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Da die EU derzeit über ihre zwei Jahre alte KMU-Strategie ‚Think Small First’ Bilanz zieht, sagte Jonathan Zuck, der Präsident der Association for Competitive Technology, in einem Interview mit EurActiv, dass die Zurückhaltung der EU-Bürger in Bezug auf Risikobreitschaft übertrieben sei und dass der wahre Grund für den Mangel an Unternehmertum in der Union in der Abwesenheit eines „förderlichen“ rechtlichen Rahmens zu suchen sei.
Am 8. Oktober 2007 hat die Kommission eine breit angelegte Überarbeitung ihrer KMU-Politik nach dem Prinzip „Think Small First“ („zuerst in kleinen Dimensionen denken“) von November 2005 vorgelegt. Diese zeigte eine Reihe von Erfolgen auf, die bereits erreicht worden sind. Zu ihnen zählen beispielsweise der Bürokratieabbau und wesentliche Senkungen des Kosten- und Zeitaufwands, der notwendig ist, um ein neues Unternehmen zu gründen.
Gleichzeitig hat die Kommission eine Reihe von neuen Initiativen vorgelegt, die eine unternehmerischere Einstellung in Europa fördern sollen. Die Ergebnisse einer jüngsten Eurobarometer-Umfrage haben gezeigt, dass 28% der Europäer daran interessiert seien, Unternehmer zu werden, wohingegen 49% der EU-Bürger nie daran gedacht hätten, ein Unternehmen zu gründen. Letztere Ziffer ist fast doppelt so hoch, wie die entsprechende Zahl in den USA (EurActiv vom 9. Oktober 2007).
Aber tut die EU tatsächlich genug, um ihren kleinen Unternehmen beim Wachstum zu helfen? Diese machen etwa 70% der Arbeitsplätze und des BIP der Union aus, und sie befinden sich derzeit unter zunehmendem Wettbewerbsdruck von Ländern wie China und Indien.
Jonathan Zuck ist Präsident der Association for Competitive Technology (ACT), die weltweit mehr als 3 000 IT-KMUs vertritt, ebenso wie größere Unternehmen wie eBay, Oracle und Microsoft. Er sagte im Gespräch mit EurActiv, dass während die EU sagt, sie sei darauf bedacht, die Geschäftwelt für ihre kleinen und mittleren Unternehmen zu verbessern, ist er der Meinung, die Kommission setze nicht immer die richtigen Prioritäten. Er sagt, es könne noch mehr getan werden, um eine „gesunde technische Umgebung“ zu schaffen, die Innovation, Wettbewerb und Investitionen fördere.
Die jüngsten Kommissionsdokumente zur KMU-Politik betonen die Notwendigkeit, dass man dem fehlenden Unternehmertum der europäischen Bürger begegnen müsse, besonders durch Ausbildung und Berufsbildung. Zuck unterstrich demgegenüber jedoch, „das wichtigste, das Europa für ein Unternehmertum tun kann, ist, eine Umgebung zu schaffen, die diesem Unternehmertum förderlich ist – mit anderen Worten: es Wagniskapitalgesellschaften erleichtern, innerhalb Europas zu arbeiten, oder das Konkursrecht zu reformieren“.
Zuck ist der Meinung, dass Europas „kulturelle Ablehnung von Risiken übertrieben“ sei. Er sagt, „in Wirklichkeit könnte, wenn die Risiken zu hoch und die Gewinne zu klein sind, das, was als risikounfreundliches Verhalten verstanden wird, im Grunde nur Rationalität sei“.
Laut Zuck, ist „die Schaffung einer Umwelt für Unternehmertum eine Kombination aus Instabilität und Möglichkeiten.“
„Wenn man zu viele Annehmlichkeiten am Arbeitsplatz und beim Sozialschutz hat und wenn man eine Menge von Einschränkungen im Hinblick auf Erfolgsmöglichkeiten hat – sowohl durch die Steuer als auch durch regulatorische Systeme, dann erscheint das Risiko, diesen ‚komfortablen Bereich’ zu verlassen, um das Risiko einzugehen, viel zu hoch zu sein.“
Daher besteht Zuck darauf, dass die EU eine Umgebung schaffen müsse, in der das „Risk to Reward Ratio“ (Chancen-Risiken-Verhältnis) vermindert sei.
„Es gibt noch immer viele Dinge, die für kleine Unternehmen vereinfacht werden müssen, wenn sie wachsen und auf europaweiter Ebene agieren wollten“, so Zuck. Er verwies auf die Schwierigkeiten, die mit der Anstellung von ausländischen Arbeitskräften, mit dem Einfahren von Risikokapital, mit dem Tätigen von Geschäften in anderen Ländern etc. in Zusammenhang stünden.
Was KMUs benötigen, ist eine niedrige Flexibilität in Hinblick auf ihre Gemeinkosten (…). Aber die Gesetze, die für einen selbstständigen Unternehmer gelten, sind sehr kompliziert – es gibt noch immer Bereiche, die der Vereinfachung benötigen“, betonte Zuck.
Die Schaffung eines Statuts für die Europäische Privatgesellschaft wäre „sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Zuck in Bezug auf Maßnahmen auf EU-Ebene, um die Schaffung eines einheitlichen Statuts für alle EU-Privatgesellschaften zu untersuchen. Dies erleichtere es kleinen und mittelgroßen Unternehmen, ein europaweites Netzwerk von Tochterunternehmen zu schaffen und im gesamten Binnenmarkt zu operieren, und ohne sich nach den 27 unterschiedlichen nationalen Gesetzesbestimmungen zu richten (EurActiv vom 15. Mai 2007).
Die Kommission hält gegenwärtig eine öffentliche Konsultation
zu diesem Thema ab (EurActiv vom 24. Juli 2007).
Zuck bemerkte nichtsdestotrotz, dass „die Schaffung eines Tochterunternehmens immer noch hohe Geschäftskosten bedeutet, um in einem anderen Mitgliedstaat tätig sein zu können“. Er fügte hinzu, „dass KMUs idealerweise die Möglichkeit haben würden, Arbeitnehmer, Kunden und Partner direkt“ in anderen Ländern, ohne die Schaffung von Zweigunternehmen, „zu verpflichten“.
Zuck forderte Europa dazu auf, seinen geistigen Eigentums-„Sumpf“ anzugehen; er betonte, dass das Fehlen eines Gemeinschaftspatents große Verluste für die europäische Wirtschaft verursache (siehe LinksDossier über das Gemeinschaftspatent).
„Viele KMUs patentieren ihre Erfindungen in den USA statt in Europa, weil sie dort viel effizienter in einen Markt eintreten können, als wenn sie ihre Erfindungen in Europa patentieren lassen würden. Ich denke, dies ist eine Schande und außerdem erachte ich ein weniger kompliziertes, weniger fragmentiertes System in Europa als einen Segen für Unternehmertum und Innovation in ganz Europa“, betonte Zuck.
Mit Hinblick auf den Vorschlag der Kommission, ein Europäisches Technologieinstitut zu gründen (siehe LinksDossier), das auf dem Beispiel des amerikanischen MIT basieren und das Forschung, Lehre und Innovation miteinander verknüpfen würde, sagte Zuck: „Ich denke, dies hat das Potenzial, interessant zu sein, aber es verfehlt den Sinn...In Europa herrscht ein beständiger Wunsch von Seiten der Regierung, etwas ‚zu schaffen und zu managen’; in Wirklichkeit aber ist es meistens eine Frage dem Ganzen aus dem Weg zu gehen.“
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