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Hedegaard zieht bei EU-Klimazielen zurück

Veröffentlicht 27. Mai 2010 - Aktualisiert 02. Juni 2010
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EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard präsentierte gestern (26. Mai) ein Dokument, in dem sie die Gründe für das Ziel einer unilateralen Reduktion um 30 Prozent von EU-Treibhausgasen bis 2020 darlegte. Sie verteidigte das Dokument jedoch nicht, sondern knickte unter dem Druck von Frankreich und Deutschland ein.

Die EU-Klimachefin enthüllte eine neue Mitteilung, die beinhaltet, dass das Klimaziel einer Reduktion der EU-Emissionen um 30 Prozent gegenüber 1990 bis zum Jahre 2020 bezahlbar und technisch machbar ist.

Die Europäische Kommission schätzt, dass als Ergebnis des wirtschaftlichen Abschwungs die Kosten für das aktuelle 20 Prozentziel auf 48 Milliarden Euro pro Jahr bis 2020 gesunken sind. Als das Packet abgestimmt wurde, ging eine Schätzung von 70 Milliarden Euro aus. Daher würde es lediglich elf Milliarden Euro mehr kosten, das 30 Prozentziel zu erreichen, gegenüber dem, was EU-Regierungen vor zwei Jahren vereinbart hatten (EurActiv 03.05.10). 

Die Krise hat ebenso Auswirkungen auf das Emissionshandelsschema der EU (EU ETS), dem Flaggschiff der Union für die Reduktion von globalen Emissionen, indem CO2-Preise gesenkt werden. Hedegaard warnte, dass CO2-Preise nicht automatisch steigen würden, wenn Europa die Krise bewältigen würde, weswegen größere Ambitionen in der Reduktion von CO2 benötigt seien, um grüne Investitionen zu stimulieren.

Klima-Rückzieher

Doch obwohl sie das Ziel der 30 Prozent verteidigte, unterstützte die Kommissarin keine unilaterale EU-Aktion, sondern sagte, dass der Wechsel davon abhängig bleibe, wie der Fortschritt bei einem neuen internationalen Klimavertrag aussehen würde.

„Sind die Umstände jetzt richtig? Würde es gerade jetzt Sinn machen? Meine Antwort wäre ‚Nein’.“

Hedegaard sagte, dass der nächste Schritt sei, den Einfluss der Erhöhung des Ziels für jeden einzelnen Mitgliedsstaat zu prüfen, damit diese ihre Positionen überdenken könnten. Die spanische EU-Ratspräsidentschaft plant, im Vorfeld Diskussionen zu dem Thema bei einem Treffen der Umweltminister im Juni abzuhalten.

Die Doppeldeutigkeit könnte eine Bemühung sein, die Erwartungen zu koordinieren, da viele Mitgliedsstaaten gegen jede weitere Änderung der Kommission an den Kohlezielen für ihre jeweiligen Industrien sind. Sie werden letztendlich entscheiden, ob das Ziel angehoben wird.

Am Dienstag sagten die französischen und deutschen Industrieminister Journalisten, dass Paris und Berlin die Ausdehnung auf -30 Prozent nur dann unterstützen würden, wenn andere Nationen vergleichbare Bemühungen unternehmen würden (EurActiv 26.05.10). 

Hedegaard bestand darauf, dass ein Eingangsangebot die beste Strategie darstellt, weitere Engagements von anderen Ländern in internationalen Verhandlungen zu erhalten, unabhängig von Anschuldigungen, dass die Strategie bisher wenige Ergebnisse erreicht habe. Sie sagte, dass die EU die Situation im Vorfeld der Cancún Klimakonferenz neu bewerten könne, um zu sehen, wie sie ihre Karten am besten spielen sollte.

Industrielle Konkurrenzfähigkeit bewahren

Die Mitteilung bewertet auch das Risiko der Abwanderung von Unternehmen, die sich von der EU in Länder mit weniger strengen Kohleregulierungen verlagern könnten, das so genannte „Kohle-Leck“.

Sie schloss damit ab, dass die ungenutzten Freibeträge, die von Unternehmen mit sinkenden Bestellungen angesammelt werden, es „weniger wahrscheinlich“ machten, dass energieintensive Industrien als Resultat der EU-Klimapolitik gegenüber ausländischen Firmen an Boden verlieren würden.

Die zusätzlichen Bemühungen, die für ein 30 Prozentziel notwendig wären, würden lediglich in einem Produktionsverlust von einem Prozent für energieintensive Industrien resultieren. Die Chemieindustrie würde dabei am Schwersten getroffen werden.

