ThemenRubriken
MiniRubriken
Antragsteller für die Veranstaltung der ersten „Knowledge and Innovation Communities“ (KICs), die vom europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT) ausgewählt wurden, werden abgelehnt, sobald ihre Anträge mehr als 40 Seiten umfassen, so Martin Schuurmans, der als Vorstandsvorsitzender des Instituts fungiert.
Das zentrale Element der Anstrengungen der europäischen Kommission, die Kooperation im europäischen Forschungssektor auszubauen, ist das Europäische Institut für Technologie, das auf dem Modell des MIT in den USA basiert.
Der Vorschlag hatte sich ursprünglich Kommissionpräsident Barroso im Februar 2005, als Teil des umgestalteten Lissabonvertrages, ausgedacht. Barrosos ursprüngliche Pläne sind seitdem immer weiter zurückgeschnitten worden.
Der hauptsächliche Schwerpunkt soll auf dem Klimawandel, erneuerbaren Energien und der nächsten Generation von Informations- und Kommunikationstechnologien liegen. Es begann seine erste Ausschreibung zu zwei bis drei Wissens- und Innovationsgemeinschaften im April und soll diese bis Januar 2010 auswählen.
Der Schritt ist Teil von Schuurmans Versuchen dem EIT mehr Geschwindigkeit und einen geschäftsähnlichen Ansatz zu verleihen. Er gab ebenfalls bekannt, dass man sich auf Gesundheitsvorsorge und andere wichtige gesellschaftliche Themen konzentrieren solle, die „in drei oder vier Jahren“ Teil des Bündels des EIT für die nächsten Wissens- und Innovationsgemeinschaften sein könnten.
Auf einer Konferenz über das Thema der „Interfacing Innovation“ in Brüssel, die vom Europäischen Journalistenzentrum veranstaltet wurde, sagte Schuurmans, dass das EIT eine dynamische Organisation bleiben solle und er hoffe damit Bürokratie zu reduzieren. Er sagte ebenfalls, dass es „fünf Jahre des Redens“ gebraucht habe, das Institut zu gründen, aber nur sechs Monate, um die erste Ausschreibung zu organisieren. Die ersten KICs würden Ende des Jahres ausgewählt, fügte er hinzu.
Die KICs haben einen minimalen Lebenszeitraum von sieben Jahren Sie können aber auf bis zu 15 Jahre erweitert werden. Schuurmans sagte, dass bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr für die KICs zur Verfügung stehen würden, wovon 25 Prozent aus den Töpfen des EIT stamme und der Rest aus den existierenden Förderprogrammen von Universitäten oder der Wirtschaft.
Man wolle ihnen Freiraum geben und ihnen nicht vorschreiben, wie Dinge zu erledigen seien. Außerdem würde man sie nicht mit Schreibarbeit überhäufen wollen. Vorschläge, die länger als 40 Seiten seien, würden automatisch von der Webseite des EIC zurückgewiesen.
Er betonte auch den Bedarf an professioneller Führung innerhalb jeder KIC und bestand darauf, dass das EIT versuche die Schaffung simpler Netzwerke von existierenden europäischen Projekten zu verhindern. .
Weiter sagte er, dass eine kleine Anzahl von Zentren die Führung über ein bestimmtes Projekt übernehmen solle. Wenn es zum Beispiel 20 Universitäten gebe, dann sollten zwei davon die Führung übernehmen. Die Wirtschaft sei damit zufrieden, da sie Investitionen nicht über viele Zentren verteilt sehen wolle.
Schuurmans fügte hinzu, dass viele Gelder in die Innovation geflossen seien, Europa aber einen größeren Rückfluss aus diesen Investitionen brauche. Trotzdem habe Bürokratie die unternehmerische Aktivität zurückgehalten, so der Chef des EIT weiter. Einfachheit sei die Lösung. Man wolle, dass der Geist der Projekte anders sei, als der der bereits existierenden Programme in Europa.
Das EIT sucht derzeit nach einem Direktor, der seinen Sitz im Hauptquartier in Budapest haben wird. Er fügte hinzu, dass das EIT im November in an seinen neuen Standort ziehen werde.
Der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso sagte, dass er glücklich gewesen sei, dass das EIT umgesetzt wurde. Als man die Idee vorschlug gab es viele Pessimisten, die sagten, dass es niemals zu Stande kommen würde und es gab Zyniker, die behaupteten, dass es nur ein weiteres Programm werden würde.
