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EU schlägt Ideen vor, um Unternehmen ethischer und facettenreicher zu machen

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Veröffentlicht 06. April 2011, aktualisiert 07. April 2011

Geschlechterquoten auf Vorstandsebene einzuführen und die existierenden freiwilligen Verhaltenskodizes verbindlich zu machen: Beides zählt zu den Optionen, die aus einem Konsultationsdokument der Europäischen Kommission, das gestern (5. April) veröffentlicht wurde, hervorkommen könnten.

Das Dokument „EU-Rahmenwerk über die Unternehmensführung“, das die Kommission gestern (5. April) präsentierte, zielt auf die Identifizierung von Wegen ab, wie man Unternehmen zwingen könnte, Verhaltenskodizes besser einzuhalten, und die Rolle, die Aktionäre in der Unternehmensführung spielen, zu stärken.

Das Grünbuch ist einer von vielen Vorschlägen, die nach der Wirtschaftskrise – die Mängel in der Unternehmensführung und insbesondere im Bankensektor aufdeckte – aufkamen.

„In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation müssen wir mehr denn je sicherstellen, dass Unternehmen gut geführt werden und folglich verlässlich sind und nachhaltig arbeiten“, sagte Michel Barnier, der für den Binnenmarkt zuständige Kommissar.

„Zu kurzfristiges Denken hatte fatale Folgen“, sagte er.

Das Dokument schlägt Maßnahmen vor, um die Vorstände zu diversifizieren, nachdem Recherchen gezeigt haben, dass nur drei Prozent der Vorstandsvorsitzenden Frauen sind. Eine der Optionen ist, von Unternehmen zu verlangen, dass sie eine Mindestquote von Geschäftsführerinnen haben, wie es in Ländern wie Norwegen bereits existiert.

Das Dokument stellt auch die Frage, ob die Festlegung des Gehalts von Direktoren lediglich nach einer verpflichtenden Abstimmung der Aktionäre stattfinden sollte, und ob nicht geschäftsführende Direktoren nur eine begrenzte Anzahl von Ämtern in getrennten Unternehmen bekleiden dürften, während die Reichweite ihrer Tätigkeiten genauer definiert und geprüft würde.

Nicht geschäftsführende Direktoren in Deutschland haben den Recherchen der Kommission zufolge teilweise bis zu 20 Führungspositionen inne, eine Situation, die jegliche Gesetzgebung, die auf das gestrige Dokument folgen wird, höchstwahrscheinlich verbieten wird.

Die Kommission hat die Beteiligten – einschließlich nicht börsennotierter sowie kleinerer Unternehmen – um Reaktionen auf das Grünbuch bis zum 22. Juli gebeten. Im Herbst wird sie dann ein Dokument als Reaktion darauf veröffentlichen.

Vertreter haben gesagt, sie blieben der Frage gegenüber offen, wie man am besten weiterkommen könne, was dies beinhalte und ob man dann eine Gesetzgebung brauche.

Sie nahmen auf die Richtlinie über Abschlussprüfungen von Jahresabschlüssen Bezug, die als Folge von Skandalen, die in Unternehmen wie Enron und Parmalat geschahen, eingeführt worden war.

Mehr Transparenz seitens der Aktionäre

Das Dokument macht auch weitere Vorschläge zur Ermutigung einer aktiveren Teilnahme der Aktionäre an den Entscheidungen des Unternehmens.

Vertreter der Europäischen Kommission hoffen, dass das Dokument ein gemeinsames Transparenzrahmenwerk, das institutionelle Aktionäre dazu zwingen könnte, ihr Wahlverhalten bekannt zu geben, sowie weitere Maßnahmen verursachen könnte, um die Kurzsichtigkeit zu vermeiden, die in den Handlungsweise einiger Asset-Manager endemisch sei, welche die Konten von institutionellen Aktionären verwalten.

Dem Dokument zufolge sind auch Maßnahmen nötig, um die möglichen Interessenkonflikte zu bekämpfen, die zwischen einigen Asset-Managern, bevollmächtigten Beratern und Muttergesellschaften existieren. Das Dokument macht auch Vorschläge, damit es den Unternehmen ermöglicht wird, ihre Aktionäre besser zu identifizieren, um sie an internen Fragen über die Unternehmensführung besser beteiligen zu können.