Hedegaard sagte, dass die aktuellen Maßnahmen im Kampf gegen das „Kohle-Leck“ in Form von Gratis-Zuweisungen der Emissionsrechte und der Option, Kredite zu verrechnen, daher „berechtigt bleiben und beibehalten werden sollten.“

Die Kommission prüft weiterhin Grenztarife als Option, wobei sie warnte, dass es „extrem schwierig“ wäre, ein solches System aufzubauen, ohne die Industrien mit einem enormen Verwaltungsaufwand zu belasten.

Eine Lawine an Studien hat in der letzten Zeit behauptet, dass das Risiko des „Kohle-Lecks“ extrem überbewertet wurde und effektiv nur wenige Sektoren betroffen seien.

Stellungnahmen: 

Unternehmen verurteilten die Zieländerung auf 30 Prozent und behaupteten, dass die Emissionsreduzierungen europäischen Firmen einen Nachteil in ihrer Konkurrenzfähigkeit bringen würden.

BusinessEurope, die europäische Unternehmerlobby sagte, dass der Klimawandel nur auf globaler Ebene bekämpft werden könne.

„Wir sind […] überzeugt, dass eine weitere Steigerung des unilateralen 20 Prozentziels der EU zu diesem Zeitpunkt wenig überzeugend für andere Staaten wäre, sich vergleichbare Ziele zu setzen. Darüber hinaus würde es das falsche Signal an die europäische Industrie in Zeiten der Wirtschaftskrise senden“, sagte Jürgen R. Thumann, Präsident von BusinessEurope.

Die Europäische Allianz von energieintensiven Industrien ist gegen eine unilaterale Bewegung und bat die Europäische Kommission, sich auf internationale Klimaverhandlungen und langfristige Politik zu konzentrieren, um die Ziele für 2050 zu erreichen. Sie behauptete, dass die Szenarien, die besagen, dass das 30 Prozentziel aktuell finanzierbar ist, nicht bedenken, dass der wirtschaftliche Abschwung „die Kapazität der EU-Industrie und Gesellschaft, mit unilateralen Lasten umzugehen, reduziert hat.“

„Globales Wachstum der produzierenden Industrie wird mit oder ohne Beteiligung der EU weiter wachsen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Es hat sich nicht im Geringsten verändert, dass die EU-Industrien anderen Wirtschaften ausgesetzt sind, die keinen CO2-Begrenzungen unterliegen. Dies darf nicht weiter durch unilaterale Politik verschärft werden, die bisher in internationalen Verhandlungen erfolglos waren.“

Der Verband der britischen Industrie (CBI) sagte, dass er die Sichtweise der Kommission teile, dass aktuell nicht der richtige Zeitpunkt sei, die Emissionsreduktionsziele für 2020 zu verändern.

„In der Abwesenheit eines globalen, verbindlichen Klimadeals ist es vorgegriffen, das Ziel für 2020 unilateral in der EU anzuheben. Wir glauben, dass ein unilateraler Schachzug die EU-Hersteller benachteiligen könnte, indem sie höheren Kosten ausgesetzt wären als ihre internationalen Konkurrenten“, sagte Neil Bentley, CBI Direktor für Unternehmensumwelt. „Bevor jegliche Entscheidungen getroffen werden, muss mehr Arbeit bezüglich des potentiellen Einflusses einer Zieländerung auf die verschiedenen Sektoren und die Energiesicherheit in Großbritannien geleistet werden.“

Die Prince of Wales’s EU Corporate Leaders Group on Climate Change sagte jedoch, dass es auch in der Abwesenheit eines internationalen Abkommens eine wirtschaftliche Situation gebe, in der das 20 Prozentziel von Treibhausgasreduktionen geprüft werden könne. Sie fügte hinzu, dass ein Plan, der die wirtschaftlichen Folgen für bestimmte Sektoren thematisieren würde, erstellt werden sollte. In diesem könnten unter Anderem Fortschritte der Energieeffizienz, der Finanzierung von Niedrig-CO2-Technologien und Kohlenstoff-Abscheidungen und –Speicherungsmodellprojekten geprüft werden.

Grüne NROs hießen die Mitteilung willkommen, betonten jedoch, dass sie nur einen ersten Schritt darstelle.

