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28. November 2009
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Kommission möchte Partnerschaft zwischen Hochschulen und Wirtschaft fördern [DE][en][fr

Erschienen: Freitag 6. Februar 2009   

Die Europäische Kommission wird ein Dossier veröffentlichen, in dem sie Universitäten dazu aufruft, Partnerschaften mit Unternehmen der freien Wirtschaft zu intensivieren. Allerdings gibt es im Bildungswesen Stimmen, die sich kritisch über die Mitwirkung der Wirtschaft bei der Lehrplangestaltung äußern.

Hintergrund:

Die Tendenz geht immer stärker zur engen Zusammenarbeit von Lehre und Wirtschaft. So setzen sich wichtige Interessengruppen beider Seiten für einen Wissensaustausch zwischen öffentlich finanzierter Forschung und privaten Unternehmen ein.

Europäische Hochschulen wechseln immer mehr von einem angebotsorientierten, hin zu einem nachfrageorientiertem System, in der die Universitäten in der Entwicklung von Studiengängen sowie in der Auswahl ihrer Forschungsrichtung immer mehr auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingehen.

Im Bildungssektor besteht deshalb die Sorge, dass sich die Hochschulbildung auf Kosten der Kunst und Gesellschaftswissenschaften eher auf wissenschaftliche und technische Fachgebiete konzentrieren könnte. Die Fürsprecher einer engeren Zusammenarbeit argumentieren jedoch, dass auch die Gesellschaftswissenschaften eine Quelle von Innovation sein können.

Hochschul- und Wirtschschaftsverbände haben bereits einen Verhaltenskodex für Unternehmen und öffentlich finanzierte Forschung aufgestellt, durch den mehr Vertrauen geschaffen und Hindernisse für mehr Kooperation aus dem Weg geräumt werden sollen.

Im Jahr 2007 hatte die Europäische Kommission bereits eine Sammlung freiwilliger Richtlinien für Universitäten und Forschungseinrichtungen herausgegeben, die deren Zusammenarbeit mit der Wirtschaft verbessern sollten.

Letztes Jahr fand das erste Universitäts- und Wirtschaftsforum in Brüssel statt, dessen Ziel es war, einen besseren Dialog zwischen Hochschulen, Forschung und Unternehmen zu fördern. Das zweite Forum fand am 5. und 6. Februar 2009 statt.

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Weitere Nachrichten:

Der EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend Ján Figel' sagte dazu, europäische Universitäten würden ihr Potential, besonders in Bezug auf die Herstellung von Kontakten in die Wirtschaft, bei weitem nicht ausnutzen.

Auf dem zweiten Universitäts- und Wirtschaftsforum am 5. und 6. Februar 2009, lobte er die Universitäten, die Industrievertretern erlauben, in universitären Ausschüssen mitzuwirken, wo sie besonders darauf achteten, dass die Lehrpläne den Erfordernissen des Arbeitsmarktes angepasst würden.

Arbeitgeber berichteten, Hochschulabsolventen hätten oftmals nicht die richtigen Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie benötigten, sagte Figel'. Besonders gefragt seien mehr interdisziplinäre Themen und vielseitig anwendbare Fähigkeiten. Dies sei also ein Vorschlag zur Verbesserung des Hochschulwesens.

Laut Figel' werde die Kommission im April 2009 eine Mitteilung zur „Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschulen“ veröffentlichen, die eine Sammlung von bereits erfolgreich durchgeführten Projekten sein solle. Sie solle als  „Rezept“ für die Zusammenarbeit von Lehre und Wirtschaft dienen, fügte er hinzu.

Die Prioritäten der Kommission im Bildungssektor sind die Förderung der Mobilität der Lernenden durch die Ausweitung des Erasmus-Programms, die Verbesserung der Effizienz der Lehre und Ausbildung, das Vorantreiben von Innovationen, Kreativität und Unternehmergeist sowie die Modernisierung der europäischen Hochschulen.

