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Gefeiertes finnisches Innovationssystem vor dem Kollaps [DE]

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Veröffentlicht 19. November 2009, aktualisiert 29. Januar 2010

Finnlands gefeiertes Innovationssystem muss radikal überarbeitet werden, so ein neues internationales Gutachten. Eine Expertengruppe schloss, dass die Innovationslandschaft in Finnland inzwischen „zersplittert ist und an schwachen internationalen Kontakten leidet“.

Das finnische Beispiel, das oft als erstrebenswerte Fallstudie genannt wird, hat das nordische Land in eine High-Tech-Wissensgesellschaft verwandelt. Aber ein neuer Bericht ruft zu einer Überdenkung des jetzigen Modells auf, das nach Ansicht von Experten „kompliziert“ geworden ist.

Im Einzelnen kommt die von der finnischen Regierung in Auftrag gegebene Studie zu dem Schluss, dass die Strukturen zur Unterstützung von Unternehmen reformbedürftig seien. Unternehmen, vor allem KMUs und Neugründungen, hätten Schwierigkeiten bei der Nutzung des Systems, weil die Unterstützungsprogramme für Unternehmertum über mehrere Organisationen verteilt seien.

Wachstum in Unternehmen sollte laut Bericht durch steuerliche Anreize sowohl für Einzelpersonen als auch für Unternehmen gefördert werden. Dies könnte in europäischen Ländern für Erstauen sorgen, die eine Nachahmung des relativen finnischen Erfolgs anstreben.

Die Evaluation kommt zu dem Schluss, dass Finnland es nicht schafft, ausländische Forscher, gut ausgebildete Expats und die F & E-Abteilungen von wissensintensiven Unternehmen aus dem Ausland anzuziehen. Der Bericht empfiehlt starke Anreize, um die  Mobilität von Forschern zu fördern und internationale Partnerschaften an Universitäten und Forschungszentren zu verstärken.

Der Bericht lobt Finnland für sein starkes regionales Ausbildungssystem, bei dem Hunderte von Campus-Anlagen im Land verteilt sind. Jedoch sagte die Expertengruppe, die die Analyse zusammengestellt hat, dass die Zuweisung von Hilfen an Gebiete außerhalb der Wachstumszentren zu einer Verlangsamung von Produktivitätssteigerungen beitragen könne.

Die Evaluation wurde von einer großen internationalen Gruppe unter Leitung von Professorin Reinhilde Veugelers, einer belgischen Innovationsexpertin, durchgeführt. Sie ist Teil eines allgemeinen Bemühens der finnischen Regierung, ihr hoch geschätztes Innovationssystem zu überarbeiten, von dem Regierungsvertreter befürchten, dass es an Glanz verliert.

Finnland hat in international vergleichenden Studien beständig gut abgeschnitten, aber die Fortschritte haben sich in den letzten Jahren etwas abgeschwächt. Nachdem Finnland seinen Anteil von bei der Europäischen Patentorganisation neu angemeldeten Patenten während seiner wirtschaftlichen Erholung erhöht hatte, stagniert die Schaffung von neuem geistigem Eigentum inzwischen auf demselben Niveau.

Der Reformprozess wird wahrscheinlich eine Umstrukturierung des Universitätssystems beinhalten. Der neue Bericht schlägt vor, Ziele für Forschung und Innovation im Hochschulwesen zu entwickeln. Er ruft die Regierung dazu auf, eine klarere Rolle für Fachhochschulen zu schaffen und die Größe der Universitätsfakultäten auszudehnen.

Laut Bericht sollten sich Universitäten stärker an spezialisierter Forschung beteiligen als Teil einer größeren Anstrengung, um internationale Zusammenarbeit zu verstärken.

Eine der radikaleren Vorschläge der Expertengruppe sieht vor, Grundsatzforschung an die Universitäten zu übergeben und die verbleibenden Forschungsaktivitäten zwischen vier oder fünf Institutionen statt der jetzigen 18 höheren Bildungsinstitutionen aufzuteilen.

Das Eingehen von Risiken und experimentelle Verfahren werden laut Bericht nötig sein, um die Vorteile der finnischen Wirtschaft in einer Reihe von Technologiesektoren zu bewahren.

Hintergrund : 

Die finnische Innovationspolitik wird oft als Beispiel hochgehalten, dem andere EU-Regierungen folgen sollten. Insbesondere die Entscheidung der finnischen Regierung, Anfang der Neunziger im Anschluss an seine Wirtschaftskrise stark in Forschung und Innovation zu investieren, wird als Paradebeispiel dafür gesehen, wie man eine Rezession erfolgreich überwinden kann.

Nach dem Zusammenbruch von Finnlands größtem Handelspartner, der Sowjetunion, schrumpfte die finnische Wirtschaft auf dramatische Weise, sodass die Regierung zu Einschnitten bei ihren Dienstleistungen gezwungen war. Jedoch brachten Investitionen im High-Tech-Sektor den Mobilfunkgiganten Nokia hervor – bis Ende der 1990er verfügte die Regierung schon bald über einen Haushaltsüberschuss.

Ein guter Teil des Verdienstes, Investitionen in die Wissensgesellschaft aufrechtzuerhalten, wird Esko Aho zugeschrieben, der von 1991 bis 1995 Ministerpräsident war. Er ist jetzt Präsidiumsmitglied bei Nokia, diente als Botschafter für das Europäische Jahr der Kreativität und Innovation 2009 (EYCI) und führte 2008 eine Untersuchung der finnischen Innovationspolitik an.

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