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Neuer EU-Innovationsplan soll ‚kreative Cluster’ stärken [DE]

Veröffentlicht 20. November 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Beamte, die Europas erste ‚Innovationsgesetz’ entwerfen sollen, untersuchen Möglichkeiten, um so genannte ‚kreative Cluster’ zu stärken, die als Motor für Innovation und Arbeitsplatzbeschaffung gelten.

Jean-Noël Durvy, Direktor für Innovationspolitik in der Unternehmensabteilung der Europäischen Kommission, versprach eine umfassendere Definition von Innovation sowie Unterstützung für Netzwerke von kreativen Industrien in Europa.

Bei einer vom Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation ausgerichteten Debatte sagte Durvy, dass der neue Innovationsplan einen „Paradigmenwechsel” weg von einer reinen Konzentration auf High-Tech-Unternehmen darstellen werde.

„Das traditionelle Konzept der Cluster  muss angepasst werden, damit es über Gruppen von Technologiefirmen hinaus angewendet werden kann”, sagte er und fügte hinzu, dass Brüssel nach Wegen suche, um Verknüpfungen zwischen Regionen zu stärken, die so genannte „wissensintensive Industrien” stärker unterstützen möchten.

Eine der erwogenen Maßnahmen ist eine Plattform, wo sich europäische Regionen treffen könnten, um Erfahrungen und Expertise über die Entwicklung von kreativen Clusters auszutauschen. Durvy erkannte jedoch an, dass konkretere politische Rahmenbedingungen ebenfalls gebraucht würden.

„Der Austausch von best practice ist nicht genug. Das Bilden von Netzwerken ist nötig, aber wir brauchen ebenfalls Partnerschaften und Unterstützungsdienste für Unternehmen. Wir sind dabei, bessere Unterstützungssysteme für die Industrie der innovativen Dienstleistungen zu entwickeln“, sagte er.

Zugang zu Finanzierung bereitet weiterhin Kopfschmerzen

Laut Durvy wird sich die Innovationsstrategie, die im Frühjahr 2010 veröffentlicht werden soll, mit Technologietransfer, Zugang zu Finanzierung und Unterstützung von neuen Unternehmen beschäftigen.

Das Gesetz wird wahrscheinlich auch praktische Fragen wie Patentreformen und eine KMU-freundlichere öffentliche Auftragsvergabe behandeln.

Laut Durvy, der eng an der Entwicklung des Innovationsplans beteiligt ist, wird die Rolle von Design wahrscheinlich im endgültigen Dokument eine prominente Rolle spielen. Er sagte, Design sei ein Aspekt von Innovation, dem die Kommission aufgrund seiner Bedeutung als Motor für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit besondere Beachtung geschenkt hat.

Dies deckt sich mit den Prioritäten, die im Manifest für Kreativität und Innovation festgelegt wurden, das diesen Monat dem Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso vorgestellt wurde (EurActiv vom 12. November 2009).

Laut Durvy sollten alle Industrien dazu ermutigt werden, Designer besser zu nutzen, wenn sie über innovative Produkte und Dienstleistungen nachdenken.

Ein fundamentales Problem für kreative Industriezweige, so der EU-Beamte, sei der Zugang zu Finanzierung. Während alle neu gegründeten Firmen in jüngster Vergangenheit nur schwer Bankkredite erhalten hätten, sei dies für wissensbasierte Firmen, deren Kreativität ihr einziges Kapital ist, eine besondere Herausforderung.

Eine der wesentlichen Empfehlungen eines von der EU unterstützten Panels von Unternehmensinnovatoren letzten Monat war eine Umwandlung des Europäischen Investmentfonds (EIF) in ein Mittel zur Beschaffung von Risikokapital, das innovative Projekte finanziell unterstützen würde (EurActiv vom 14. Oktober 2009).

Durvy sagte, die EU-Exekutive würde gerne mehr öffentlich-private Partnerschaften (ÖPPs) entwickeln und bei der Suche nach Unterstützungsmöglichkeiten für den kreativen Sektor stärker mit dem EIF zusammenarbeiten.

Jedoch betonte er, dass Risikokapitalgeber nicht investieren würden, wenn sie nicht sicher seien, Gewinn zu machen. Er fügte hinzu, dass der Markt – nicht öffentlichen Behörden – entscheide, welche Unternehmer Erfolg haben.

Stellungnahmen: 

Hans Martens, Leiter des European Policy Centre und Moderator der EYCI-Debatten, sagte, Europa hänge zu stark an den traditionellen Industrien auf Kosten des kreativen Sektors.