Was Verhaltenskodizes betrifft, fragt das Dokument, wie der existierende Ansatz der „Einhaltung oder Erklärung“ (comply or explain), dem zufolge Unternehmen, die eine Regel nicht einhalten, den Grund dafür erklären müssen, gestärkt werden könne. Die Kommission ist durch Recherchen vor kurzem dazu angetrieben worden, welche zeigten, dass die Mehrheit der Antworten, die Unternehmen als Erklärung für eine Nichterfüllung ihrerseits nennen, unbefriedigend ist und dass es in vielen Mitgliedsstaaten keine genügende Prüfung der Umsetzung der Regeln gibt.

Das Dokument fragt, ob es jetzt an der Zeit sei, eine bessere Prüfung der Verhaltenskodizes zu erzwingen – wenn notwendig durch eine EU-weite Gesetzgebung.

Stellungnahmen: 

Die folgenden Stellungnahmen sind lediglich auf Englisch verfügbar:

Internal Market and Services Commissioner Michel Barnier said: "In the current economic situation, we need more than ever to ensure that companies are well governed and consequently reliable and sustainable. Too much short-term thinking has had disastrous consequences. That is why we have launched today a debate on the effectiveness of the existing corporate governance framework. Above all, we need company boards to be more effective and shareholders to fully assume their responsibilities."

Pedro Oliveira, corporate governance adviser at BusinessEurope, the EU employers' lobby group, said: "Since we live in a fast-moving environment we believe it is important to monitor the corporate governance landscape periodically, as with any other field. There are already quite a number of EU laws governing this area and one should avoid falling into the trap of over-regulating corporate governance. In our view, 'comply or explain' remains the basic principle of corporate governance in Europe because it is flexible, easy to implement and rapidly adjustable."

Paul Moxey, head of corporate governance and risk management at the Association of Chartered Certified Accountants (ACCA), welcomed the publication of the green paper, adding: "Compliance with governance requirements is important, but ACCA has long favoured a principles approach over compliance to improve corporate governance. It is clear, however, that there are difficulties in getting principles to stick. Any move to impose more rigid rules risks unintended consequences and ACCA believes more can be done to encourage shareholders to play a greater role in ensuring companies apply the right principles."

Carl Rosen, executive director at the International Corporate Governance Network – a not-for-profit body representing more than over 500 corporate governance executives – said: "This green paper has raised a lot of valid questions but it is important to strike the right balance between detailed regulation and soft law. However the paper is less critical towards comply or explain than expected."

Professor Lutgart Van den Berghe, head of the competence centre for entrepreneurship, governance and strategy at Vlerick Leuven Gent Management School, said: "It is clear that where there are codes but these are not being effectively applied then you need to fix the monitoring of the codes, before start to implement new rules or a directive. This is not an area where you can apply a rule – such as a speed limit – which you can then apply scientifically, when someone exceeds the limit, buy imposing a fine or another sanction."

"The important thing to change is company behaviour and monitoring. Within that context any attempt to increase the involvement of shareholders in company scrutiny is to be welcomed," Van den Berghe said. 

Nächste Schritte: 
  • Bis zum 22. Juli 2011: Endfrist, damit Mitgliedsstaaten, EU-Institutionen und andere Beteiligte ihre Position über die im Grünbuch präsentierten Vorschläge bekannt geben.
  • Herbst 2011: Kommission soll Bericht als Reaktion auf Grünbuchkonsultation veröffentlichen.
  • Ab frühestens 2012: Kommission wird die Einreichung von Vorschlägen für eine EU-Gesetzgebung über die Unternehmensführung erwägen.
Hintergrund : 

Bei der Unternehmensführung bezieht man sich auf die Systeme, durch die Unternehmen geführt und kontrolliert werden, und auf die Beziehungen zwischen dem Management, dem Vorstand, den Aktionären und weiteren Beteiligten.

Die Unternehmensführung in börsennotierten Unternehmen in Europa besteht aus einer Mischung von Gesetzgebung und weniger verbindlichen Empfehlungen und Kodizes, die auf nationaler Ebene angenommen werden.

Die Richtlinie 2006/46/EC fördert die Anwendung solcher Kodizes, indem die Jahresabschlüsse auf diese Kodizes Bezug nehmen und detailliert darstellen müssen, ob sie sie eingehalten haben – sowie wenn notwendig erklären, warum sie es nicht getan haben.

Einige Themen, die die Teilnahme der Aktionäre an der Unternehmensführung betreffen, sind bereits im Grünbuch der Kommission über die Unternehmensführung in Finanzinstitutionen aus dem Jahr 2010 aufgeworfen worden. Allerdings ist das Dokument limitiert in seiner Reichweite, da es sich nur mit Banken und anderen Finanzinstituten befasst.

Ziel dieses Grünbuchs ist es, die Debatte über die Unternehmensführung auszuweiten, damit alle börsennotierten Unternehmen eingeschlossen sind.

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