Es habe aber auch Optimisten gegeben, die sagten, dass es möglich sei und dass es funktionieren könne, so Barroso. Er fügte hinzu, dass er glücklich sei, dass diese Recht behalten hätten.
Weiter sagte er, dass die Krise ein Anstoß für das Erreichen der Lissabonagenda sein könne, dessen Ziel es ist drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung zu stecken.
Karel Bartak, der Chef der Arbeitsgruppe für Kommunikation und Verwertung von Ergebnissen in der Abteilung der Kommission für Bildung und Kultur sagte, dass das EIT mit der Ausschreibung für die ersten KICs konkreter werde. Er hoffe, dass es in der Zukunft eine Maschine der Innovation werden würde, so Bartak weiter, und dass es die erste Initiative sei um alle Seiten des „Wissensdreiecks“ zusammen zu bringen: Forschung, Bildung und Innovation.
Bartak sagte, dass die Kommission die Mitgliedstaaten dazu drängen sollte, ihre Investitionen in Forschung und Bildung nicht zu reduzieren, da dies die Basis für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sei.
Jan Figel’, der Europäische Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend sagte, dass Europa aufhören solle sich über das Abwandern von qualifizierten Fachkräften ins Ausland zu beschweren und stattdessen selbst Handeln müsse, um innovationsfreundlicher zu werden. Dies bedeute man müsse Forschung menschenfreundlich und attraktiv für Forscher gestalten, so Figel’ weiter.
Mirko Lorenz, der Verantwortliche für Innovationsprojekte bei der Deutschen Welle sagte, dass die Ziele der Lissabonagenda wohl nicht erreicht werden. Das Jahr 2010 sei schon fast erreicht und man sei bis jetzt noch nicht die wettbewerbsfähigste Forschungsgesellschaft der Welt. Trotzdem sollte man nicht zu zynisch über den Fortschritt sein. Es gebe eine Reihe von weltweit führenden Unternehmen, so Lorenz.
Lorenz sagte weiter, dass es einige positive Indikatoren für das Jahr 2007 gegeben habe, dass Europa Fortschritte machen würde, dies sei aber vor dem Beginn der Finanzkrise gewesen.
Roland Strauss, der Direktor von Knowledge4Innovation sagte, dass Europa jede Menge Innovationsfähigkeit habe, aber Wege finden müsse, diese auszubeuten und seine Anstrengungen zu bemühen. Man müsse mehr existierendes Wissen und Innovationen ausnutzen. Überall in Europa würden verschiedene Sektoren miteinander reden. Oft seien die Lösungen der Probleme bereits vorhanden, aber Forschung würde unnütz wiederholt. .
John Vassallo, der Vizepräsident für EU-Fragen und Berater bei Microsoft sagte, dass in den Dreißiger Jahren die Firmen am besten die Krise überwunden hätten, die am innovativsten gewesen seien. Er sagte, dass Europa in den Bereichen Gesundheitswesen und Bildung mehr investieren müsse um auf den demographischen Wandel zu reagieren.
Vassallo warnte auch davor, Wissen als selbstverständlich anzusehen. Die neue Blase sei die Wissensblase. Genauso wie man glaubte, dass man einen Freibrief für Schulden hätte, glaube man nun dass dies auch für Wissen zutreffe, aber Erfinder und Forscher müssten anständig entlohnt werden.
Magnus Madfors, der Direktor für Forschung und Technologie bei Ericsson, sagte dass das EIT ein exzellentes Instrument sei um Forschungskapazitäten zu errichten. Es würde alle Bereiche der Forschung, Bildung und Innovation zusammenbringen. Es gäbe eine Liste an Programmen, aber keines davon bringe alle drei zusammen, so Madfors weiter.
Christopher Allem, der stellvertretende Chef der Arbeitsgruppe für die Entwicklung von Industriepolitik bei dem Generaldirektoriat der Kommission für Unternehmen und Industrie sagte, dass es einen Paradigmenwechsel in der Lissabonagenda gegeben habe. Es habe einen Schritt weg von der Vorstellung gegeben, dass jedes Land seine eigene Tagesordnung zu setzen habe, hin zu einem mehr vernetzten Ansatz.
Juan Cajiao, der Präsident der Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales (AIESEC International) untermauerte die Wichtigkeit Menschen zu motivieren, innovativer zu werden und mehr über Innovation zu kommunizieren. Man solle sich fragen, wie man Innovation für Kinder populärer machen könne, aber auch für Menschen die schon arbeiten, so Cajiao weiter.