Billigwaren aus dem fernen Osten
In den letzten Monaten hat EU-Handelskommissar Peter Mandelson die Einführung von Anti-Dumping-Zöllen auf Lederschuhimporten aus China und Vietnam vorgeschlagen. Der Grund ist, dass diese Waren um einiges billiger sind als Schuhe „made in EU“ und dass sie daher Arbeitsplätze gefährden. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass er den chinesischen und vietnamesischen Konkurrenten wettbewerbswidrige Praktiken nachweisen kann. Mandelson ist der Meinung, er könne dies (EurActiv, 24. Februar 2006).
Dies war jedoch nicht der Fall, als die EU sich infolge der Aufhebung der WTO-Handelsbeschränkungen plötzlich einer wahren Textilschwemme aus China gegenübersah. Es wurden zwar Einfuhrbeschränkungen eingeführt, doch auch eine Einigung mit China ändert letztlich nichts an der Tatsache, dass die ergriffenen Maßnahmen protektionistisch waren. Die Frage, die sich hieraus ergibt ist folgende: Wie kann eine globalisierte Welt mit einem gänzlich freien Handel umgehen, und wie kann das Überleben traditionsreicher Industrien gesichert werden?
Ausgliederung
Ein zweites Thema betrifft die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer. Ein Beispiel hierfür sind die Call Centre in Indien. Aber nicht nur Dienstleistungen, sondern auch Produktionsstätten sind betroffen. Denn auch Zweige der verarbeitenden Industrie verlassen die EU, wodurch in der EU weitere Arbeitsplätze verloren gehen.
Unternehmensfusionen
Der jüngste Versuch des Konzerns Mittal Steel (Unternehmenssitz in Rotterdam, Geschäftsführer und Präsident sind Inder), das in Luxemburg angesiedelte Unternehmen Arcelor zu übernehmen, hat eine weitere potentielle Bedrohung möglich gemacht. In der Welt des freien Handels sind nationale Privatunternehmen zunehmend der Gefahr ausländischer Übernahmen ausgesetzt. Hiermit einher geht die Angst vor weiteren Arbeitsplatzverlusten. Die Position der EU, vertreten durch die Kommissare Kroes (Wettbewerb) und McCreevy (Binnenmarkt, siehe auch seine Rede vom 9. März 2006), besteht darin, dass Nationalismus und Protektionismus bei Übernahmefragen nichts zu suchen hätten: Solange eine Fusion nicht gegen Wettbewerbsvorschriften verstoße, sollte ihr auch nichts im Wege stehen. Bislang gilt dieser Grundsatz jedoch vor allem in Bezug auf innereuropäische Übernahmen. Aber wie verhält es sich mit Übernahmeversuchen aus dem nichteuropäischen Ausland?
Veraltetes Arbeitsrecht?
Einer der Hauptgründe dafür, dass fernöstliche Waren soviel billiger produziert werden können, ist, dass dort Löhne gezahlt werden, die gerade einmal einen Bruchteil hiesiger Gehälter darstellen. Hinzukommt, dass die westeuropäischen Länder in den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein Arbeitsrecht entwickelt haben, das den Arbeitnehmern Lohnniveaus, Arbeitszeiten, Ferientage etc. gewährt, von denen die Menschen in anderen Ländern nur träumen können. Angesichts des sich hieraus ergebenen Wettbewerbsdrucks werden Rufe nach einer Reform des Arbeitsrechts und mehr Flexibilität immer lauter.
Der Europäische Fonds für die Anpassung an die Globalisierung (EGF)
Im März 2006 hat die Kommission die Einrichtung eines Fonds vorgeschlagen, der Arbeitnehmer, die Firmenabwanderungen betroffen sind, unterstützen soll. So sollen 50.000 Arbeitnehmern mit insgesamt € 500 Millionen geholfen werden, mit denen Fortbildungs- und Vermittlungsmaßnahmen sowie die Förderung von Unternehmertum finanziert werden sollen.



