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Irische Experten stellen EU-Innovationsmantra in Frage

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Veröffentlicht 29. Juli 2009, aktualisiert 29. Januar 2010

Ein Bericht einer von der irischen Regierung bestellten Expertengruppe macht das Lesen für EU-Entscheidungsträger unbequem, die an Europas 'wissensbasierter Wirtschaft' interessiert sind. In diesem Monat (16. Juli 2009) veröffentlicht, stellt er in Frage, ob Irlands Investitionen in Wissenschaft, Technologie und Innovation sich wirklich wirtschaftlich rechnen und ob die Zulassung von 20 Prozent der Doktoranden (PhD-Studenten) nicht kontraproduktiv sei.

Diese Punkte werden in einem langen Bericht begraben von einem Wirtschaftswissenschaftler und über öffentliche Ausgaben der irischen Steuerzahler diskutiert. Er stellt fest, dass Investitionen in Wissenschaft, Technologie und Innovation als Schlüsselfaktor die „wissensbasierte Wirtschaft“ voranbringt, die Europa begrüßt hat, nennt aber den harten Beweis, dass dies ein guter Weg ist, knappes öffentliches Geld auszugeben.

Jedwedes Ergebnis in diese öffentliche Investition “kann nicht mit Gewissheit von Anbeginn bekannt sein”, sagt der Bericht und fügt hinzu: „Der bisher erbrachte Beweis über den Einfluss von staatlichen Investitionen in Wissenschaft, Technologie und Innovation auf tatsächliche wirtschaftliche Aktivitäten ist nicht überwältigend gewesen.“

Europa ist fest mit dem Begriff verheiratet, dass das Pumpen von Geld in Innovation der einzige Weg ist, wettbewerbsfähiger zu werden. Dies ist der zentrale Lehrsatz der Lissabon-Agenda, welcher auf der Akzeptanz beruht, dass Europa nicht über die Kosten mit Asien, Afrika und Südamerika konkurrieren kann, die darin immer günstiger sein werden, so dass die EU in Köpfe investiert.

Aber sogar das könnte laut Professor Colm Mc Carthy, Chefautor des Berichts und Dozent am University College in Dublin, nicht schlau sein. Irland und andere EU-Länder streben danach, die Anzahl der an ihren Universitäten vergebenen Doktortitel zu erhöhen. Die Grüne Insel möchte die Anzahl der Doktoranden (PhDs) verdoppeln, aber dies könnte auch nicht durch einen Beleg unterstützt sein.

Es gibt kein “eindeutiges wirtschaftliches Interesse” die Zahl der Doktorstudenten zu erhöhen, und McCarthy sagt, die Erzwingung einer höheren Zahl in Bildung auf der „vierten Ebene“ könnte zu Unterbeschäftigung führen. Es könnte sogar zu viel ausgebildete Leute dazu zwingen, zu emigrieren, fügt er hinzu.

“In der Tat schlagen manche empirische Belege vor, dass 20 Prozent der neuen Inhaber von Doktortiteln Beschäftigung in Übersee finden, und von denen, die in Irland bleiben, die meisten eine Beschäftigung eher auf dem öffentlichen als auf dem Privatsektor finden.“ In Kürze heißt dies, dass diese zusätzlichen Doktoranden nicht in Innovationen auf dem Privatsektor überführt werden – was das Endziel am Anfang sein sollte.

Der Bericht wirft Bedenken auf, dass Europas Überschwänglichkeit für die „wissensbasierte Wirtschaft“ die Entscheidungsträger dazu gebracht hat, politische Entscheidungen zu treffen, die nicht auf wissenschaftlichen Beweisen beruhen.

Teil der Begründung, die Zahl der Doktoranden zu verdoppeln ist, dass Indien und China Doktoranden in schwindelerregenden Zahlen ausspucken.

Dies sind auch die Bedenken, dass eine massive Explosion in der Anzahl der Spitzengruppe der Graduierten zu einer verminderten Qualität der Doktorandenausbildung führen wird, was den Wert der höheren Abschlüsse beschädigt. Die Rentabilität schwindet deshalb dahin.

Da Europa die Zukunft der Lissabon-Agenda für mehr Wachstum und Jobs diskutiert, stellt der irische Bericht in Frage, ob Investitionen bisher einen Ertrag erbracht haben.

Nächste Schritte: 

• 20. Sept. 2009: Wahrscheinliches Datum für den Start einer breit angelegten Internet-Konsultation über die Lissabon-Strategie nach 2010.

• 12-16. Oktober 2009: Erster Europäischer Innovations-Gipfel

• 10-11. Dezember 2009: EU-Gipfel zur Überprüfung der Prioritäten für die Post-2010 Strategie für nachhaltige Entwicklung

• Ende 2009/ Anfang 2010: Neue Kommission präsentiert Vorschläge für Post-Lissabon 2010.

• März 2010: EU-Gipfel verabschiedet hauptsächliche Politiken

• März 2010/ Juni 2010: EU-Gipfel um detailiertere Entscheidungen mitzuteilen, eine neue Art Gemeinschafts-Lissabon-Programm und einen weiter entwickelten Vorschlag in einzelnen Politikbereichen (etwa die EU-Innovations-Strategie) 

Hintergrund : 

Der Begriff "Wissensgesellschaft" wurde durch den Autor und Managementberater Peter Drucker 1969 bekannt und beschreibt eine Gesellschaft in der Arbeitnehmer Ideen, Information und Innovation produzieren. Das Konzept wurde von den entwickelten Ländern als Möglichkeit zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt, in der die Produktion oftmals ausgegliedert wird in billig produzierende Entwicklungsländer, aufgenommen.

Die EU hat die Lissabon-Strategie im Jahr 2000 eingeführt, welche das ehrgeizige Ziel verfolgt Europa bis "2010 zur weltweit dynamischsten wissensbasierten Wirtschaft" zu machen. Der Plan wurde im Jahr 2005 erneut von José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, angenommen und hat einen stärkeren Fokus auf die Schaffung von Arbeitsplätzen. Im Einklang mit dieser Agenda wurde 2009 das Europäische Jahr der Kreativität und Innovation von der Europäischen Kommission ausgerufen.

Die meisten europäischen Länder haben diese Idee in höhere Bildung und wissenschaftliche Forschung zu investieren, begrüßt. Irland hat seinerseits Milliarden Euro in die Finanzierung von Einrichtungen wie die Science Foundation Ireland gesteckt, welche topaktuelle Forschung unterstützt.

Letzen Dezember hat die irische Regierung einen wirtschaftlichen Erholungsplan mit dem Namen Building Ireland's Smart Economy'  veröffentlicht, der sich auf die Umsetzung der Schaffung von Wissen in wirtschaftliche Rentabilität spezialisiert. Darüber hinaus hat die Regierung eine Gruppe an Experten, unter der Leitung von Colm McCarthy, beauftragt, die Quellen der Verschwendung öffentlicher Ausgaben auszumachen.

Die Gruppe wurde umgangssprachlich als "An Bord Snip Nua" bekannt, denn die hauptsächliche Aufgabe war es, die Ausgaben zu kürzen. 

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