Lew Fulton, Spezialist für Verkehrsenergie bei der Internationalen Energieagentur (IEA), argumentiert, dass die Schwierigkeit, Elektrofahrzeuge erfolgreich auf den Markt zu bringen, darin liegt, die Aufladeinfrastruktur zu schaffen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Fahrzeuge betriebsklar werden.
„In den nächsten 3-5 Jahren müssen wir sehr vorsichtig sein, um keine großen Fehler zu machen“, warnte Fulton, als er bei einem Runden Tisch in Brüssel, der letzte Woche (29. April) vom Französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI) organisiert wurde, eine Ansprache hielt.
Er warnte, dass eine sorgfältige Studie von Kundenvorlieben nötig sei, um eine Situation zu vermeiden, in der die Infrastruktur und Fahrzeuge gebaut werden, ohne dass Kunden gefunden werden können.
Es besteht eine „große Lücke in den vorhandenen Informationen zu Kundenvorstellungen“, so Fulton.
Die IEA empfahl letztes Jahr, dass die gemeinsamen Verkaufszahlen von Elektroautos und steckerfertigen Hybridfahrzeugen bis 2020 wenigstens fünf Millionen weltweit erreichen sollten, um ihren Marktanteil bis 2050 auf 50 Prozent zu steigern.
Fulton sagte, dass die weltweit angekündigten Zielsetzungen verschiedener Länder sich bereits auf vier Millionen bis 2020 belaufen würden, was nicht weit vom ehrgeizigen Ziel der IEA entfernt sei.
Batterie bleibt Schlüsselfrage
Sprecher des Events waren sich einig, dass Batterietechnologie der Hauptbereich ist, in dem Fortschritte nötig seien, um Elektroautos der Öffentlichkeit näher zu bringen.
„Die Batterie ist ein unerhörter Engpass bei Elektroautos“, so Thomas C. Luthy von IBMs Energie und Versorgungsabteilung. Jedoch behauptet er, dass modernste Technologien aus Forschungslaboren, so wie Lithium-Luft-Batterien „drastisch die Größe reduzieren und die Energiedichte erhöhen würden“.
Luthy betonte die Notwendigkeit, Elektroautos als stufenweise Veränderung zu sehen, die Investitionen braucht und beweisen muss, dass sie funktioniert.
„Ich stimme nicht mit der Meinung überein, dass wir eine neue Generation von Batterien brauchen, bevor wir beginnen können“, so Fulton von der IEA. Stattdessen glaubt er, die existierende Lithiumbatterie „wird für die kommenden Jahre ausreichen“.
Die Hauptprobleme, die gelöst werden müssen, glaubt Luthy, beträfen die Notwendigkeit, die Lebensdauer und Reichweite der Fahrten zu verbessern, die man mit Batterien erreichen kann.
„Wir brauchen Batterien, die mindestens zehn Jahre überleben. 15 wären besser.“
Um eine weitere Reichweite zu erreichen, wurden schnelle Wiederaufladung und Batterietausch als mögliche Lösung vorgeschlagen.
„Schnelle Ladetechnologien sind von großer Bedeutung, um den Markt zu bewegen“, so Luthy, der erklärt, dass Japan hier Marktführer zu sein scheint.
Trotzdem ist das Problem mit Technologien, die man in einigen Minuten statt einigen Stunden laden kann, dass sie hart für die Batterien seien. Fulton sagte: „Wenn wir hinunter auf Level 3 Schnellladung gehen, müssen wir sicher sein, dass die Batterien damit umgehen können und wir nicht deren Lebensspanne verkürzen.“
Der IEA-Experte betonte auch, dass, wenn Schnellladung schon früh allgemein erhältlich sei und zu Stoßzeiten benutzt würde, es eine Belastung für das Elektrizitätsnetz darstellen würde, die ansonsten erst nach 2020 fühlbar werden wird, wenn Elektroautos vermehrt auf der Straße sind.
Batterietausch auf der anderen Seite hat nicht viel Unterstützung gefunden und wurde als teuer gesehen.
Luthy meinte, dass Hersteller für den Tausch ihr „teuerstes technologisches Kapital“ standardisieren müssten: „Ich glaube, es gibt kosteneffektivere Wege, die Reichweite zu verbessern.“
Standardisierung: Anstrengungen ungleichmäßig
Luthy sagte, die amerikanische SAE International war einmal der Marktführer, wenn es darum ging, Standards für die Automobilindustrie zu setzen, doch eine weltweite Verschiebung gen Osten bedeutet, dass China zum Beispiel jetzt seine Marktdominanz benutzen möchte, um Standards für elektrische Autos zu setzen.
„Es gibt keinen Vorreiter in Standards und deswegen keine Standardisierung von Standards“, so Luthy. Er erklärte, dass jede Region jetzt an ihren eigenen Standards arbeite.




