Regierungen haben eine Reihe an Programmen eingeführt, um kleinen Unternehmen zu helfen, unter anderem mit Steuergutschriften für Forschungsinvestitionen, der Entwicklung von Innovationszentren, der Unterstützung für Business Angels und Plänen, KMU mit Universitäten und der Industrie zu verbinden.
Die EU-Innovationsstrategie, die für September erwartet wird, wird sich wahrscheinlich einigen dieser Fragen widmen, obwohl viel debattiert wird, ob der Plan eine Vorlage für das Geschäft oder eine Satzung für Forscher wird.
Geschäftsverbände haben betont, dass der Patentenschutz im Zentrum der bevorstehenden Innovationsstrategie stehen sollte (EurActiv 09.08.09). Doch wurde es kritisiert, dass das Unternehmertum in dem letzten Entwurf eventuell nicht genügend berücksichtigt worden sei (EurActiv 07.05.10).
Selbst vor der Krise war der Zugang zu Risikokapital ein einschränkender Faktor in Europas Innovationsökosystem. Zusätzlich haben es KMU teuer gefunden, geistiges Eigentum zu verteidigen, und haben Probleme, das EU-Forschungsbudget anzuzapfen.
Während nationale Budgets in ganz Europa unter großen Druck gekommen sind, hat man sich doch bemüht, R&D-Finanzierung zu bewahren, die dazu gedacht ist, Innovation zu fördern. Jedoch gibt es große Variationen innerhalb der EU, was der neue Plan aus Brüssel anzupassen versucht.
Frankreich plant, deutschem Beispiel zu folgen
Innovation in Frankreich wird als unzureichend gesehen und KMU benötigen Hilfe, um Exporte zu stärken, ein Bereich, in dem Frankreich hinter Deutschland und Italien gefallen ist. Deswegen ist der Bedarf an R&D-Investitionen, die derzeit bei 2,08 Prozent des BIP liegen, selbst in Zeiten der Krise wesentlich.
Frankreich will dem deutschen Modell folgen, um KMU wettbewerbsfähiger zu machen. Hervé Novelli, Staatssekretär für Handel und KMU, hat Patente vom Nationalen Institut für Geistiges Eigentum (INPI) und Forschungssteuergutschriften als wichtige Instrumente beworben, um Innovation für KMU zu verbessern.
Der Richelieuausschuss, ein französischer Verband für innovative KMU, veröffentlichte eine Studie im Juli 2010, die die größten Sorgen seiner Mitglieder präsentierte. Diese unterstützen die Steuergutschrift für Forschung und einen Small Business Act für KMU.
Die Steuergutschrift ist der CGPME (der Generalvereinigung von KMU) zufolge zum Symbol der guten „Rahmenregulierung“ geworden. Trotzdem mangele es an Informationen, wogegen die Vereinigung vorgehe, indem sie örtliche Innovationsausschüsse gründet.
Französische KMU hätten auf Grund ihrer kleinen Größe oder des Steuersystems Kapitalprobleme, sagte die CGPME gegenüber EurActiv Frankreich. Zu guter Letzt bemerkt die Vereinigung, dass heute zu viele Einheiten an der Innovation arbeiteten, was für KMU keine klare Vision schaffe.
Deutschland will Steuergutschriften für innovative Firmen
Georg Schütte, Staatssekretär beim Deutschen Bundesministerium für Ausbildung und Forschung, sagte, er hoffe, der „Europa 2020“-Plan werde helfen, die Innovationslücke zu füllen. In einem Interview mit EurActiv betonte er, dass engere Bindungen zwischen der Industrie und der akademischen Welt helfen würden, Forschungsresultate kommerziell zu nutzen, wovon KMU profitieren könnten.
Der Bund der deutschen Industrie (BDI), die Stimme der deutschen Industrie, will Steuergutschriften für Unternehmen sehen, die in die Forschung investieren.
Die Innovation sei Deutschlands Zukunft: Innovative Produkte und Dienstleistungen, die zu wettbewerbsorientierten Preisen vermarktet werden, seien entscheidend, um Arbeitsplätze zu beschaffen, Reichtum zu steigern und Lebensstandards anzuheben. Die Kommission habe Mitgliedsstaaten gedrängt, steuerliche Unterstützung für R&D-Ausgaben einzuführen. Der BDI fordere eine Steuergutschrift, die sich auf zehn Prozent der kompletten Ausgaben für R&D belaufe, so ein Sprecher.
Langfristige Investition in R&D ist in der jüngsten Vergangenheit keine Priorität für kleine Unternehmen gewesen, besonders auf Grund der Wirtschaftskrise. Eine Studie zur Innovation im KMU-Sektor des „Fraunhoferinstituts für Produktionssysteme und Design-Technology IPK Berlin“ schlussfolgerte, dass KMU ihr Innovationspotential auf Grund mangelnden langfristigen Innovationsmanagements nicht erfüllten.
Nur 30 Prozent der Firmen gäben ihren Angestellten die Zeit, um neue Ideen zu entwickeln, während weniger als 50 Prozent einen definierten Innovationsprozess hätten. Tatsächlich hätten 60 Prozent Probleme, Innovationen vernünftig umzusetzen, befand die Studie.
