EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

EU-Migrationspolitik auf "falschem Weg" [DE]

Veröffentlicht 21. Oktober 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Europas Migrationspolitik versäumt es, sich das mit kultureller Vielfalt einhergehende kreative Potenzial zu Nutze zu machen, so ein führender Stadtplanungsexperte, der davor warnte, dass das 'Blue Card'-Verfahren der EU Menschen als "wirtschaftliche Einheiten" behandelt.

Auf einer Diskussion im Rahmen des ‚2009 – Europäisches Jahr der Kreativität und Innovation’ äußerte sich Phil Wood, Berater des Europarats für interkulturelle Städte, kritisch zu "neo-liberalen Städten", wie er sie bezeichnete. Diese ziehen ein breites Spektrum sozialer und ethnischer Gruppen an, die nicht immer miteinander interagieren.

Seiner Meinung nach kann Stadtplanung mit kreativen Räumen und unter Anerkennung der Unterschiede zu einer lebhaften Atmosphäre beitragen.

Wood, Autor von 'The Intercultural City: Planning for Diversity Advantage' meint, Europas Haltung zu Migration wird mehr und mehr utilitaristisch werde.

 „Wir beurteilen nun Migranten danach, ob sie nützlich sind oder nicht. Wir haben Migranten in wirtschaftliche Einheiten gepresst. Es gibt keine politische Leitidee – Migrationspolitik wird vom Markt definiert – doch wir wissen nun, dass der Markt fehlbar ist“, so Wood.

Auf die Frage, ob die „Blue Card“ für ausgebildete Migranten ein Schritt in die richtige Richtung sei, äußerte er sich „besorgt“. „Warum sind  Menschen mit ingeneurwissenschaftlichem Doktortitel wertvoller als andere?“, fragte er.

Wood warnte vor einer politischen Gegenreaktion aus den unteren sozioökonomischen Schichten, wenn die Politiker Führungsschwäche im Bereich Migration zeigen. Wenn Politiker sich scheuen, sich mit den Spannungen in multi-kulturell geprägten Städten zu befassen, werden die Extremisten die Differenzen für ihre eigenen Zwecke ausnutzen.

"Wir sind im Moment auf dem falschen Weg. Wir brauchen Führung. Die Politiker fürchten eine Gegenreaktion der weißen Arbeiterklasse. Die weiße Kreative Klasse findet Kreativität und Vielfalt sexy, aber wir verstehen nicht die Angst bei Menschen, die Einwanderung mit Konkurrenz um die Arbeitsplätze gleichsetze. Es sind Populisten, die diese Angst schüren", sagte er.

Vielfalt kann für Innovation ein Segen sein, so Wood, der auf den zunehmenden Trend für kreative Unternehmen hinwies, die Arbeitsteams aus einer breiten Palette mit verschiedenen Hintergründen aufstellen. Er fügte hinzu, dass es in den Vereinigten Staaten Beweise gibt, dass im Ausland geboren Erfindern die Patentanmeldungen anschüren.

Kreativität geht weit über Kunst hinaus

Ebenfalls an der Debatte beteiligt war Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend, der sagte, dass das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen menschlichen Kulturen zu Kreativität führe. Er nannte Silicon Valley als ein Beispiel für eine Unternehmung, die ohne kulturelle Vielfalt niemals stattgefunden hätte.

„Geschlossene und einheitliche Gesellschaften haben historisch gesehen weniger Austausch erfahren. Offenheit ist gut für Kreativität und Innovation. Jedoch spiegelt sich das nicht nur in der Kunst wider, sondern gilt auch für Wissenschaft und technologischen Fortschritt. Die Kommission möchte Kreativität ausdehnen, sodass sie nicht nur als ein Produkt der schönen Künste gesehen wird“, sagte er.

Dem widersprach jedoch Sabine Frank, Vorsitzende des Netzwerks Platform for Intercultural Europe, die sagte, dass der Kreativitätsbegriff in zunehmendem Maße mit Wirtschaftsleistung in Zusammenhang stehe.

„Ich bekomme dabei den Eindruck, dass Kreativität im EU-Kontext meistens mit Innovation, die zu Wirtschaftswachstum führt, in Verbindung gebracht wird. Also geht es vor allem um Wissenschaft, Technologie und Industrie“, sagte sie.

Sie sagte, ihre Organisation wolle „anteilnehmende Kreativität“ sehen, die Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt.

Stellungnahmen: 

Bola Olabisi, Geschäftsführer des Global Women Inventors & Innovators Network, sagte die Medien spielen eine Schlüsselrolle in der Beeinflussung der Mentalität. "Wenn wir uns die Medien anschauen, finden wir nicht immer so viel kulturelle Vielfalt wie wir sollten". 

Sie drückte Bedenken aus, dass nur 5,5% der weiblichen Erfinder ihr geistiges Eigentum schützen. Der Zugang zur Finanzierung hält Frauen auch zurück, sagte sie und fügte hinzu, dass eine von fünf Frauen Zugang zu Risikokapital haben. 

Daniel de Torres, Barcelonas Kommissar für Integration und interkulturellen Dialog, sagte seine Stadt hätte eine dramatische Zunahme der Vielfalt in den letzten Jahren gesehen. Er sagte, die klaren theoretischen Prinzipien wie Gleichheit und der Grundsatz der Verschiedenheit sollten die Politik auf diesem Gebiet unterstreichen. 

Laut de Torres war in Barcelona die Priorität, in gemischte Nutzung von Nachbarschaften zu investieren, die es ermöglichen in jedem Teil der Stadt zu leben, einzukaufen und zu arbeiten. 

Hans Martens, Geschäftsführer des European Policy Centre, sagte es sei schwierig, den genauen Zusammenhang zwischen Vielfalt und Kreativität zu messen. Er fügte hinzu, dass "Vielfalt unser Leben würze". 

Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend, sagte, das Europäische Jahr 2009 sei ein angemessener Schritt nach dem letzt jährigen Fokus auf den interkulturellen Dialog. Es sei wichtig für Europa günstige Bedingungen für Kreativität zu schaffen, bemerkte er.

Hintergrund : 

Seit 1983 gibt es Europäische Jahre, welche die Aufmerksamkeit jeweils auf ein besonderes Thema lenken sollen, wie zum Beispiel Arbeitnehmermobilität oder interkulturellen Dialog. Letztes Jahr hat sich die EU entschieden, 2009 unter das Motto 'Kreativität und Innovation' zu stellen. Im Rahmen dieses Europäischen Jahres versucht die Union die Definition von Innovation zu erweitern sowie Künstler und Unternehmer zusammenzubringen.

Die Rolle von Musik in der Erziehung war ursprünglich als Blickpunkt für 2009 vorgeschlagen worden, dieser entwickelte sich jedoch allmählich zum jetzigen Motto. Innovation hat im Licht der Wirtschaftskrise noch an Wichtigkeit hinzu gewonnen.

Die EU ist bestrebt hoch qualifizierte Zuwanderer anzuziehen, um der wachsenden Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu entsprechen. Die Versorgung mit technischen Spezialisten verschlechtert sich ständig und die Europäische Union war nicht so erfolgreich wie die USA, Kanada, Australien oder Neuseeland; Länder, die eine große Anzahl an Technikern und Ingenieuren aus den aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien ausbilden. 

Um das Problem anzugehen hat die EU die so genannte "Blue Card"-Regelung eingeführt (siehe EurActiv LinksDossier). 

More in this section

Advertising