Der von BusinessEurope veröffentlichte Spring 2007 Economic Outlook für die Europäische Union prognostiziert ein EU-weites Wirtschaftswachstum von 2,5% in den Jahren 2007 und 2008. Gleichzeitig sagt der Bericht einen Anstieg der Beschäftigungsrate um 1,2 bis 1,3% jährlich voraus, womit sich die Arbeitslosenrate im Jahr 2008 bei 7% bewegen würde. Auch der Stundenlohn wird laut BusinessEurope um 3% pro Jahr steigen.
Der gemeinsam von der Allianz Dresdner Economic Research and dem Think-Tank Lisbon Council veröffentlichte European Growth and Jobs Monitor kommt zu ähnlich optimistischen Einschätzungen. Europa habe letztlich nach enttäuschenden Jahren die Wende erreicht. Die Erreichung der Lissabon-Ziele sei nun näher, als viele vorhergesagt hätten. Ursächlich dafür sei, so der Bericht, die derzeitige schnellere Steigerung der Beschäftigtenproduktivität, die hauptsächlich vom Wirtschaftszyklus abhänge, jedoch eher von „strukturellen Verbesserungen“ hervorgerufen würde.
Der Bericht betont, dass trotz der glanzlosen wirtschaftlichen Aktivität zwischen 2001 und 2005 über 10 Millionen Arbeitsplätze in der EU-15 seit der Einsetzung der Lissabon-Agenda entstanden seien. Laut Bericht stiegen die Beschäftigungszahlen, auch wenn es unwahrscheinlich sei, dass die für 2010 anvisierte Beschäftigungsrate erreicht werden könne. Die Steigerung sei ohne die eher gemäßigte Entwicklung der Arbeitskosten und die größere Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt nicht möglich gewesen.
Gleichzeitig scheint das Vertrauen der Bürger, dass die wirtschaftliche Erholung auch sie bald erreichen werde, viel geringer zu sein. Eine spezielle Eurobarometer-Erhebung 'European social reality' kommt zu dem Ergebnis, dass nur 41% der Europäer daran glaubten, dass sich ihre persönliche Lage in den nächsten fünf Jahren verbessern werde. Von den über 55jährigen und denen, die vor Erreichen des 15. Lebensjahrs die Schule verlassen haben, äußerten sich nur 16 bzw. 24% optimistisch. In diesen Bevölkerungsgruppen waren 34% der Befragten zudem der Auffassung, dass sich ihre Lage in den letzten fünf Jahren verschlechtert habe.
Der Bericht zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit und den negativen Erwartungen an die Zukunft. Zu den größten Sorgen der Europäer gehört, dass sich ihre Arbeits- und Wirtschaftssituation in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern könnte.
In einem Beratungspapier für die Kommission erklären Roger Liddle und Frederic Lerais vom Büro der europäischen Politikberater (ein zur Kommission gehöriger Think Tank), dass die Statistiken zeigten, dass Europa ein ernstes Armutsproblem habe. Insgesamt lebten in der EU-25 72 Mio. Bürger (15%) in Armut, weitere 36 Mio. Bürger seien davon bedroht.
Wie Liddle und Lerais weiter erklären, seien arme Kinder einem unverhältnismäßig großem Anteil an Verlusten, Benachteiligung, schlechter Gesundheit und schlechter Schulergebnisse ausgesetzt. Solche Kinder seien im Erwachsenenalter stärker von Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlten Jobs, einem Leben in Sozialwohnungen und Konflikten mit der Polizei bedroht und würden als Jugendliche eher alkohol- und drogenabhängig werden. Zudem würden sie in den meisten Ländern ihre Chancenlosigkeit auch auf ihre Kinder übertragen. Daraus entstünden wirtschaftliche, soziale und politische Kosten, die in einer rationalen Welt gegenüber den öffentlichen Ausgaben für frühzeitiges Eingreifen aufgerechnet werden sollten, um die Risiken künftiger negativer Auswirkungen und sozialer Isolation abzuschwächen.




