Auf einer Diskussion im Rahmen des ‚2009 – Europäisches Jahr der Kreativität und Innovation’ äußerte sich Phil Wood, Berater des Europarats für interkulturelle Städte, kritisch zu "neo-liberalen Städten", wie er sie bezeichnete. Diese ziehen ein breites Spektrum sozialer und ethnischer Gruppen an, die nicht immer miteinander interagieren.
Seiner Meinung nach kann Stadtplanung mit kreativen Räumen und unter Anerkennung der Unterschiede zu einer lebhaften Atmosphäre beitragen.
Wood, Autor von 'The Intercultural City: Planning for Diversity Advantage' meint, Europas Haltung zu Migration wird mehr und mehr utilitaristisch werde.
„Wir beurteilen nun Migranten danach, ob sie nützlich sind oder nicht. Wir haben Migranten in wirtschaftliche Einheiten gepresst. Es gibt keine politische Leitidee – Migrationspolitik wird vom Markt definiert – doch wir wissen nun, dass der Markt fehlbar ist“, so Wood.
Auf die Frage, ob die „Blue Card“ für ausgebildete Migranten ein Schritt in die richtige Richtung sei, äußerte er sich „besorgt“. „Warum sind Menschen mit ingeneurwissenschaftlichem Doktortitel wertvoller als andere?“, fragte er.
Wood warnte vor einer politischen Gegenreaktion aus den unteren sozioökonomischen Schichten, wenn die Politiker Führungsschwäche im Bereich Migration zeigen. Wenn Politiker sich scheuen, sich mit den Spannungen in multi-kulturell geprägten Städten zu befassen, werden die Extremisten die Differenzen für ihre eigenen Zwecke ausnutzen.
"Wir sind im Moment auf dem falschen Weg. Wir brauchen Führung. Die Politiker fürchten eine Gegenreaktion der weißen Arbeiterklasse. Die weiße Kreative Klasse findet Kreativität und Vielfalt sexy, aber wir verstehen nicht die Angst bei Menschen, die Einwanderung mit Konkurrenz um die Arbeitsplätze gleichsetze. Es sind Populisten, die diese Angst schüren", sagte er.
Vielfalt kann für Innovation ein Segen sein, so Wood, der auf den zunehmenden Trend für kreative Unternehmen hinwies, die Arbeitsteams aus einer breiten Palette mit verschiedenen Hintergründen aufstellen. Er fügte hinzu, dass es in den Vereinigten Staaten Beweise gibt, dass im Ausland geboren Erfindern die Patentanmeldungen anschüren.
Kreativität geht weit über Kunst hinaus
Ebenfalls an der Debatte beteiligt war Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend, der sagte, dass das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen menschlichen Kulturen zu Kreativität führe. Er nannte Silicon Valley als ein Beispiel für eine Unternehmung, die ohne kulturelle Vielfalt niemals stattgefunden hätte.
„Geschlossene und einheitliche Gesellschaften haben historisch gesehen weniger Austausch erfahren. Offenheit ist gut für Kreativität und Innovation. Jedoch spiegelt sich das nicht nur in der Kunst wider, sondern gilt auch für Wissenschaft und technologischen Fortschritt. Die Kommission möchte Kreativität ausdehnen, sodass sie nicht nur als ein Produkt der schönen Künste gesehen wird“, sagte er.
Dem widersprach jedoch Sabine Frank, Vorsitzende des Netzwerks Platform for Intercultural Europe, die sagte, dass der Kreativitätsbegriff in zunehmendem Maße mit Wirtschaftsleistung in Zusammenhang stehe.
„Ich bekomme dabei den Eindruck, dass Kreativität im EU-Kontext meistens mit Innovation, die zu Wirtschaftswachstum führt, in Verbindung gebracht wird. Also geht es vor allem um Wissenschaft, Technologie und Industrie“, sagte sie.
Sie sagte, ihre Organisation wolle „anteilnehmende Kreativität“ sehen, die Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt.




