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EU will Abwehr gegen Cyberattacken stärken

Veröffentlicht 30. September 2010 - Aktualisiert 04. Oktober 2010
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Die Europäische Kommission wird heute (30. September) neue Regeln vorschlagen, um die Abwehr der EU gegen Cyberattacken zu stärken, die in den letzten Jahren an Anzahl, Ausmaß und Auswirkung gestiegen sind.

Der neuen vorgeschlagenen Gesetzgebung zufolge würden neue aktualisierte gesetzliche Instrumente den EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen, um dem Cyberverbrechen zu begegnen.

Die existierenden Regeln verlangen, dass der illegale Zugang und das Eingreifen in Computer, Server und Daten als Straftat verfolgbar sind. Die vorgeschlagene Richtlinie wird die derzeitigen Regelungen erhalten und stärken. Doch es wird außerdem insbesondere diejenigen betreffen und bestrafen, die Instrumente und Software herstellen, nutzen oder verkaufen, die zur Ausführung von Cyberverbrechen gedacht sind.

In den vergangenen Jahren haben kriminelle Organisationen groß angelegte illegale Operationen gegen sensible Informationsinfrastrukturen in verschiedenen EU-Ländern durchgeführt. Diese koordinierten Sabotageakte wurden durch die Nutzung spezieller Instrumente möglich gemacht, so wie Malware und Botnetze.

Malware ist schädliche Software, die auf einem Computer installiert wird, normalerweise ohne Zustimmung des Besitzers, um eine Reihe an betrügerischen Operationen durchzuführen, wie Datenklau oder Fernsteuerung des Geräts.

Sobald ein Computer den Befehlen eines unbekannten Nutzers folgt, wird er im Jargon „Zombie“ genannt. Hunderte oder gar tausende von Zombies, die von einem einzigen Kontrollzentrum aus gleichzeitig ins Leben gerufen werden, werden zu einer gefährlichen virtuellen Armee, die „Botnetz“ genannt wird und in der Lage ist, ernsthafte Störungen in der privaten und öffentlichen Informationsinfrastruktur auszulösen.

Virtuelle Kriege

Der berühmtberüchtigtste Angriff in Europa wurde 2007 gegen Estland verübt, eines der am stärksten digitalisierten Länder der EU. Den Tätern, die von den Behörden in Tallinn als im Dienst des Nachbarlandes Russland stehend identifiziert wurden, ist es gelungen, eine Reihe offizieller estnischer Webseiten zu blockieren. Für eine Weile schafften sie es, Onlinebanking, die Zahlung der Renten und eine Reihe anderer heikler Operationen einzufrieren, wodurch sowohl die Behörden als auch die Bürger beeinträchtigt wurden.

Mit der Hilfe schadvoller Software sei es möglich, die Kontrolle über eine große Menge an Computern zu erlangen und Kreditkartennummern und sensible Informationen zu stehlen oder groß angelegte Attacken zu beginnen. Es sei an der Zeit, dass man die Anstrengungen der EU gegen das Cyberverbrechen erhöhe, das auch häufig vom organisierten Verbrechen genutzt werde, sagte die EU-Kommissarin für Inneres, Cecilia Malmström, in einem Dokument.

Jedes Jahr gebe es neue gefährlichere Botnetze, die in der Lage seien, elektronische Dienste weltweit zu unterbrechen. Informationen der Kommission zufolge hat seit 2008 eine neue Art Malware, die unter dem Namen „Conficker“ bekannt ist, mehrere Länder in der ganzen Welt angegriffen. Berichten zufolge erlebten Verteidigungsdienste in Frankreich, Deutschland und Großbritannien ernsthafte Störungen, nachdem sie in den Anfangsmonaten 2009 von diesem Botnetz attackiert wurden. In der jüngeren Vergangenheit heißt es von einer neuartigen Malware namens „Stuxnet“, sie habe Anlagen, Fabriken und Pipelines infiziert. Konsequenzen für die industrielle Produktion sind möglich.

Die neu vorgeschlagenen EU-Regeln visieren spezifisch die Nutzung von Malware oder Botnetzen an. Um gegen diese Operationen vorzugehen, werden Mitgliedsstaaten im Feld der Cyberabwehr effektiver miteinander kooperieren und dringenden Anfragen sofort Folge leisten müssen.

Neue Rolle der ENISA

Als Teil des heute vorgeschlagenen Pakets schlägt die Kommission auch einen Regelungsentwurf vor, der darauf abzielt, den Auftrag der Europäischen Agentur, die der Netzsicherheit gewidmet ist, der ENISA, zu stärken und zu verlängern.

Unter den neuen Regelungen wird die Agentur ihre Anstrengungen zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Mitgliedsstaaten im Bereich der virtuellen Sicherheit verstärken. Sie wird auch weiterhin EU-weite Sensibilisierungskampagnen zu Cyberrisiken veranstalten.

