Nach Schätzungen des Marktanalytikers Point Carbon betrug die Gesamtmenge der Industrieemissionen im Jahr 2009 1,887 Milliarden Tonnen. Dies stellt einen Rückgang um 11% im Vergleich zum Vorjahr dar und bestätigt damit, dass sich die schwächelnde Konjunktur im letzten Jahr noch stärker auf Industrieproduktion und Energienachfrage niedergeschlagen hat als im Jahr 2008, so Point Carbon.
Die Zahlen basieren auf vorläufige Zahlen der Kommission über bestätigte Emissionen auf Ebene der Industrieanlagen im EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) sowie auf Schätzungen für Länder, die noch Angaben über ihre Emissionen machen müssen. So haben Portugal, Bulgarien, Zypern, Malta und Norwegen der EU-Exekutive noch keine Daten übermittelt.
Der deutliche Rückgang bedeutet, dass die Emissionen unter der vom EU ETS gesetzten Obergrenze lagen, die der EU bei der Einhaltung ihrer Klimaverpflichtungen helfen soll.
Tatsächlich hatten europäische Firmen Point Carbon zufolge überschüssige Ausstoßrechte im Wert von 80 Millionen Tonnen CO2 übrig.
Umweltschützer haben den Einfluss der Wirtschaftskrise auf die Emissionen als Zeichen gedeutet, dass die Obergrenze des EU ETS nicht hart genug ist. Da die überschüssigen Ausstoßrechte aufbewahrt und in der nächsten Handelsphase ab 2013 benutzt werden können, wird befürchtet, dass die Rezession die Kohlendioxidpreise noch auf Jahre hinaus in die Tiefe treiben könnte (EurActiv vom 5. März 2010).
"Diese neuen Informationen machen es deutlicher denn je, dass die EU ihren Ehrgeiz in Klimafragen verstärken muss. Die Obergrenze ist höher als die Emissionen und wir sind bereits auf halbem Weg, die Obergrenzen für 2020 einzuhalten", sagte Bryony Worthington, Direktorin der Klimaschutzorganisation Sandbag.
Kjersti Ulset, bei Point Carbon für europäische Kohlendioxid-Analyse zuständig, sagte jedoch, dass der Rückgang der Emissionen zu erwarten gewesen sei und dass die Emissionen nächstes Jahr wieder ansteigen würden.
"Dies war mehr oder weniger vom Markt erwartet worden. Ich glaube nicht, dass es großen Einfluss auf das Emissionshandelssystem an sich haben wird", sagte sie. Wenn überhaupt, habe die Veröffentlichung der Daten dem Markt mehr Sicherheit gegeben.
"Viele Marktteilnehmer befürchteten sehr niedrige Emissionen für 2009, aber nun haben sie die Zahlen für 2009 gesehen und die Unsicherheit auf dem Markt hat abgenommen", so Ulset.
Gegenüber EurActiv sagte Ulset am Nachmittag nach der Veröffentlichung der Daten, dass die Preise für die EU-Ausstoßrechte als Ergebnis um 20 Cent angestiegen seien.
Die Kommission wird nächsten Monat den gesamten Datensatz veröffentlichen.




