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Telekomreform aufgrund von Internetnutzerrechten blockiert [DE][en][fr

Erschienen: Donnerstag 7. Mai 2009   

In einem überraschenden Schritt hat das Europäische Parlament gestern (6. Mai 2009), eine weitreichende Reform der EU- Telekomregeln blockiert, indem man einen bereits vorher beschlossenen Kompromiss mit den Mitgliedstaaten über den Schutz der Rechte von Internetbenutzern ablehnte. Die Ablehnung folgte als Antwort auf den französischen Gesetzesentwurf eines Anti-Pirateriegesetzes, das ein Aufruhr unter den Europaabgeordneten sowie den Verbrauchergruppen zur Folge hatte.

Hintergrund:

Am 13. November 2007 schlug die Kommission eine vollständige Überarbeitung der Regelungen für den Bereich der elektronischen Kommunikation vor.

Das Paket umfasste vier Gesetzesvorschläge, die die Errichtung einer neuen EU-Aufsichtsbehörde für den Telekommunikationssektor, deren letzte Kontrollinstanz die Kommission gewesen wäre, die Einführung funktionaler Trennung als Maßnahme zur Ankurbelung des Wettbewerbs, eine Überarbeitung der Verwaltung der Funkfrequenzen und eine Reihe von Verbraucherschutzmaßnahmen vorsieht (siehe unser LinksDossier). 

Die neuen Regeln wurden von dem Europäischen Parlament in seiner ersten Lesung im letzten September angenommen. Der Ministerrat schlug allerdings abweichende Positionen zu vielen Bereichen vor, die eine Reihe von interinstitutionellen Verhandlungen zur Folge hatten und die mit einem Kompromiss im März und April beendet schienen. Das kontroverseste Thema war der Schutz der Internetnutzer. 

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Weitere Nachrichten:

Die EU-Gesetzesgeber hatten mit großer Mehrheit ihre Unterstützung für die Gesetzesänderungen erneut bestätigtexternal , indem sie versicherten, dass der Internetzugang keinen Beschränkungen unterliegen dürfe. 407 Europaabgeordnete befürworteten die Gesetzesänderungen, während 57 sie ablehnten. 171 Abgeordnete enthielten sich ihrer Stimme. 

Die Abstimmung stellt einen politischen Sieg der kleinen Parteien im Europaparlament (Liberale, Grüne, Linke und Unabhängige) dar, die die Änderung gegenüber den Sozialdemokraten und der mitte-rechtgerichteten EVP durchbrachten. 

Dies bedeutet ebenfalls einen Rückschlag für den französischen Gesetzesentwurf, der harte Strafen für Internetnutzer vorsieht, die Urheberrechte verletzen, indem sie illegal Videos oder Musikdateien über das Internet tauschen. Unter dem vorgeschlagenen französischen „Dreistufenplan“ können Gesetzesbrecher nach zwei aufeinander folgenden Warnungen ihre Internetverbindung verlieren, was einen Sturm der Entrüstung unter Europaabgeordneten ausgelöst hatte, da diese die Verbraucherrechte gefährdet sahen (EurActiv vom 23. April 2009external ). 

Parlament sieht Probleme bei früherem Kompromiss

Die Abstimmung bringt die Position der EU-Versammlung gegen einen Kompromiss mit den Mitgliedsstaaten auf, der früher im April ausgehandelt wurde, welcher auf einem eher laschen Verständnis von Verbraucherechten basierte (EurActiv vom 30. April 2009external ). 

In der Tat hat der Ministerrat, der die 27 EU-Regierungen vertritt, dazu gedrängt jegliche Bezugspunkte zu juristischen Behörden aus dem EU-Gesetzesentwurf zur Regulierung der Rechte von Internetnutzern zu streichen. Der Kompromiss der von der sozialdemokratischen Europaabgeordneten Catherine Trautmann erreicht wurde, wies lediglich auf das „Recht zu einer Anhörung vor einem unabhängigen und unparteiischen Tribunal“ hin. 

Dem Streit liegt die fundamentale Opposition des Parlamentes zu dem Gesetzesentwurf des französischen Gesetzes zu Grunde, das stark vom französischen Präsidenten Nikolas Sarkozy unterstützt wird. Durch das Eindämmen des freien Austauschs von Filmen und Liedern über das Internet, soll das Gesetz die Rechte der Autoren schützen, allerdings sagen Kritiker, dass es grundlegende Rechte verletze und in der Praxis nicht umzusetzen sei. Das Gesetz wurde sogar mit dem Spitznamen „Carla-Bruni-Gesetz“ belegt, im Bezug auf Sarkozys Frau, ehemaliges Topmodel und Sängerin. 