Dabei handelt es sich genau um das, worauf die digitale Industrie die europäischen Behörden drängt.

Das weit verbreitete Bewusstsein über die versteckten Gefahren der Informationsnetzwerke wird die Nutzung der besten Abwehrinstrumente vereinfachen und die Ansteckung durch infizierte Software blockieren, und daher die Auswirkung des Online-Schwindels einschränken.

Die Behörden und Regierungen der EU müssten noch enger zusammenarbeiten, um den Leuten zu helfen, die Eigenschaften und das Ausmaß der neuen Cyberdrohungen zu verstehen. Man brauche die Hinweise und die Unterstützung der ENISA, um bei der Gestaltung wirksamer Reaktionsmechanismen zu helfen. Diese sollten die Bürger und die Online-Geschäfte schützen, sagte die EU-Kommissarin, die für Telekommunikationsnetze zuständig ist, Neelie Kroes.

Stellungnahmen: 

In einer Rede bei einer Pressekonferenz sagte die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda,Neelie Kroes zu den weniger angenehmen Aspekten des digitalen Lebens, dass Europa auf das Schlimmste vorbereitet sein müsse, wenn es zu Cyberattacken komme.

Cyberbedrohungen und Cyberverbrechen seien „bewegliche Ziele“. Sie seien nie leicht aufzuhalten, da die digitale Welt sich schnell verändere und es in den meisten Fällen sehr schwierig sei, sicher zu sein, wo die Attacken hergekommen seien. Deswegen müsse man besser vorbereitet sein und strengere Sanktionen gegen Cyberverbrecher haben, um mit dieser Bedrohung fertig zu werden, sagte sie.

Sie beschrieb diese Bedrohungen als „echt“ und „globaler Natur“ und forderte eine gemeinsame Anstrengung, um Sicherheit für Onlinehandel, E-Gesundheit und „Cloud-Computing“ zu verbessern.

Die EU-Kommissarin für Inneres, Cecilia Malmström, warnte vor Veränderungen in der Natur der Bedrohung, die von Cyberattacken ausgehen. Cyberverbrecher seien heute eher vom Verlangen nach finanziellen Gewinnen motiviert als vom Wunsch, Chaos zu stiften. Sie warnte vor so genannten „Botnetzen“, die Computer so einrichteten, dass sie Viren verschickten, ohne dass ihr Besitzer sich dessen bewusst sei.

In einigen Mitgliedsstaaten sei die formelle Straftat, die mit großen Angriffen verbunden sei, vielleicht nicht als streng genug gesehen, um schnelle grenzübergreifende Kooperation im Gesetzesvollzug und der Justiz zu rechtfertigen.

Die vorgeschlagene Gesetzgebung führe neue Elemente ein, um die Prävention und den Kampf gegen solche Angriffe anzusprechen.

Die Europäische Union falle in ihren Anstrengungen zurück, eine gemeinsame Politik zur Cybersicherheit zu schaffen und vollständig umzusetzen, und brauche einen speziellen Koordinator für Cyberabwehr, sagte der Europaabgeordnete Ivailo Kalfin (S&D, Bulgarien) in einer Pressemitteilung.

Diese Situation widerspreche dem Ehrgeiz der EU, die Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien zu ermutigen, um die Wirtschaft in den kommenden Jahren zu fördern.

Das Paket, das von der Gemeinschaft eingeführt wurde, sei ein Schritt in die richtige Richtung, doch leider nur ein kleiner. Kalfin zufolge braucht die EU einen europäischen Koordinator für den Schutz seiner Cybersphäre, ähnlich dem existierenden EU-Koordinator für die Terrorismusbekämpfung.

Man werde im Europäischen Parlament alles Mögliche tun, um mehr Ehrgeiz und politische Energie in die Frage der Cybersicherheit zu lenken.

Hintergrund : 

Die Behörden der EU und der NATO fingen an nach einer massiven Cyberattacke auf sowohl öffentliche als auch private strategische Infrastrukturen in Estland im Jahr 2007, ihren gemeinsamen Ansatz über den Schutz von Telekommunikationsnetzen zu überdenken.

Im März 2009 veröffentlichte die Europäische Kommission eine neue Mitteilung, die den „Schutz Europas vor Cyberattacken großen Ausmaßes“ betraf.

Zuvor hatten sich NATO-Chefs im April 2008 bei einem Gipfeltreffen in Bukarest versammelt und sich auf eine gemeinsame Politik in der Cyberabwehr geeinigt. Sie verpflichteten sich, eine neue Behörde einzurichten, die als Hauptaufgabe haben sollte, die „politischen und technischen“ Reaktionen NATO auf Cyberattacken zu koordinieren (EurActiv 04.04.08).

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