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Da es in der EU gegenüber den USA weitaus weniger Menschen gibt, die bereit sind, ein Unternehmen zu gründen, sowie doppelt so viele Konkursmeldungen, diskutieren Experten, ob Europa die richtigen Bedingungen zum Erfolg bietet. Dazu gehört als höchste Priorität die Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen.
Kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) repräsentieren 99% aller Firmen in der EU. Sie sind mit 23 Millionen Unternehmen, die rund 75 Millionen Menschen beschäftigen, der größte Sektor der Wirtschaft in der EU. KMUs sind für die Schaffung jedes zweiten neuen Arbeitsplatzes verantwortlich und produzieren mehr als die Hälfte des BIPs in der EU.
Aufgrund ihrer geringen Größe und schlanken Strukturen sind KMUs potentiell dynamischer als Großunternehmen, was sie besonders wichtig für wirtschaftliche Innovationen macht.
Damit Europa die Ziele von Lissabon zu Wachstum und Arbeitsplätzen erreichen kann, müssen die KMUs befähigt werden, zu wachsen und sowohl in Europa als auch als globale Akteure erfolgreich zu sein.
Eine regulierende Umwelt, die Unternehmertum und Innovationen unterstützt, ist deshalb unverzichtbar. Die EU hat aus diesem Grund eine Reihe von Maßnahmen und Initiativen zu diesem Ziel entwickelt, einschließlich Programmen zur Stimulierung von Unternehmungen, einer überprüften Politik für KMUs (EurActiv vom 10. November 2005) und einer neuen Innovationsstrategie, die im letzten Jahr angenommen wurde (EurActiv vom 14. September 2006).
Obwohl die EU versucht, das Unternehmertum anzuregen, zeigen sich die Unionsbürger zurückhaltender bei der Gründung eigener Unternehmen und weniger risikofreudig als die US-Amerikaner. Außerdem wachsen viele Unternehmen nach ihrer Gründung in Europa langsamer als in den USA und in Europa werden doppelt so viele Konkursmeldungen verzeichnet.
In einer Debatte, die von Microsoft während des dritten jährlichen KMU-Tages
in Brüssel am 5. Juni 2007 veranstaltet wurde, zogen Experten, unter anderem Unternehmer, Akademiker und Politiker, den Schluss, dass Europa eine Reihe von Schlüsselpolitiken ändern muss, um den unternehmerischen Geist zu entwickeln und das Wachstum von KMUs zu erleichtern:
Jiri Plecity, Verantwortlicher für Unternehmungen und KMUs im Kabinett von Kommissar Verheugen, wies darauf hin, dass die vorgeschlagenen Lösungen, einschließlich Bildung, kultureller Wandel und Steuerreform, außerhalb des Einflussbereichs von Brüssel lägen. Die Kommission schöpfe ihre Möglichkeiten aus, aber die Verantwortung liege in den Händen der Mitgliedstaaten, so Plecity.
Ziga Turk, slowenischer Minister für Wachstum, dessen Land am 1. Januar 2008 die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen wird, sagte, dass die EU zumindest politisch nicht wenig für KMUs unternehme. Er wies auf Bemühungen zur Reduzierung der Bürokratie hin (siehe Linksdossier zu besserer Regulierung), um die Forschung zu fördern und den Zugang von KMUs zu Geldern zu erleichtern.
Nichtsdestotrotz glaube er, dass Finanzen nicht das größte Problem in Europa seien, sondern der Mangel an Risikobereitschaft. Bildung und die Verbreitung von Erfolgsgeschichten seien wichtig. Weniger Eingriff durch Regierungen käme den KMUs zugute; sie könnten nicht, alles was aus Brüssel käme, ‚verdauen’ – nicht einmal Slowenien selbst. Turk begrüßte das neue Ziel der EU, den Verwaltungsaufwand für Unternehmen um 25% zu kürzen.
John Sammis, Gesandter für Wirtschaftsangelegenheiten von der amerikanischen Gesandtschaft bei der EU, stimmte zu, dass die EU zu viel regulieren wolle. Er glaube, dass die Initiative von Angela Merkel, eine Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA bei Regulierungen helfen könne, dabei ein besseres Gleichgewicht zu schaffen (EurActiv vom 5. Januar 2007).
Craig Mundie, Hauptverantwortlicher für Forschung und Strategien bei Microsoft, stimmte zu, dass die Überregulierung ein Problem darstelle. Regulierungen könnten nicht immer eine sich so schnell verändernde Umwelt vorhersehen.
Davon ausgehend, dass Unternehmertum die Eigenschaft einiger Weniger sei, die mit dem ‚Gründungs-Gen’ geboren worden seien, glaube er, dass Europa eine verträglichere Umwelt für solche Gemüter schaffen solle. Dies bedeute Investitionen in Universitätsforschung und eine gesteigerte Attraktivität Europas für ‚große Talente’. Mundie warnte davor, dass immer mehr Forscher und Unternehmer nach Asien abwanderten. Sowohl die EU als auch die USA hätten ihre Einwanderungspolitiken falsch ausgerichtet und ihre Kapazität, einen hohen IQ zu erhalten, sinke.
Schließlich wies er auf die Bedeutung harmonisierter Systeme zu geistigen Eigentumsrechten hin. Eines der größten Hindernisse für kleine Unternehmen sei die Erlangung eines Patents. Die Kosten und die Komplexität seien in Europa viel zu groß.
Frank Brown, Dekan der führenden Wirtschaftsschule INSEAD, betonte nichtsdestotrotz, dass Unternehmertum erlernt werden könne, wenn es in jungen Jahren geschehe. Er glaube, dass Europa seine zu strengen Bildungssysteme reformieren müsse. Es sollten Forschungszentren durch stärkere Finanzierung und geeignetere Einwanderungspolitiken geschaffen werden.
Europa könne noch immer die Führung bei der Erforschung innovativer Energiequellen und Lösungen für den Klimawandel übernehmen, betonte Brown.
Ein Experte für Risikokapitalgeber, Jean Schmitt, sagte, dass ein mangelnder Zugang zu Kapital und Finanzierungsquellen ein großes Problem für die KMUs darstelle. Er wies Europas schlecht funktionierenden Aktienmärkten eine Schuld an der momentanen Situation zu. Sie sorgten in Europa für Geldverluste; es werde mehr nach außen bewegt, als hereinkäme. Die Kapitalkosten und die Art, auf die Geld verdient werde, seien in Europa völlig falsch. Menschen könnten Geld verdienen, indem sie es in kurzfristige Investitionen einbrächten anstatt etwas zu schaffen.
Für ihn liege die Lösung in der Besteuerung. Man müsse kurzfristige Gewinne besteuern und sicherstellen, dass langfristige Investitionen verlässlich belohnt würden, so Schmitt.