Reform wird durch politische Streitigkeiten als Geisel genommen

Obwohl die Europaabgeordneten das Telekompaket im Allgemeinen als Ganzes akzeptierten, wird die Zukunft dieser wichtigen Reform der elektronischen Kommunikation der EU, nun aufgrund des politischen Gerangels um den Schutz der Internetnutzer in Schach gehalten.

Die einzige Chance, dass die Reform nun doch noch verabschiedet wird, liegt in der unwahrscheinlichen Annahme der Position des EU-Parlaments durch die EU-Mitgliedsstaaten im Juni.

Die Kommissarin für die Informationsgesellschaft Viviane Reding die die Reform vorschlug, appellierte an die Mitgliedsstaaten vernünftig zu sein und dem Gesetz, zusammen mit den Europaabgeordneten beim Telekomrat am 12. Juni, zuzustimmen. 

Allerdings wird von den Mitgliedsstaaten erwartet, dass sie mehrheitlich gegen die Gesetzesänderung sein werden, was eine Verzögerung der Annahme des Paketes zur Folge haben wird und daher erst in der nächsten Legislaturperiode, nach den Europawahlen im Juni, abgestimmt werden kann.

Wenn dies der Fall ist, könnte das gesamte Paket noch ein weiteres Mal diskutiert werden und 18 Monate harter Verhandlungen zunichte machen.

Positionen:

Viviane Reding, die EU-Telekom-Kommissarin wendete sich an den Rat um die Situation „sehr vorsichtig“ und auch in Anbetracht der Bedeutung der Telekomreform für den Sektor und für die Erholung der europäischen Wirtschaft zu überprüfen.

Der Telekomrat am 12. Juni solle für eine politische Diskussion genutzt werden, ob ein Übereinkommen über das Paket noch möglich sei oder ob die Diskussion erst wieder zum Arbeitsbeginn des Europäischen Parlamentes im Herbst weitergeführt werden könne, sagte sie in einer Erklärung. 

Die niederländische Europaabgeordnete Liberale Sophie in 't Veld (ALDE) kommentierte dies mit der Aussage, sie sei sehr froh, dass das Parlament sich dem Versuch des Rates, die Hintertür zur Einführung einer Regelung die das Nutzen des Internets begrenze, nicht gebeugt habe. Der Zugang zum Internet sei für viele Menschen sehrt wichtig und nur in Extremfällen sollten Menschen von dieser notwendigen Informationsquelle ausgeschlossen werden. Sie sei stolz, dass die Liberalen und Demokraten den Weg zu einem vernünftigeren Ansatz im Kampf gegen Internetpiraterie geebnet hätten.

Die schwedische linksgerichtete Europaabgeordnete Eva-Britt Svensson (GUE) sagte, sie sei sehr froh, dass die Aktivität, die sich auf die Bürger konzentriere, erfolgreich gewesen sei. Es sei ein wichtiger Teilsieg für die Bürgerrechte im Internet. Eine politische Debatte über die Idee, dass das Internet in Vorauswahlen aufgeteilt werden sollte, die von einem Internetanbieter entschieden würden, fehle jedoch noch.

Monique Goyens, Generaldirektorin von BEUC, der europäischen Verbraucherorganisation erklärte, die Ablehnung der abgestuften Reaktion sei ein wichtiges Signal, welches das Parlament den Verbrauchern vor den Europawahlen senden müsste. 

Michael Bartholomew, Direktor von ETNO, welche die großen Telekomunternehmen repräsentiert kommentierte, eine Blockade des Pakets sei höchst bedauerlich, da sie zu einer zusätzlichen Unsicherheit in einem Sektor führe, der für die wirtschaftliche Erholung entscheidend sei und höchst riskanten Investitionen in Breitbandverbindungen ausgesetzt sei.

Ilsa Godlovitch, Direktorin der Regulierungsabteilung bei ETCA, die aufstrebende europäische Telekomunternehmen repräsentiert sagte, dass die Abstimmung im Europäischen Parlament, die Annahme des Paketes verzögern könne, jedoch hebe sie nicht die Notwendigkeit entschiedener und dringlicher Handlungen durch Regulierungsbehörden auf, sicherzustellen, dass die Telekommärkte wettbewerbsfähig seien. 

Nächste Schritte:

  • 12. Juni 2009: Telekomrat in Luxemburg.

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