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Chinaexperten hinterfragen Wert der „KMU-Zentren“ in Übersee

Veröffentlicht 08. September 2010 - Aktualisiert 23. Dezember 2011
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China SMEs
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Ein Expertenforum zu den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und China sagt, die Pläne, „KMU-Zentren“ der EU in Übersee zu öffnen, sollten überdacht werden. Stattdessen vertritt es die Neuorganisierung existierender nationaler Strukturen, um Informationen im europäischen Interesse zusammenzufassen.

Der „China Advisory Council“ schlägt vor, Geschäftszentren, die derzeit von EU-Mitgliedsstaaten betrieben werden, in „Europäische Häuser“ umzuwandeln, um Geschäftsmöglichkeiten zu stärken. Dies wäre eine Alternative zur Eröffnung der von der Kommission vorgeschlagenen KMU-Zentren.

Die Kommission plant eine Reihe an Eröffnungen neuer Büros weltweit, um KMU zu unterstützen und europäischen Unternehmen zu helfen, die Märkte in Schwellenländern zu erobern (EurActiv 15.01.10). Ein KMU-Zentrum für fünf Millionen Euro soll bis Ende des Jahres in Beijing eröffnen (EurActiv 04.11.09).

Ohne notwendigerweise neue Strukturen aufzubauen, wie es die Kommission vorschlägt (EurActiv 15.02.10), könnte eine einfache Doppelfunktion der existierenden KMU-Zentren der Mitgliedsstaaten stattdessen eine europäische Präsenz in den Provinzen und Städten Chinas schaffen, in denen einige Mitgliedsstaaten derzeit keine Präsenz haben.

Wie ein Ratsmitglied sagte, sollte die EU alle Informationen der Mitglieder zusammenstellen und eine allgemeine Informationsplattform für alle KMU darstellen.

Ein estnisches KMU, das in Chengdu investiert, könnte dann um Unterstützung von der Deutschen Handelskammer in Chengdu bitten, so Jonathan Story, Autor des Kurzdossiers, das der Kommission unterbreitet wurde. Dies vermeide eine unnötige Verdoppelung von Angeboten und bedeute, dass nicht für jede Dienstleistung eine materielle Struktur benötigt werde.

Der Bericht wurde als Teil des „Understanding China“-Programmes von der Kommission mitfinanziert.

Aussichten für europäische KMU in Ostchina

Ostchina hält derzeit die besten Aussichten für KMU, dank seiner relativ hohen Konzentration von Englischsprachigen, der Nähe zu Verbrauchern und der gewohnten Geschäftskultur.

Faktoren, die zu einer günstigen Geschäftsumgebung beitragen, variieren stark zwischen Landesinnerem und Küstengegenden. Gemeinsame Nutzung von Informationen zwischen den KMU-Zentren der Mitgliedsstaaten würde dabei helfen, das Potential der „Marke EU“ zu maximieren.

Die Küstenstädte Beijing und Shanghai haben zum Beispiel den großen Vorteil einer starken Infrastruktur, wohingegen die Stadt Chongqing im Landesinneren besseren Zugang zu Märkten bietet, da sie am Jangtse -Fluss liegt und eine transparente örtliche Regierung genießt.

EU-Firmen tauschen untereinander Informationen aus, was nur einen der Vorteile ausmacht, Teil eines EU-Netzwerks in einem Land zu sein, das für seine schwierigen Geschäftsbedingungen bekannt ist.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der EU zeigte auf, dass kleine Firmen, die international handeln, mehr Arbeitsplätze schaffen und innovativer sind. Luxusmarken, die High-Tech-Industrie und der Umweltsektor wurden alle als Bereiche potentiellen Wachstums und großer Attraktivität für die „Marke EU“ identifiziert. Jedoch hat nur eine von vier KMU in den letzten drei Jahren Export betrieben, was den chinesischen Markt bislang unerschlossen belässt.

Chinas zentrale Planwirtschaft mit wenigen Zügen der Marktwirtschaft ist eine der größten Hürden für europäische KMU gewesen, die sich in dem Land niederlassen wollten. Spezielle Zonen für „Wirtschaftsentwicklung“ sind jedoch erschaffen worden, mit weniger Unternehmens- und Arbeitssteuergesetzen. Dies bietet neue Gelegenheiten, die durch einen gemeinsamen EU-Ansatz ergriffen werden könnten.

Der Bericht empfiehlt es, das Erasmusprogramm für Unternehmer der Kommission auszuweiten und „Europäische Häuser“ als Trainingszentren für KMU zu nutzen, die sich dafür interessieren, in China zu investieren.

Um das Investitionspotential zu maximieren und die Verhandlungslage der EU mit China über Handelsthemen zu stärken, betonte der „Advisory Council“, es sei ausschlaggebend, mit einer Stimme zu reden, und Mitgliedsstaaten müssten einen „EU-Reflex“ zeigen, was die gemeinsame Nutzung von Fachwissen in Marktstudien, den Zugang zu Menschen und das Recht des geistigen Eigentums betreffe.

Die Vielfalt der Bedürfnisse macht es schwer, in dem Bereich eine Politik, die allen passen würde, zu entwickeln. Und: Eine große Anzahl an Ad-hoc-Anstrengungen wurde schon gemacht, um marktspezifische Probleme, mit denen KMU umgehen müssen, zu lösen.

Zum Beispiel hilft Unternehmen der „Helpdesk für Geistiges Eigentum“, in Beijing, mit dem nervenaufreibenden chinesischen Patentsystem fertig zu werden. Solche Dienstleistungen sollten dem von EU-Mitarbeitern entworfenen Dokument zufolge in einem zentralen Schalter für KMU erfasst werden, um aus den nationalen Aktivitäten, die schon gut etabliert sind, den größten Profit zu ziehen.

Hintergrund : 

Von den mehr als 20 Millionen Unternehmen in der EU-weiten nicht-finanziellen Wirtschaft sind 99,8 Prozent KMU (das heißt, sie beschäftigen weniger als 250 Angestellte). Innerhalb des KMU-Sektors besteht die große Mehrheit (92 Prozent) aus Mikrounternehmen mit weniger als zehn Angestellten. Das typische EU-Unternehmen ist zunehmend ein Mikrounternehmen.

Der im Jahr 2008 von der EU eingeführte „Small Business Act“ (SBA) verpflichtet die EU und ihre Mitgliedstaaten ausdrücklich dazu, KMU dabei zu unterstützen, vom Wachstum in den außereuropäischen Märkten zu profitieren. Der SBA sagt, Europa müsse „marktspezifische Unterstützung und Schulungen“ für kleinere Unternehmen anbieten.

Angesichts der rechtlichen, sprachlichen und kulturellen Komplexität von Geschäftstätigkeiten im Ausland haben europäische KMU immer wieder Schwierigkeiten beim Eindringen in neue außereuropäische Märkte bedauert. Einige Unternehmen haben sich darüber beschwert, dass wirtschaftlich sensible Daten, die sie den Behörden in Schwellenländern wie China übermitteln müssen, in die Hände lokaler Wettbewerber gerieten (EurActiv 07.09.09).

Der „China Advisory Council“, Teil des über drei Jahre angelegten „Understanding China“-Programms, ist ein Forum, in dem relevante Interessenvertreter aktuelle Entwicklungen in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und China diskutieren können, bevor sie der Kommission und den Mitgliedsstaaten Politikempfehlungen aussprechen.

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