Kommissar Figel' sagte, er respektiere und unterstütze das Subsidiaritätsprinzip und gab bekannt, er bevorzuge es, wenn in der Union Erfahrungen ausgetauscht würden, als wenn man die Methoden per se angleiche.

Positionen:

Professor Tadeusz Luty, Mitglied der Direktion der European University Association (EUA) und früherer Rektor der Wrocław University of Technology, meinte, das Hochschulwesen in Europa müsse die Nachfrage nach erstklassigen Kompetenzen und Fähigkeiten befriedigen, wenn es wettbewerbsfähig bleiben wolle.

Er sagte, es sei wichtig, die Werte und legitimen Interessen beider Seiten zu respektieren und diesen nachzukommen und gleichzeitig die Beziehungen zu intensivieren. Unabhängige Universitäten mit genügend finanziellen Ressourcen innerhalb eines diversifizierten Systems mit gemeinsamen Zielen und Werten würden eine Schlüsselrolle bei der Ankurbelung der Wirtschaft sowie der sozialen und kulturellen Entwicklung Europas spielen. 

Der tschechische Bildungsminister Ondřej Liška gab an, Tschechien werde im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft im April eine Konferenz abhalten, um nach konkreten Wegen zu suchen, um Bildung und Wirtschaft stärker miteinander zu verbinden.

Er erklärte, er wolle, dass sich die Ergebnisse der Debatte am Ende der tschechischen Ratspräsidentschaft in den Schlussfolgerungen des Ministerrats wiederfänden.

Kommunikation, Zusammenarbeit und Partnerschaften zwischen dem Bildungssektor und der Wirtschaftswelt seien von grundlegender Bedeutung nicht nur für die Ankurbelung der Wirtschaft, sondern auch für die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit aller Einzelpersonen und für die Gewährleistung des sozialen Zusammenhalts“, so der Minister.

Er betonte außerdem, dass die Geisteswissenschaften sowie die Künste ein großes Potenzial für Innovation bürgen und das man dem guten Beispiel einiger, bereits erfolgreicher Gemeinschaftsprojekte folgen solle.

Ana Patricia Botín, Vorstandsvorsitzende bei Banesto, einer spanischen Onlinebank, und Vorsitzende der Fundación Conocimiento y Desarrollo (CYD), forderte die Universitäten dazu auf, sich über die Beschäftigungsmöglichkeiten ihrer Absolventen Gedanken zu machen.

Um Unternehmergeist zu entwickeln, müssten sowohl der öffentliche als auch der private Sektor an der Erstellung des Lehrplans beiteiligt werden. Die Unternehmen müssten die Universitäten darüber informieren, welchen Bedarf sie hätten, damit die Qualität der Forschung verbessert werden könne, meinte Botín und fügte hinzu, dass die Universitäten bei der Entwicklung von Innovationen eine größere Rolle spielen sollten, indem bestimmte Unternehmensbereiche ausgegliedert und Technologieparks errichtet würden.

Andrea Benassi, Generalsekretär der Europäischen Union des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe (UEAPME), meinte, die Universitäten könnten die Ausbildung und Entwicklung von Innovationen in Unternehmen aller Größen unterstützen.

Der fehlende Geist zur Zusammenarbeit zwischen Universitäten und dem Mittelstand (KMU) erfordere die Entwicklung eines besseren Verständnisses von- und füreinander. Die einzige realistische Art, in diesem Punkt Fortschritte zu erzielen, sei die Einbindung professioneller Organisationen, meinte Benassi.

Er forderte die Kommission dazu auf, eine Datenbank mit Beispielen zu erstellen, in denen Universitäten der Geschäftsleitung von KMU erfolgreich spezielle Lehrpläne vorgeschlagen hätten.

Nächste Schritte:

  • April 2009: Europäische Kommission wird Mitteilung über Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschulen veröffentlichen. 
  • April 2009: Tschechien wird im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft zum Thema Partnerschaften zwischen Schulen und Arbeitgebern eine Konferenz in Prag organisieren. 

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