Die Rolle von Innovationen bei der anhaltenden Diskussion um grünes Wachstum zu ignorieren könnte langfristige Folgen haben, da die Herausbildung zukünftiger Technologien von den heutigen Taten abhänge, so Bruegel in einem gestern (23. November) veröffentlichten Strategiepapier.
Bruegel verwies auf die geringe Anzahl grüner Patente und die niedrigen F & E Ausgaben bei der Stromerzeugung als Beweis dafür, dass grüne Innovationen im privaten Sektor noch keine große Rolle spielten.
Nach ihrer Ansicht müssten Regierungen einschreiten, um einen „gelenkten“ technologischen Wandel zu schaffen, indem verschmutzende Herstellung weniger rentabel wird und die Forschung und Entwicklung sauberer Technologien unterstützt werden. Dies könnte durch eine Kombination von CO2-Preisgestaltung und Subventionen für Niedrigkohlenstoff-Technologien erreicht werden, so die Argumentation weiter.
Zudem betonte der Think-Tank, dass glaubwürdiges Regierungshandeln der Schlüssel sein werde, um das Momentum des Prozesses aufrechtzuerhalten. Risikokapital gebe sich in Bezug auf saubere Technologien in Erwartung von Regierungsunterstützung optimistischer, aber dieses könne im Bereich der grünen Technologie eine Blase schaffen, die bei Nichterfüllung der Erwartungen platzen könnte, so die Warnung.
Dieses Vorgehen würde nach Meinung der Autoren Kosten und Nutzen des Klimaschutzes ausbalancieren. Sie fügten hinzu, dass eine Verzögerung der Eingriffe nur zu mehr Umweltzerstörung führen und die Produktivitätslücke zwischen schmutzigen und sauberen Technologien vergrößern würde.
Die EU verlässt sich auf ihr Emissionshandelssystem, um den CO2-Preis festzulegen (EU ETS; siehe EurActiv LinksDossier). Dieses System wurde letztes Jahr überarbeitet, um den derzeit geringen Preis durch eine reduzierte Anzahl von Zertifikaten zu erhöhen. Die Union diskutiert auch über eine Reform der Energiebesteuerung, die eine Mindeststeuer für CO2 auf EU-Ebene einführen würde (EurActiv vom 29. September 2009).
Bruegel drängte die EU und andere Industrieländer dazu, beim Wandel eine Führungsrolle zu übernehmen und die Entsendung von sauberen Technologien in Entwicklungsländer zu erleichtern. Ein bedeutsamer „Innovations-Spillover“ würde die Gefahr von „Verschmutzungsoasen“ in Ländern ohne solch stringente Klimagesetzgebung reduzieren, sodass Großkonzerne ihre Verschmutzungsaktivitäten nicht in diese Länder verlagern würden.
Die Einführung von CO2-Abgaben an den EU-Außengrenzen sollte nur in Erwägung gezogen werden, wenn saubere Technologien jedem zu einem erschwinglichen Preis zur Verfügung stünden, so das Papier.
„Das Hauptwerkzeug ist die Herstellung und Verbreitung von Technologien […] Aber wenn es eindeutige Beweise dafür gibt, dass einige Länder aus dem Schritt Nutzen schlagen, […] dann können wir nicht ausschließen, dass Sachen wie CO2-Abgaben in der Diskussion auf den Tisch gebracht werden“, sagte Philippe Aghion, Mitautor des Berichts.
Frankreich und Deutschland haben sich für solche CO2-Abgaben an den EU-Außengrenzen ausgesprochen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrien sicherzustellen (EurActiv vom 18. September 2009). Andere Mitgliedstaaten haben jedoch zu Bedenken gegeben, dass dies ein protektionistisches Signal aussenden und Fortschritte bei den laufenden UN-Klimaverhandlungen gefährden könnte.




