ETNO, der Fachverband, der etablierte Telekommunikationsunternehmen in der EU wie die Deutsche Telekom und Telefonica vertritt, sagte, das Einmischen der Kommission in Daten-Roaming führe zu „Preisbindung“ statt zu einem gesunden Wettbewerb des Sektors.
Zum ersten Mal brachten die großen Telekommunikationsanbieter ihre Ablehnung der neuen Preisbildungsmaßnahmen zum Ausdruck; in den vergangenen Monaten hatten sie davon abgesehen, sich zur Frage zu äußern.
Eine Obergrenze für Tarife für Textnachrichten sei „absurd“, sagte ETNO-Direktor Michael Bartholomew, während einer Pressekonferenz mit Brüsseler Journalisten am 7. Mai 2008. Alfredo Acebal, der Zuständige für EU-Regulierungsfragen bei Telefonica, warf die Frage auf, ob es die Aufgabe der Kommission sei, die Preise für diese Dinge zu bestimmen.
Zum gleichen Zeitpunkt rief die Kommission eine öffentliche Anhörung über eine Überarbeitung der Roaming-Verordnung ins Leben. Letztere hatte in vergangenen Jahren Telekommunikationsanbieter verärgert, da sie Preisbegrenzungen für grenzüberschreitende Mobiltelefonate (Roaming) festlegte. Die Anhörung könnte möglicherweise das Begrenzungssystem der Verordnung auf Daten-Roaming erweitern.
Die Branche machte deutlich, dass sie sich nicht an die von Brüssel vorgegebene Frist halten werde. Die GSM Association (GSMA), welche die wichtigsten Mobiltelefonbetreiber Europas und weltweit vereint, sagte, die Statistiken, welche die Gruppe Europäischer Regulierungsstellen im Januar 2008 vorgelegt habe, hätten gezeigt, dass Gebühren für Daten-Roaming in Europa zwischen dem dritten und vierten Quartal 2007 um zehn Prozent gefallen seien.
Die Kommission beabsichtigt jedoch, fortzufahren: Infolge einer neuen Anhörung will sie schließlich weitere Vorschläge vorlegen. Diese würden keine Obergrenze für Gebühren für Daten-Roaming einführen, jedoch vermutlich die Laufzeit der gegenwärtigen Verordnung für Telefongespräche im Ausland ausweiten, die Ende Juni 2010 auslaufen wird.
Zudem plant die Kommission, eventuelle Maßnahmen gegen Gebühren pro Minute zu prüfen; Brüssel befürwortet eindeutig Tarife pro Sekunde, die besser die tatsächliche Nutzung der Verbraucher spiegeln. Gebühren pro Minute werden in den meisten Fällen aufgerundet (EurActiv vom 18. Januar 2008).



