EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Experten fordern radikalen Wandel in der EU-Innovationspolitk [DE]

Veröffentlicht 09. Dezember 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Fünf Sachverständigengruppen haben ein gemeinsames Strategiepapier herausgebracht und fordern darin grundlegende Veränderungen bei der europäischen Innovationspolitik, nur wenige Wochen bevor der erste EU-Kommissar für Forschung und Innovation sein Amt antreten wird.

Mitglieder der fünf beratenden Gruppen fordern die EU dazu auf, ihre langfristigen Planungen „radikal zu verbessern” als Teil einer umfassend neuen Strategie zur Organisation von Forschung und Innovation. Bei einem von Science|Business ausgerichteten Seminar im Europäischen Parlament betonten die Experten fünf Schlüsselbereiche, wo es einen Konsens über eine Überarbeitung der F&E-Infrastruktur gibt.

„Die Welt hat sich verändert. Märkte sind global geworden. Wissenschaft ist ein zunehmend wettbewerbsorientiertes Unterfangen. Innovation ist dabei, zum wichtigsten Motor für Wachstum und Beschäftigung in der wachsenden wissensbasierten Wirtschaft zu werden. Aber in der Europäischen Union müssen viele der Politiken im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation radikal verbessert werden“, sagten die Gruppen in einer gemeinsamen Erklärung.

Sie wollen eine stärkere Ausrichtung von EU-Förderprogrammen auf Forschungen zu den „großen sozialen Herausforderungen”, vor denen Europa steht, darunter Klimaschutz, alternative Energien, Gesundheitsversorgung für eine alternde Bevölkerung, Sicherheit und Kohäsionspolitik.

Neue Netzwerke, Institutionen und Politiken für eine „offene Innovation” würden ebenfalls nötig sein, ebenso wie eine erhöhte Mobilität von Forschern und die Einführung eines EU-weiten Patentsystems.

Die Sachverständigengruppen – von denen vier ursprünglich von der EU-Exekutive ernannt wurden, während eine Gruppe unabhängig ist – sagten, dass Regierungen ihre Investitionen in höherer Bildung, Forschung und Innovation verstärken müssten, gerade in Zeiten öffentlicher Sparmaßnahmen.

Gesamtansatz für Forschung nötig

Vernetztes Denken und Koordinierung von Forschungsprogrammen zwischen Brüssel und den nationalen Regierungen seien nötig, um das bürokratische Fördersystem effizienter zu machen, so die Gruppen.

Schließlich ruft die Konsenserklärung zu einem offenen Wettbewerb zwischen europäischen Programmen auf, um die Standards in der Union zu erhöhen. „Hervorragende Leistungen müssen für die EU-Programme zu Forschung, Entwicklung und Innovation die Parole sein. Nur so sind wir auf globaler Ebene wettbewerbsfähig“, sagten die Gruppen.

Nachdem der Europäische Kommissionspräsident José Manuel Barroso Innovation zu einer Priorität der nächsten EU-Exekutive erklärt hatte, haben Forschungsgemeinschaft und innovative Industrien den Druck erhöht. Barroso bereitet sich ebenfalls auf die Ernennung eines wissenschaftlichen Chefberaters vor.

Fortschritte sind bereits in mehreren der von den fünf Sachverständigengruppen angesprochenen Bereiche versprochen worden – die alle ihre Empfehlungen bereits einzeln veröffentlicht hatten, bevor sie diese Woche gemeinsam auftraten.

Nichtsdestotrotz muss sich die neue EU-Exekutive darauf einstellen, dass die Forschungsgemeinschaft jegliche Entwicklungen in Erwartung großer Veränderungen genau verfolgen wird, nachdem Innovation dank der Kommission in Brüssel in aller Munde ist.

Stellungnahmen: 

John Wood, Vorsitzender des European Research Area Board, sagte, Forschung und Innovation müssten „von den großen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, angetrieben werden”. Europa müsse sich das Potenzial öffentlicher Auftragsvergabe zunutze machen, da ein großer Teil der finanziellen Ressourcen diesem Bereich gewidmet seien. Woods möchte ebenfalls, dass Regelungen für staatliche Beihilfen geklärt werden, um Regierungen bei Investitionen in dringend benötigte neue Technologien zu unterstützen.

Wood zufolge sollten neuere EU-Mitgliedstaaten das Potenzial von Förderprogrammen ausnutzen, um Forschungsausgaben zu erhöhen. „Neue Mitgliedstaaten brauchen Unterstützung bei Forschungsinvestitionen. Die Strukturfonds sind da, aber das Geld wird nicht genutzt“, sagte er.

Wood, ein führender Ingenieur, forderte von Europa ein verändertes Bewusstsein, wenn es um die Finanzierung riskanter Projekte gehe, von denen einige wahrscheinlich keine Früchte tragen würden. „Wenn 30% der Projekte in Europa nicht scheitern, dann gehen wir nicht genug Risiken ein“, sagte er.