Das Climate Action Network Europe (CAN-Europe) hieß das Dokument der Kommission als Antwort auf die Frage, ob Europa hinter China und den USA in sauberen Technologien hinterherhinken würde, willkommen. „Obwohl die Mitteilung Schwächen beinhaltet, insbesondere in dem Mangel an länderspezifischen wirtschaftlichen Analysen und ihren unvollständigen Politikanalysen, ist es der erste konkrete Schritt zu einem unilateralen Engagement der EU für ein vorbehaltsloses 30 Prozentziel der Reduktion von Treibhausgasen.“

Friends of the Earth Europesagte, dass die Europäische Kommission einen „kühnen Beitrag“ zu der Anhebung der EU-Klimaambitionen geleistet habe. Sie verlangten von der EU, nun ein heimisches 40 Prozentziel zu verabschieden.

„Connie Hedegaard hat einen vorsichtigen ersten Schritt gemacht, doch hat es versäumt, deutlich zu EU-Emissionsreduktionen bis 2020 aufzurufen. Wenn ein 30 Prozentziel vereinbart wird, werden wir näher an den essentiellen 40 Prozent sein, die uns eine bessere Chance bieten würden, die globale Erderwärmung unterhalb von 2 Grad Celsius zu halten. Eine Reduktion um 40 Prozent ist nicht nur möglich, sondern bezahlbar und notwendig“, sagte David Heller, Klimajustiz- und Energieaktivist bei Friends of the Earth Europe. Er fügte hinzu, dass die Kürzungen Inlands gemacht werden müssten, anstatt durch Verrechnungen neue europäische Arbeitsplätze zu schaffen.

Gert Jan Koopman, Direktor für wirtschaftliche Evaluierung und strukturelle Reformen bei der Europäischen Kommission, sagte bei einer Konferenz am Dienstag (25. Mai), dass es wichtig sei, das Ziel nicht zu hoch zu setzen, da es sonst die Konkurrenzfähigkeit zerstören könnte.

„Wir brauchen intelligente Politik, da wir nicht das Budget bekommen haben, um teure Politik zu machen.“

Koopmans Position wurde von Ivan Hodac, Generalsekretär beim Verband europäischer Automobilhersteller, wiederholt, der betonte, dass „wir ambitioniert, aber realistisch ambitioniert sein sollten. Wenn wir zu ambitioniert sind, riskieren wir, an Konkurrenzfähigkeit einzubüßen.“

Jacques Delmoitiez, Präsident von BASF Polurethanes, räumte ein, dass die EU ambitioniert sein sollte, doch dass „wir zuerst versuchen sollten, das Ziel von 20 Prozent zu erreichen und dass wir dann über das Ziel hinausgehen können.“

Doch Jennifer Morgan, Direktorin des Klima- und Energieprogramms im in Washington ansässigen World Resources Institute, versuchte, dem Ziel von 30 Prozent eine internationalere Sichtweise hinzuzufügen: „Die EU sieht es als Bedrohung, doch in den USA sieht man es als Bedrohung, wenn die EU weiterhin die Führung übernimmt.“

Nächste Schritte: 
  • 21. Juni: EU-Umweltminister diskutieren den Bericht der Kommission und beschließen möglicherweise ein Ziel von -30 Prozent.

Hintergrund : 

Das Klima- und Energiepaket der EU, das im Dezember 2008 verabschiedet wurde, stellt einen gesetzgeberischen Rahmen dar, um das verbindliche Ziel des Blocks zu erreichen, die Emissionen vom Niveau 1990 um 20 Prozent bis 2020 zu senken.

Da jedoch die globale Gemeinschaft in Verhandlungen über einen neuen Klimavertrag steht, der das Kyotoprotokoll ersetzen soll, das 2012 ausläuft, hat die EU versichert, ihr Ziel auf 30 Prozent aufzustocken, wenn andere Länder vergleichbare Engagements verabschieden.

Bei der Kopenhagenkonferenz im Dezember 2009 hatten die Führer der Welt ein Abkommen abgeliefert, das die Europäer enttäuschte, da es keine verbindlichen Engagements enthielt, um Treibhausgase zu reduzieren (EurActiv 19.12.09). 

Der gesichtswahrende Deal, Kopenhagen-Abkommen genannt, stellte das Ziel auf, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C zu halten, um gefährliche Klimawandlungen zu verhindern.

Im März 2010 präsentierte die Kommission ihre Strategie, um die globalen Verhandlungen nach Kopenhagen neu zu beleben, und versprach, bis zum Sommer eine Analyse zu veröffentlichen, wie Europa ein 30 Prozentziel der Reduktion erreichen könnte (EurActiv 10.03.10).

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