Britische Pläne zur Schaffung einer Unternehmerkultur
Ein Expertenbericht, der für die vorherige Regierung Großbritanniens vorbereitet wurde, forderte die Schaffung von „elitären und geschäftsbezogenen“ Technologie- und Innovationszentren (TICs). Diese Zentren sind erdacht, um zu forschen, aber auch, um KMU einzubinden, indem sie ihnen Rat zur Finanzierung, zur Vermarktung und zum geistigen Eigentum geben.
Die neue britische Regierung soll mit dieser Politik fortfahren, trotz der Notwendigkeit, die öffentlichen Ausgaben zu kontrollieren. Der Geschäftsminister, Vince Cable, hat die Notwendigkeit betont, das Unternehmertum trotz des Sparkurses zu unterstützen.
Cables Abteilung für Geschäft, Innovation und Fachkenntnisse hat sich verpflichtet, freie und offene Märkte zu unterstützen und „durch Unternehmertum und persönlichen Einsatz in die Wirtschaft Handel und Innovation zu fördern“.
Die neue Koalition zwischen Konservativen und Liberaldemokraten hat auch versprochen, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der alle begabten Menschen dazu eingeladen würden, Ideen in erfolgreiche Unternehmen verwandeln zu können. Bürokratieabbau und das Angebot von Fördermitteln, um Start-ups zu gründen, zählen auch zu den Versprechen.
Irland ersucht mehr Finanzmittel von den Business Angels
Bei einer Kabinettsumbildung zu einem früheren Zeitpunkt des Jahres erweiterte Irland das Ressort seines Unternehmensministeriums, damit auch Innovation dazu zählt. Dies passierte gleichzeitig mit der Veröffentlichung eines detaillierten Berichtes von einer von der Regierung ernannten Innovations-Task-Force.
Die EU-Kommissarin für Innovation, Maire Geoghegan-Quinn, begrüßte das Dokument und erklärte, dass ihre Dienststellen derzeitig dabei waren, es durchzulesen, und in angemessener Zeit darauf reagieren würden. Die Task-Force bestand aus Vertretern der Industrie, der akademischen Welt und der Regierung.
Die Gruppe erklärte, ihr Ziel sei es, dass bis 2020 Irland eine bedeutende Anzahl an weltführenden und innovativen Unternehmen haben werde, die jedes eine weltweite Präsenz und den Hauptsitz in Irland hätten, sowie in irischem Besitz seien.
Irland, das gegenwärtig von einer tiefen wirtschaftlichen Rezession und Bankenkrise geschüttelt wird, unterstreicht seine vorteilhafte Demographie, sein Bildungssystem und sein pro-unternehmerisches regulatorisches Umfeld als Gründe für langfristigen Optimismus.
Der Bericht empfiehlt eine Steigerung der Finanzmittel, die von Business Angels zur Verfügung gestellt werden, eine neue Startkapitalregelung und steuerliche Initiativen, die die Schaffung neuer Start-ups fördern sollen.
Eine Reformierung des Konkursrechts, verbesserte Systeme zur Schützung des geistigen Eigentums und ein größerer Fokus auf Produktgestaltung werden auch vorgeschlagen.
Tschechische KMU wollen EU-finanzierte innovative Projekte sichern
Tschechische KMU stimmen zu, dass innovative Unternehmen für gut gedachte innovative Projekte EU-Gelder bekommen könnten. Es sei nicht unrealistisch, für gute Projekte Förderungen zu bekommen, so Karel Havlíček vom Verein Kleine und mittlere Unternehmen und Handwerksbetriebe CZ.
Jedoch bedauert Radim Kudla, Leiter für die Geschäftsentwicklung von PHONEXIA, einem Technologieunternehmen, es mangele an Unterstützung für junge Firmen. Sie wären für ein breiteres Angebot an für Start-ups und kleine innovative Unternehmen entwickelten Förderprogrammen dankbar, sagte er.
Dennoch machte Havlíček darauf aufmerksam, dass es als Folge der Wirtschaftskrise tschechischen KMU allgemein an Geld für Innovation mangelt. Er erklärte, dass das ursprüngliche Ziel gewesen sei, im Unternehmensbereich nicht nur die Spitze des Eisbergs zu retten, und dass tschechische Banken in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation weniger risikofreudig geworden seien.
Petr Chládek, Strategieleiter für regionale Innovation am Südmärischen Innovationszentrum (JIC), sagte, es könne für KMU schwierig sein, mit Universitäten und Forschungsinstituten zusammen zu arbeiten. Er bedauert die Tatsache, dass Unternehmen üblicherweise nicht in der Lage seien, ihre Bitten an Universität, die nicht flexibel genug seien, angemessen zu formulieren.
Die Slowakei, ein gemäßigter Erneuerer
Zahlen aus dem Jahr 2006 zufolge ist nur ein Viertel der slowakischen Unternehmen aktiv im Feld der Innovation. Die Mehrheit (56 Prozent) dieser innovativen Unternehmen hat über 250 Angestellte. Nur 19,2 Prozent der Mikrounternehmen (weniger als 50 Mitarbeiter) und 34,4 Prozent der mittleren Unternehmen (weniger als 250 Mitarbeiter)sind in der Innovation tätig.
