie im europäischen Ausland unterwegs sind. 63% der Nutzer gaben an, ihr Handy im Ausland weniger zu nutzen, als zu Hause. Ungefähr 150 Millionen Menschen nutzen jedes Jahr ihr Handy im europäischen Ausland. Drei Viertel dieser Menschen sind Geschäftsreisende, das restliche Viertel sind Touristen.
Die Kommission hat aus diesem Grund am 12. Juli 2006 einen Vorschlag für eine Verordnung über das internationale Roaming vorgelegt, die darauf abzielen, die Preise für mobiles Roaming zu reduzieren und eine Höchstgrenze einzuführen, die festlegt, dass maximal 30% der Gebühren an die Verbraucher weitergegeben werden dürfen. Dies würde in folgende Gebühren resultieren:
- 33 Cent für lokale Gespräche (zu einem Anbieter im Gastland);
- 49 Cent pro Minute für internationale Anrufe (zu einem Anbieter in einem anderen Land);
- 16,5 Cent pro Minute bei Anrufannahme im Ausland.