„Man konnte das daran sehen, wer während der Krise vor der Pleite gerettet wurde. Es waren die traditionellen Industrien. Wir haben eine emotionale Bindung an diese Art der großen, greifbaren Unternehmen“, sagte er. Martens fügte hinzu, dass so genannte „asset-light“-Firmen ein großes Problem damit hätten, Banken davon zu überzeugen, sie zu unterstützen, weil sie keine Sicherheiten hätten.

Laut Miguel Silvestre, Koordinator des kreativen Clusters Óbidos in Portugal, hat das Internet es kleinen urbanen Regionen ermöglicht, eine kritische Masse kreativer Industrien aufzubauen.

„Kreativität kann als treibende Kraft für die wirtschaftliche Entwicklung von kleinen und mittleren städtischen Zentren fungieren, nicht nur für große Städte. Dies kann dabei helfen, die wirtschaftliche Basis zu diversifizieren und jungen Menschen neue Möglichkeiten zu eröffnen“, sagte er.

Silvestre sagte, dass kleinere Städte es einfacher fänden, kreative Menschen bei der Politikentwicklung zu beteiligen. Jedoch seien praktische Maßnahmen nötig, um kreative Arbeiter aus den großen Städten zurückzulocken. In seiner Region hätten örtliche Behörden alte Häuser für hochwertige kreative Arbeiter renoviert als Teil der Bemühungen, talentierte Menschen anzuziehen und zu halten.

Ruta Prusiviciene, Leiterin des Vilnius Festival in Litauen, sagte, es gebe die ernsthafte Gefahr, dass die kulturelle Agenda von den Ausgabenplänen der Regierungen wegen der schweren Wirtschaftskrise gelöscht würden.

Das Vilnius Festival habe dabei geholfen, dem Kultursektor in Litauen einen Namen zu geben, und diene nun als Treffpunkt, wo Kulturschaffende und Politiker über verbesserte Bedingungen für die Kultur diskutieren könnten.

In Litauen hat dieser Dialog zu steuerlichen Ausnahmen für Künstler und verbesserten Verknüpfungen zwischen Kultur- und Unternehmensgruppen geführt.

Hasan Bakhshi, Direktor für kreative Industrien beim National Endowment for Science, Technology and the Arts (NESTA) in Großbritannien, sagte, kreative Industrien könnten zu positiven „Spillover-Effekten” für andere Wirtschaftsbereiche führen.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass Firmen, die sich mit kreativen Dienstleistungen einließen, indem sie mit Designern und Architekten zusammenarbeiteten, selbst innovativer seien.

„Politische Entscheidungsträger im Bereich der Innovation müssen die Rolle kreativer Industrien verstehen, nicht nur wegen ihres direkten Beitrags, sondern weil sie auf tiefgreifende Weise Innovation beeinflussen”, sagte er.

Laut Anne Marie Boutin, Vorsitzende der Agence pour la promotion et la création industrielle in Frankreich, spielt Bildung beim Aufbau einer kreativen Belegschaft eine zentrale Rolle. Sie sagte, alle Industriezweige müssten kreativ werden und Ausbilder sollten junge Menschen in inter-disziplinärer Projektarbeit schulen.

„Wenn wir künftigen Generationen eine wünschenswerte und nachhaltige Welt überlassen wollen, müssen wir Kreativität in allen Firmen, in der öffentlichen Verwaltung und in der Zivilgesellschaft entwickeln”, sagte sie.

Boutin sagte weiterhin, wenn Politiker in Europa Veränderungen wollten, sollten sie mit gutem Beispiel vorangehen und Designer an der Politikentwicklung beteiligen.

Hintergrund : 

Innovation ist in Brüssel ein gängiges Schlagwort, aber die Politikgestaltung in diesem Bereich ist zwischen etwa einem Dutzend individueller Generaldirektionen aufgeteilt.

Der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso hat eine modernisierte EU-Innovationspolitik angekündigt und wird bis zum Frühjahr 2010 ein Europäisches Innovationsgesetz veröffentlichen (EurActiv vom 25. September 2009). Das neue Gesetz wird von der Unternehmens- und Industriedirektion der EU-Exekutive vorbereitet.

Das Europäische Jahr der Kreativität und Innovation (EYCI) 2009 hat diese Fragen ins öffentliche Bewusstsein gerückt und gipfelte in der Veröffentlichung eines ‚Manifests’ von 27 EYCI-Botschaftern (EurActiv vom 12. November 2009).

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