Luc Soete, Vorsitzender der Expertengruppe zur Rolle der gemeinschaftlichen Forschungspolitik in der wissensbasierten Wirtschaft bei DG Forschung, sagte, die gesellschaftliche Herausforderung sei nicht nur, die Zahl der Erfindungen zu steigern, sondern auch die Richtung des Erfindungsreichtums zu beeinflussen. Er hinterfragte den Wert einer Zielsetzung von 3% für F&E-Ausgaben, ohne etwas über den Charakter von F&E zu sagen.

Regierungen sollten Zielsetzungen für private Forschungsausgaben vermeiden, sondern sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen sie die meisten Befugnisse hätten.

„Europa sollte 2% seines BIP in höhere Bildung investieren – egal, ob dies öffentlich oder durch private Beiträge finanziert wird. Ausgaben in diesem Bereicht betragen derzeit 1,3%. Regierungen sollten sich auch dazu verpflichten, 1% ihres BIP für Forschung auszugeben, was eine deutliche Steigerung gegenüber der jetzigen Zahl von 0,62% wäre“, sagte er.

Laut Soete wird zehn bis 20 Mal mehr Geld für öffentliche Aufträge als für Forschung ausgegeben. Dies müsse man sich daher bei einer Ausrichtung der Forschungsagenda auf eine Bewältigung der sozialen Herausforderungen Europas zunutze machen.

Gernot Klotz, Mitglied der Expertengruppe zu Europäischen Technologieplattformen, war der Auffassung, Europa habe ein Problem damit, Ideen in vermarktbare Projekte umzuwandeln. Ein Teil des Problems sei die fehlende Finanzierung für Vorzeigeprojekte. Klotz, der bei der Chemiegruppe Cefic Leiter für Forschung und Innovation ist, plädierte für nachhaltigere Innovationen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

„Europa braucht heute die effizientere Nutzung verfügbarer Ressourcen zwischen Beteiligten, die Führungsstärke des EU-Präsidenten und neue Wege der Zusammenarbeit zwischen EU-Institutionen und Mitgliedstaaten, um rechtzeitige Lösungen zu gewährleisten“, sagte er.

Die portugiesische Europaabgeordnete Maria da Graça Carvalho sagte, die Ernennung eines Forschungs- und Innovationskommissars sei eine wichtige Initiative von Präsident Barroso. Sie betonte die Notwendigkeit eines neuen Innovationsansatzes in Europa.

„Die EU braucht eine neue industrielle Erzählweise, welche die Diskussion und die Tagesordnung bei Innovation und Wissen antreiben wird. Diese Erzählweise entsteht gerade, während Industrien in Europa anfangen, den Weg für eine kohlenstofffreie industrielle Revolution zu bereiten“, sagte sie.

Carvalho fügte hinzu, dass die F&E-Landschaft in Europa ohne die Lissabon-Strategie in einer schlechteren Verfassung wäre.

Der britische Europaabgeordnete der Konservativen James Elles vertrat die Auffassung, vorausschauendes Denken sei für die Entwicklung intelligenterer Politiken in Vorbereitung auf künftige Herausforderungen wesentlich.

„Während die USA und China Langzeitplanungen ernst nehmen, besitzt die EU immer noch kein derartiges System. Wir müssen ein interinstitutionelles System schaffen, das die langfristigen Entwicklungen, vor denen die EU steht, identifiziert. So könnten politische Entscheidungsträger die stattfindenden wesentlichen langfristigen Entwicklungen identifizieren und die besten Reaktionen darauf entwickeln. Langfristige Entwicklungen zeigen, dass es dringend nötig ist, sich auf Forschung zu konzentrieren, um auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte er.

Richard L. Hudson vom Innovationsausschuss von Science|Business, einer unabhängigen, gemeinnützigen Organisation im Bereich der Innovationspolitik, sagte, das von den fünf Sachverständigengruppen zusammengestellte Dokument zeige einen sich herauskristallisierenden Konsens der Forschungsgemeinschaft über Maßnahmen zur Wiederbelebung der europäischen F&E-Landschaft. Er bezeichnete das Dokument als „starke Erklärung“, die für die neue Europäische Kommission Akzente setzen werde.

 

Hintergrund : 

Innovation steht ganz oben auf der politischen Tagesordnung in Brüssel, teils aufgrund der Wirtschaftskrise und des Wettbewerbs von Schwellenländern und teils wegen des Europäischen Jahres der Kreativität und Innovation 2009.

Mit Auslaufen der Lissabon-Agenda für Wachstum und Beschäftigung 2010 und das für nächstes Frühjahr versprochene Europäische Innovationsgesetz hat der Europäische Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Irin Máire Geoghegan Quinn zur ersten europäischen Kommissarin für Wissenschaft und Innovation ernannt (EurActiv vom 30. November 2009).

Der Schritt dehnt das ehemalige Ressort für Wissenschaft und Forschung aus und soll der seit Langem vertretenen Kritik entgegentreten, dass die Innovationspolitik der EU zu zersplittert und zwischen mehreren Teilen des politischen Räderwerks in Brüssel aufgeteilt sei.

More in this section

Advertising