Der Europäische Innovationsanzeiger (EIS) aus dem Jahr 2009 identifiziert die Slowakei als gemäßigten Erneuerer, mit einer Leistung unter dem Durchschnitt der 27 Mitgliedsstaaten. Jedoch gehörte das Land in vorherigen Versionen des EIS zu einer Gruppe von Ländern, die aufholen mussten und deren Leistung weit unter dem EU-weiten Durchschnitt lag.
Der „Inno Policy Trendchart“ von 2009 zufolge lagen die größten Schwächen der slowakischen Innovationsleistung bei den öffentlichen und privaten R&D-Investitionen, der hausinternen Innovation der KMU, den Patenten des Europäischen Patentamts und der Beschäftigung in wissensintensiven Exporten von Gütern und Dienstleistungen.
Daten der Regierung zufolge gibt die Slowakei nun etwa 1,2 Prozent des BIP für R&D und Innovation aus. Die Slowakei war unter den EU-Ländern, die ihre Sorge ausdrückten, dass ein Ziel von drei Prozent des BIP für Investition in R&D im Rahmen der „Europa 2020“-Strategie unerreichbar sei.
Das Grundproblem ist das Defizit in der Innovationsinfrastruktur und dem Risikokapital. Die Slowakei steht einem Mangel an Synergien zwischen fünf großen Elementen gegenüber, die zum Innovationspotential einer ganzen Region beitragen: Universitäten, Unternehmen, Presse, Regierungsinitiativen und NRO. Unternehmensneugründungen von Absolventen sind deswegen unsichtbar, da die Plattform für die Finanzierung von beginnenden und jungen Firmen fehlt.
Die meisten innovativen Ideen werden zwar veröffentlicht, doch nicht umgesetzt. Business Angels sind sehr rar und schlecht organisiert. Risikokapitalfonds, die in der Slowakei tätig sind, arbeiten gewöhnlich eher als Buchprüfer und geben kein Fachwissen oder Kontakte weiter.
Um einige dieser Probleme anzugehen, wurde Anfang Juni ein neues Projekt gegründet - Zur Stärkung der Innovation bei Kleinen und Mittleren Unternehmen (BISMES) genannt. Dieses wird von der Nationalen Agentur für die Entwicklung von KMU (NADSME) koordiniert, einem Mitglied des Enterprise Europe Network, und wird vom Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) finanziert.
Ziel des Projektes ist es, das Bewusstsein unter den KMU über die Innovation zu fördern, die regionale Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Dienstleistungsanbietern zu stärken, nötige Informationen über Innovationen und ihre Finanzierung zu liefern, etc.
Bulgariens florierende Innovationspraxis
Der Anteil an bulgarischen Firmen, die ihre Innovationsaktivität deklarieren, stieg 2009 auf 71 Prozent von 43 Prozent im Jahr 2008. Diese Statistik ist Teil der aktuellsten und gründlichsten Umfrage zur Innovationsaktivität in Bulgariens Geschäftswelt, die derzeit erhältlich ist und Anfang 2010 veröffentlicht wurde.
Die Umfrage mit dem Titel „Innovation.bg 2010: Die Innovationspolitik Bulgariens – Möglichkeiten für die nächsten zehn Jahre“ wurde vom Fonds zur angewandten Forschung und Kommunikation (ARC FUND) durchgeführt, einem Teil des Enterprise Europe Network in Bulgarien.
Die Innovation bei den Arbeitsmethoden beläuft sich auf beinahe 19 Prozent der innovativen Aktivität in bulgarischen Unternehmen. Der Anteil an Unternehmen, der neue und verbesserte Dienstleistungen einführte, lag im letzten Jahr bei 26 Prozent. Ein großer Teil der neu eingeführten Technologie in bulgarischen KMU ist von ausländischen Partnern geborgt.
Das Resultat der Patent- und Lizenzvergabe durch bulgarische Unternehmen zeigt, dass es quasi keine Innovationen der Methode oder der Produkte in Bulgarien gibt, die von internationaler Bedeutung sind.
Der Bericht von ARC FUND besagte, dass die Maßnahmen, die von der bulgarischen Regierung ergriffen würden, um die Innovation als ausschlaggeben Faktor in der Überwindung der Krise zu unterstützen und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erhalten, inadäquat seien.
Eines der Probleme, die die Umfrage identifizierte, war, dass sich EU-Gelder zur Entwicklung der Innovation, Wissenschaft und Technologie unter den am wenigsten benutzten Förderungen befänden, sogar im Kontext einer insgesamt trägen Absorption der europäischen Gelder.
Angel Milev, Programmleiter des ARC FUND und Koordinator des Enterprise Europe Network in Bulgarien, sagte, Bulgarien benötige eine aktualisierte Innovationspolitik, die in seine eigene Wirtschaftsstrategie integriert sei, um sein R&D-Investitionsziel zu erreichen.





