EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Click here for EU news »
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Schweden macht Durchbruch bei EU-Patent geltend [DE]

Veröffentlicht 04. Dezember 2009 - Aktualisiert 23. Dezember 2011
DruckversionSend by email

Wirtschaftsvertreter haben am Freitag (4. Dezember) eine wegweisende politische Einigung in Brüssel begrüßt, als die EU-Industrieminister sich auf ein Maßnahmenpaket einigten, das den Weg für ein Europäisches Gemeinschaftspatent freimachen könnte. Jedoch gab es Bedenken, dass die heikle Frage der Übersetzungskosten nur beiseite gesetzt worden sei und extra behandelt werden würde.

Schweden, das zurzeit die sechsmonatige rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, ist mit der uneingeschränkten Unterstützung für ein einheitliches EU-Patent und für ein Europäisches Patentgericht ein voluminöser politischer Coup gelungen.

Reformen im Patentwesen standen seit Jahren auf der Brüsseler Agenda, aber Versuche, das komplexe System zu straffen, sind wiederholt gescheitert.  Die Vereinbarung soll dazu beitragen, die Kosten zum Schutz neuer Innovationen zu deckeln. In den vergangenen Jahren waren insbesondere kleinere Unternehmen der Kosten leidig geworden.

Die Gebühren für die Anmeldung und den Schutz von Patenten sind in Europa wesentlich höher als in den USA und in Japan, und Unternehmerverbände haben sich konsequent über die zusammenhangslosen und widersprüchlichen Entscheidungen der europäischen Gerichte beklagt.

Unternehmen müssen oft Klagen in mehreren europäischen Ländern gleichzeitig führen und nationale Gerichte kommen regelmäßig bei identischen Fällen zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen. Die Pläne für ein einheitliches Patentgericht werden Rechtsstreitigkeiten billiger und vorhersehbarer machen, sagten diplomatische Quellen.

Das Gericht wird lokale und zentrale Kammern unter einem gemeinsamen europäischen Berufungsgericht beinhalten. In der Anfangsphase sollen Unternehmen auch weiterhin in der Lage sein, nationale Gerichte anzurufen, so dass allmählich Vertrauen in das neue System geschaffen werden kann.

Einvernehmliches Verständnis wurde auch bei den Jahresgebühren und der Zusammenarbeit mit den Patentämtern erreicht. 

Jury noch bei Übersetzungskosten

Ein weiterer Popanz für innovative Unternehmen sind die hohen Kosten für die Übersetzung der Patente in alle europäischen Sprachen. Diese sind ein wichtiger Faktor, die den Schutz neuer Technologien in Europa teuer machen. 

Die neue Vereinbarung hatte vor der Lösung des Problems angehalten und stattdessen entschieden, dass die vorgeschlagene neue Patent-Regelung durch eine separate Regelung mit Übersetzungsvereinbarungen begleitet werden soll.

Unternehmerlobbyisten haben die Übersetzungskosten hervorgehoben, die für kleine Unternehmen ein großes Hindernis für eine Patentanmeldung darstellen. Patente sind in Europa in der Regel drei Mal so teuer wie in den USA.

Die neuen Reformen sollen die Kosten für den Schutz geistigen Eigentums in Europa senken, zu einer Zeit, in der die neue Europäische Kommission ein neues Innovationsgesetz vorbereitet, das die Bedeutung von KMU für die wissensbasierte Wirtschaft betont.

 

Stellungnahmen: 

Eurochambres-Generalsekretär Arnaldo Abruzzini begrüßte die Einigung und lobte sie als einen „Sieg für Unternehmen, die bestrebt sind, Innovationen zu entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.“

Jedoch sei zusätzlicher Schwung nötig, um die noch ausstehenden Sprachregelungen zu lösen. „Wir haben eine wichtige Schlacht gewonnen, aber noch nicht den Krieg. Die Übersetzungen in alle EU-Sprachen haben zurzeit enorme Auswirkungen auf die Gesamtkosten der Patentierungen in Europa. Es ist nicht tragbar, wenn ein Unternehmen eine Erfindung in der gesamten EU nicht für weniger als 70.000 Euro schützen kann, während die Kosten in den USA 20000 Euro betragen und in Japan sogar noch weniger“, sagte er. 

Vizepräsident Günter Verheugen, EU-Kommissar für Unternehmen und Industrie, begrüßte den Durchbruch, der seinen Worten nach das Patentsystem effizienter und kostengünstiger machen werde. „Die heutige Vereinbarung kann nicht hoch genug geschätzt werden. Sie kommt zu einem Zeitpunkt, wo sie am nötigsten ist“, sagte er.

Der für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständige Kommissar Charlie McCreevy begrüßte auch das „sehr starke Signal aus dem Rat, dass die EU sich zur Verwirklichung eines echten Binnenmarkts für Patente verpflichtet fühlt.“

Er sagte, die EU-Exekutive werde eng mit den Regierungen und EU-Abgeordneten für ein endgültiges Paket zusammenarbeiten, das dem Vertrauen der Nutzer gerecht wird.

Der britische Minister für Höhere Bildung und geistiges Eigentum, David Lammy, erklärte, das Abkommen sei „ein wichtiger Schritt in Richtung eines einheitlichen EU-Patents“, was für Unternehmen ein gute Nachricht bedeute.

„Wenn Europa es mit unserer wissensbasierten Wirtschaft zur Wirtschaftserholung ernst meint, dann ist eine Patentreform die notwendige Grundlage. Die unternehmensfreundliche Vereinbarung wird Patentierungen und Innovationen für britische Untenehmen einfacher und günstiger machen. Insbesondere KMU werden mehr Flexibilität bei der Auswahl der Patentierungen haben“, sagte er.

Lammy sagte, er wolle sich für eine „unternehmerfreundliche Lösung bei den Sprachregelungen“ im nächsten Jahr einsetzen.

Hintergrund : 

Politische Entwicklungen für ein Gemeinschaftspatent begannen imMärz 2003, doch die Fortschritte wurden durch wiederholte technische und rechtliche Schwierigkeiten behindert. Die Frage wurde im Rahmen der französischen EU-Ratspräsidentschaft letztes Jahr wiederbelebt und ursprünglich wurde erhofft, die Patentfragen als Teil des Small Business Act (SBA) zu schaffen.

Differenzen über sensible Übersetzungsvereinbarungen waren jedoch unüberwindbar und ein französischer Vorschlag scheiterte an politischen Hindernissen, trotz großer Übereinstimmung, dass eine Reform dringend nötig sei (EurActiv vom 2. Dezember 2008).

Anfang des Jahres sagte die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, sie wolle sich der Sache annehmen, und auch Schweden machte die Schaffung eines einheitlichen Patents zum Prioritätsthema seiner sechsmonatigen EU-Führung (EurActiv vom 6. März 2009).

Die Europäische Kommission versicherte ebenfalls, sie werde Unterstützung der Mitgliedsstaaten für eine Einigung zu einem einheitlichen Patentgerichtssystem suchen, das eine Gerichtsbarkeit über die existierenden europäischen Patente und ein zukünftiges europäisches Gemeinschaftspatent schaffen werde (EurActiv 25. März 2009). 

More in this section

Advertising